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Bevor sie mich liebte von Dymott, Elanor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2013
  • Verlag: Kein & Aber
eBook (ePUB)
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Bevor sie mich liebte

Erst ein halbes Jahr ist vergangen seit jener Mittsommernacht, in der Alexanders Frau Rachel einem brutalen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Auf Bitten ihres ehemaligen Literaturprofessors kehrt Alexander zurück an den Tatort, das verschneite Worcester College in Oxford, und erfährt dort allmählich von einem ihm unbekannten Leben seiner Frau. Hat die Geschichte der Ermordung bereits während Rachels Studium ihren Anfang genommen? Weshalb hat Rachel ihm trotz ihrer glücklichen Ehe Dinge vorenthalten? Die analytisch nüchterne Art des Anwalts, der den Mord zu verarbeiten versucht, trifft auf die ausschweifende Erzählweise des Literaturprofessors, der mehr zu wissen scheint, als er anfangs zugibt. Die Stränge verweben sich, lassen bedrohliche Schatten hervortreten und wahren doch in ihrem Innern einen warmen und versöhnlichen Kern. Elanor Dymott wurde 1973 in Chingola, Sambia geboren. Sie ging in den USA und in England zur Schule und verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Südostasien. Nach einem Englischstudium in Oxford, entschied sie sich für eine Anwaltslaufbahn. Für kurze Zeit kehrte sie nach Singapur und Indonesien zurück, um als Finanzjuristin zu arbeiten. Sie lebt inzwischen in London, arbeitet als Gerichtsreporterin u.a. für "The Times" und spielt in einer Jazzband. "Bevor sie mich liebte" ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 24.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783036992297
    Verlag: Kein & Aber
    Größe: 3547 kBytes
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Bevor sie mich liebte

1

E s wäre nicht ganz falsch, wenn ich Richard als meinen engsten Freund bezeichnen würde, auch wenn ich nicht glaube, dass er auf die Idee käme, mich ebenso zu nennen. Vielleicht also nicht mein engster, sondern mein ältester Freund, und das kann ich mit Gewissheit behaupten, denn unsere erste Begegnung fand nur Stunden nach unserer Ankunft in Oxford statt, bei einem Tee, zu dem unser Tutor geladen hatte. Diese ersten Begegnungen prägen sich im Gedächtnis ein. Die Hände, die ich in den ersten Tagen des Herbsttrimesters schüttelte, kann ich fast heute noch spüren. Aber nur, wenn ich das will; wenn ich zurückdenke.

"Das Studium der Rechte", sagte Charles Haddon zu uns, als wir in seinem Salon standen, "wird nur die enttäuschen, die es anders angehen als in der Erwartung, dass sie, um Erfolg zu haben, unglaublich hart arbeiten müssen. Wahrscheinlich gibt es den einen oder anderen unter Ihnen, der irrtümlich meint, er hätte die wahren Herausforderungen bereits hinter sich. Und das bisschen Erfolg, das Sie sich mit Ihrem Häuflein Einser im Abitur erworben haben, sei das Wesentliche gewesen. Vielleicht gibt es sogar einige unter Ihnen, die sich der Illusion hingeben, sie hätten mit ihrem Studienplatz hier bei uns auch das Recht erlangt, sich zu vergnügen. Diese Annahme, das darf ich Ihnen versichern, wäre ein gravierender Fehler und ein folgenschwerer dazu. Das ist alles, was ich im Moment zu sagen habe. Hinter Ihnen stehen Scones bereit, und den Tee finden Sie am Fenster."

Während diese Ansprache bei mir den Wunsch auslöste, hinter dem Vorhang zu verschwinden und nicht wieder hervorzukommen, hatte sie auf Richard offenbar die gegenteilige Wirkung, denn er sprang vor und fing eine Debatte mit Haddon an, von dem er einen Artikel in der Times gelesen hatte. Wir sollten die nächsten drei Jahre Tutoriumskollegen sein, Richard und ich, und dieses Muster blieb die ganze Zeit über bestehen, ohne uns sonderlich zu stören: Ich schaute beinahe kommentarlos zu, während Richard und Haddon die Sache zwischen sich ausfochten. Am Ende standen wir gleich gut da, weil wir uns beide an Haddons Rat hielten. Wir frühstückten jeden Morgen zusammen im Speisesaal, dann gingen wir zu den Vorlesungen und aßen im Institut zu Mittag. Danach kehrten wir ins College zurück und blieben an unseren Tischen in der Old Library, bis die Glocke zum Abendessen läutete. Pausen legten wir nur ein, um in der Buttery Bar Tee zu trinken und einen Spaziergang um den See zu machen, und natürlich für unser Tutorium mit Haddon am Freitagnachmittag.

Wir gingen jeden Tag erst nach dem Abendessen auseinander. Richard hatte gleich zu Beginn des Studiums verkündet, er wolle bis zu seiner Zulassung als Anwalt literarisch gebildet sein, darum wanderte er jeden Abend um acht zurück in die Bibliothek und arbeitete sich, nachdem er als Einstieg das Gesamtwerk von William Shakespeare gelesen hatte, chronologisch durch die Regale der englischen Literatur. Während er las, zapfte ich in der Buttery Bar Bier und öffnete Flaschen, froh, dass ich ein bisschen Geld verdiente und unter die Leute kam und dabei die Situation selbst unter Kontrolle hatte. Schon nach ein paar Wochen kannte ich als stiller Zeuge der Begrüßungen und Gespräche alle Gäste vom Sehen und die meisten auch mit Namen.

Richard blieb nach unseren drei Studienjahren in Oxford, um sich der Forschung zu widmen, während ich gleich meine Ausbildung zum Anwalt begann und mich manchmal fragte, ob Richard das nur tat, weil er noch nicht bis zur Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts vorgedrungen war. Am Ende trafen wir uns in London wieder, wo er ein Referendariat als Prozessanwalt im Middle Temple antrat und ich mich in der City zum Wirtschaftsanwalt ausbilden ließ. In den ersten Jahren war ich ausschließlich mit Streitsachen beschäftigt, darum kreuzten sich unsere Wege regelmäßig, sei es, weil er für meine Kanzlei einen Fall übernommen hatte, oder weil wir un

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