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Blaue Schatten Roman von Moser-Sollmann, Christian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2019
  • Verlag: Dachbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Blaue Schatten

Die taffe Wirtschaftsjournalistin Marlies verliebt sich bei einer ihrer Recherchen in Lebemann Tom. Als Barchef, Freizeitdealer und Frauenheld ist dieser auch mit Mitte 40 noch blendend im Geschäft. Täglich läutet es an seiner Tür und jeder will etwas von ihm: Lisi, seine Lieferantin, Dealerfreund Johannes, Erna, die Studentin von letzter Nacht und Kunden, Kunden über Kunden. Trotz chronischer Schmerzen und jeder Menge Paranoia windet sich Tom durch allerlei Querelen, Engpässe und Komplikationen, während er die Szene jahrelang mit Gras versorgt. Doch plötzlich gerät sein Partyidyll ins Visier der Drogenfahndung und damit einhergehend rutscht er in eine Abwärtsspirale aus Halbwelt, Drogen und Sucht. Christian Moser-Sollmann arbeitete als Journalist, Clubbingveranstalter (Alien Bass), PR-Texter und Wissenschaftler. Zwischen 2004 und 2010 war er Lehrbeauftragter an der Universität Wien und seit 2009 ist er Geschäftsführer des Friedrich Funder Instituts für Journalistenausbildung und Medienforschung. Er veröffentlichte bislang journalistische Gebrauchstexte für den ORF, Die Zeit, De:Bug, Falter, die Furche, Kurier und Datum sowie zahlreiche wissenschaftliche Artikel in Büchern und Fachzeitschriften. Blaue Schatten ist sein zweiter Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 268
    Erscheinungsdatum: 16.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903263109
    Verlag: Dachbuch Verlag
    Größe: 416 kBytes
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Blaue Schatten

2

Wien kultivierte Morgenfrust und die stehenden Autos sangen im Gegensatz zur nur vordergründig fröhlichen Stimme des Radio-Wien-Moderators die Wahrheit: eine neue Arbeitswoche hatte begonnen. Tom schlief einen betäubten Schlaf und ignorierte das Sturmläuten seiner Glocke. Er überhörte auch die zweite Salve; erst bei der dritten schreckte er auf. Sein Wecker sagte dreiviertel acht, also mitten in der Nacht. Das konnten nur Zeugen Jehovas, Rauchfangkehrer, seine religiösen Nachbarn, Handwerker oder Barbara sein. Sicher hatte sie gestern durchgemacht, war noch voll drauf, daher sentimental und wollte sich mit ihm versöhnen oder vögeln. Beim Gedanken an Barbaras Hintern wachte er schlagartig auf. Das Denken fiel ihm schwer. und deprimierte ihn, es erinnerte ihn an sein Leben. An das dumpfe Grollen im Magen hatte er sich gewöhnt.

"Servas! Johannes hier, bitte aufmachen."

Was wollte dieser Irre von ihm? Er drückte den Knopf, öffnete die Tür einen Spalt weit und ging zurück ins Wohnzimmer. Er setzte sich aufs mit einem blauen Spannleintuch überzogene Sofa und zündete sich eine Zigarette an. Die Gitanes ersetzte den Espresso. Dieser Marke hielt er die Treue. Am Tag, als sein Vater an Lungenkrebs starb, hatte er begonnen zu rauchen. Zigaretten und Alkohol waren neben Kopfweh und Kater seine vertrautesten Begleiter. Nur das Kotzen hatte mit den Jahren aufgehört. Tom mochte Kopfschmerzen und Übelkeit. Ein flauer Magen stand für Lebendigkeit.

Johannes baute sich vor ihm auf und hatte seinen Hund Putin im Arm. Seine kurzen, gewellten Haare waren fettig, er roch streng. Er hatte durchgemacht. Johannes war drauf, so wie er an seinen Lippen knabberte. Und Johannes konsumierte nur das Beste. Schließlich arbeitete er hauptberuflich in der Schattenwirtschaft, seit er seinen Brotberuf Koch ohne Angaben von Gründen gekündigt hatte. Er warf einen prall gefüllten Militärrucksack auf den Boden.

"Kann ich ein paar Tage bei dir wohnen? Ich hatte Streit mit Rebecca. Nein, sie hat mich nicht rausgeworfen. Ich bin gegangen. Es ist einiges schiefgegangen. Nicht so wichtig. Werde ich dir noch erzählen. Ich habe Hunger. Gehen wir frühstücken."

Tom nickte. Fragen zu stellen war unsinnig, er hatte Zeit und einen freien Tag, der mit Aktivitäten gefüllt werden musste. Er zog sich seine Uniform bestehend aus schwarzen Adidas, dunkelblauen Jeans, blauer Jacke und schwarzem Pullover an und sie spazierten zum Karmelitermarkt. Entgegen der Medienberichte boomte dieser Markt nicht, sie waren die einzigen Gäste im "Marktachterl". Aber es war auch Montag um halb neun. Johannes bestellte Toast, Melange und einen großen weißen Spritzer, Tom Joghurt mit Früchten, Espresso und ebenfalls einen großen weißen Spritzer. Johannes prostete Tom zu.

"Lässig, dass ich bei dir wohnen kann. Ich wusste nicht wohin. Das ging gestern alles extrem schnell. Ich habe mit Rebecca gestritten und muss wohl ihre Eingangstür eingetreten haben..." Tom seufzte. Noch eine kaputte Tür. "Als die Polizei kam, hatte sich Rebecca schon wieder beruhigt und wollte sie nicht hereinlassen. Einer der beiden Streifenpolizisten sah durch die geöffnete Tür Hanf-Stecklinge. Die wollten dann natürlich wissen, wem das Zeug gehört. Immerhin bin ich bei ihr ja nicht gemeldet."

Tom nickte. Johannes Freundin verdiente sich mit der Aufzucht von Stecklingen ein Zubrot zu ihrem Job als Systemadministratorin. Sie besaß ein grünes Händchen, züchtete auf bezirksweit anerkanntem Niveau und belieferte drei Wiener Growshops. Tom mochte Rebecca. Sie redete wenig, war harmlos lieb und hatte sich sicher vor Johannes gefürchtet. Trotz seiner Größe war er nicht besonders kräftig. Wenn er auszuckte, verlor er aufgrund seiner Schusseligkeit gelegentlich die Kontrolle über seinen Bewegungsapparat, trat gegen Türen und Wände und warf Tisch

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