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Bildungsroman von Henschel, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.02.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Bildungsroman

Deutschland 1983. Helmut Kohl regiert, die Grünen ziehen in den Bundestag ein, der Stern veröffentlicht 'Hitlers Tagebücher' und Martin Schlosser wird Student in Bielefeld. Er entscheidet sich für ein Studium der klassischen Taxifahrerfächer Germanistik, Soziologie und Philosophie. Doch das Studentenleben hat er sich lustiger vorgestellt. Er verbringt mehr Zeit in der Uni-Cafeteria als in Vorlesungen, lässt sich treiben und verliebt sich unglücklich. Schließlich zieht er ins vom Leben umtoste Berlin um und stürzt sich kopfüber in eine Affäre, die sein Leben für immer verändern wird. Mit 'Bildungsroman' liegt der fünfte Band der Martin-Schlosser-Chronik vor. Gerhard Henschel, geboren 1962, lebt als freier Schriftsteller in der Nähe von Hamburg. Sein Briefroman Die Liebenden (2002) begeisterte die Kritik ebenso wie die Abenteuer seines Erzählers Martin Schlosser, die mit dem Kindheitsroman 2004 ihren Anfang nahmen. Henschel ist außerdem Autor zahlreicher Sachbücher. Er wurde unter anderen mit dem Hannelore-Greve-Literaturpreis, dem Nicolas-Born-Preis und dem Georg-K.-Glaser-Preis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 14.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455812428
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 1111 kBytes
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Bildungsroman

Sie hoffe, schrieb Gudrun mir, daß ich nicht dächte, sie habe mich vergessen.

Es war ein unheimlich großer Zufall, daß ich Deinen Brief noch vor der Abfahrt bekommen habe. An dem Abend, bevor Thomas und ich losfahren wollten, stellten wir nämlich fest, daß an meinem Hinterrad zwei Speichen fehlten (und das ist mit Gepäck eine vage Sache). Das mußte ich am nächsten Morgen erst noch reparieren lassen. Und auf der Fahrt zum Bahnhof zischte es dann plötzlich laut, und ich hatte ein Loch im Schlauch. Wir waren kaum einen Kilometer weit gekommen! Echt, das war so ein Pech, und es blieb uns nichts anderes übrig, als die Reise um einen Tag zu verschieben. Aber so habe ich dann eben Deinen Brief noch aus dem Kasten fischen können.

Wenn wir an Campingplätzen vorbeigekommen sind, habe ich mir vorgestellt, wie Du da rumläufst ... Ich kann mir schon denken, wie das für Dich sein muß. Am besten sagst Du Dir, daß es nur noch so und so lang dauert, bis der ganze Mist vorbei ist (für Dich bestimmt eine Ewigkeit), und wenn Du willst, kannst Du Dich anschließend hier in Erkelenz von allem "erholen " !

Auf unserer Tour hat Thomas sich nach langen Überlegungen entschlossen, statt Sozialpädagogik in Aachen Architektur zu studieren. Heute wollte er sich einschreiben, und dann hat er erfahren, daß sein dreimonatiges Praktikum nicht so ist, wie es sein sollte – was er aber nicht wissen konnte –, und folglich ist es nichts geworden mit der Immatrikulation. In so Augenblicken finde ich das so dermaßen blöd, wie wenig aussichtsreich das heute alles ist und wie viele Steine einem in den Weg gelegt werden. Und ich kann noch froh sein, daß es bei mir besser gelaufen ist.

Unsere Tour war aber wirklich schön. Eine leicht hügelige Landschaft, viele Felder und Wiesen, hübsche Backsteinhäuser, und die Leute scheinen eine ganz andere Mentalität zu haben als hier. Man findet dort fast nie dieses deutsche Vorgartenidyll, das einem frischgeputzt entgegenlacht, mit langweiligen Fenstern, wo vor der weißen Gardine in der Mitte (und zwar exakt in der Mitte!) ein Blumentopf steht. Das ist dort ganz anders, und man bekommt sofort Lust, dorthin zu ziehen, aber es ist halt doch ziemlich abgelegen. Einmal haben wir uns in Eckernförde am Strand getummelt und mit wachsender Begeisterung die Kühltaschen- und Schirmchentouristen beobachtet, wie sie sich burgenschaufelnd mit verbrannter Haut die Zeit vertrieben. Abends bin ich dann oft zu müde gewesen zum Schreiben und habe nur die allernötigsten Kärtlis verschickt. Das wollte ich Dir aber nicht zumuten, so ein sonniges Ansichtskärtchen. Da habe ich's mir lieber aufgespart, und ich glaube, das war auch besser so.

Jetzt werde ich wieder mein liebstes Hobby pflegen und Klavier und Fagott üben. Ich freue mich auf den nächsten Monat, wo ich viel Zeit habe zu spielen, zu lesen, zu schreiben und zu machen, was ich möchte. Hoffentlich beansprucht Dich Dein Job nicht so sehr, daß Du nicht mehr hierherkommen kannst. Deinen "Chef" darfst Du in meinem Auftrag in die Nordsee werfen, auf daß dieser Mann zur Vernunft komme. Wenn das nur ginge!

Alles, alles Liebe – Gudrun

P. S. Ich habe eine neue Lieblingsgeschichte. Ein Mann und eine Frau lernen sich in einem Hotel kennen, das ein Treffpunkt für Alleinstehende ist. Sie tanzen miteinander am Samstagabend. Er sagt: "Ich bin nur dieses eine Wochenende hier." Sie antwortet: "Ich tanze so schnell ich kann."

Diese Geschichte stammt aus einem Buch, das ich gestern verschlungen habe. Es ist von Barbara Gordon, ein autobiographischer Roman

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