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Blickwinkel Geschichten von Schubert, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.04.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Blickwinkel

Dieser Erzählungsband mit 16 poetischen und lakonischen Erzählungen über die Generation, der auch Helga Schubert angehört, also der Kriegskinder in der DDR und im Westen, erschien 1984 im Aufbau-Verlag . Zwei Jahre vorher hatte der Band in der DDR noch keine Druckerlaubnis bekommen und war nur im Westen unter dem Titel 'Das verbotene Zimmer' erschienen. Den Falladapreis, den Helga Schubert dafür im Westen zuerkannt bekam, hatte sie nach Drohungen des ZK der SED, sie nicht wieder einreisen zu lassen, falls sie ihn entgegen nehmen sollte, ablehnen müssen. Nun war der Druck im Osten unter dem anderen Titel 'Blickwinkel' doch erlaubt worden, aber drei kritische Texte aus dem 'Verbotenen Zimmer' durften bis zum Ende der DDR nicht erscheinen: 'Frühere Standpunkte', 'Mildernder Umstand' und 'Ansichtskarten' fehlen in dem Buch. Helga Schubert erhielt kurz nach dem Erscheinen der 'Blickwinkel' den Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste. Eine absurde Geschichte, denn nur zwei Jahre zuvor hatte sie sich den Vorwurf des Analphabetismus anhören müssen, für dasselbe Buch, vom selben Cheflektor, der ihr nun gratulieren musste. INHALT: Himmel Innenhöfe Mein Vater Luft zum Leben Hexenkind Der Tod meiner Großmütter Knoten Der Baum Die russische Seele Blickwinkel Das Arbeitsessen Eine Schriftstellerlesung Das verbotene Zimmer Mondstein Die Silberkrone Heute Abend Über mich selbst

Helga Schubert Geboren 1940 in Berlin-Kreuzberg. Aufgewachsen in Ost-Berlin. Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität. Nach Diplom 1963 bis 1987 Arbeit in der Erwachsenen-Psychotherapie in Berlin-Weißensee und -Mitte. Seit 1977 freiberufliche Schriftstellerin. Helga Schubert lebt mit ihrem Mann, dem Psychologie-Professor, Schriftsteller und Maler Johannes Helm, nach Jahrzehnten in Berlin seit 2008 in Neu Meteln/ Landkreis Nordwestmecklenburg, wo sie eine Galerie mit seinen Bildern eröffneten. 1975: Beginn ihrer Veröffentlichungen (Erzählungen, Märchen für Kinder und Erwachsene, Hörspiele, Theaterstücke, Filmszenarien). 1987 Berufung als Jurymitglied für den Ingeborg-Bachmann-Preis Österreich und Wahl in den PEN. Dezember 1989 bis März 1990 parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin. Seit 1992 Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik. Buch-Veröffentlichungen: Lauter Leben, Aufbauverlag Berlin, ab 1975 fünf Auflagen Vier Bücher über das Mädchen Bimmi, Kinderbuchverlag Berlin, ab 1980. 1992 zu einem Buch zusammengefaßt und neu illustriert, auch bei Middelhauve. Die Beunruhigung (Szenarium zum gleichnamigen Film, der 1982 zur Biennale in Venedig lief), Henschel-Verlag Berlin, 1982 Das verbotene Zimmer, Luchterhand Darmstadt, 1982 (in der DDR keine Druckerlaubnis) Blickwinkel, Aufbau-Verlag Berlin, 1984 Anna kann Deutsch, Luchterhand, 1985 Schöne Reise, Aufbau-Verlag Berlin, 1987 Über Gefühle reden? Berliner Verlag, 1988 Judasfrauen (Denunziantinnen), Luchterhandverlag 1990, dann Aufbauverlag, Büchergilde Gutenberg, dtv, Übersetzungen erschienen in Italien, Frankreich und Japan Gespräch mit Helga Schubert und Rita Süssmuth: Bezahlen die Frauen die Wiedervereinigung, Piper München, 1992 Die Andersdenkende, dtv München, 1994 Das gesprungene Herz, dtv München, 1995 Die Welt da drinnen (Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom unwerten Leben), S.Fischer Frankfurt/Main, 2003 Beteiligung an vielen Anthologien Auszeichnungen: Heinrich-Mann-Preis Heinrich-Greif-Preis Hans-Fallada-Preis Doctor of humane letters/USA der Purdue-University Autorenstipendium des Landes M-V.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 193
    Erscheinungsdatum: 28.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863949662
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 643kBytes
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Blickwinkel

Er hat mich noch im Frieden gezeugt. Hitlerzeit, aber Frieden. Januar neunzehnhundertvierzig minus neun gleich April neunzehnhundertneununddreißig. Da war noch Frieden. Als meine Mutter wusste, dass sie schwanger war, gab es immer noch keinen Krieg. Denn es war erst Juni, als sie es sicher wusste. Ihr erstes Kind. Und ihr einziges. Sie waren fünf Jahre heimlich verlobt, ein Jahr offiziell, jetzt heirateten sie und waren acht Wochen ein richtiger Ehemann und eine richtige Ehefrau. Mit Wohnung am Kreuzberg in Berlin. Die schweren Gardinen, die Lederklubsesselgarnitur, der echte Teppich, das Tafelsilber, das Porzellanservice Maria Weiß. Und die modernen Ansichten von der Ehe: Beide wollten sie arbeiten, Mittagessen natürlich im Restaurant. Acht Wochen eine richtige Ehe mit Nachhausekommen, Erwarten, Erwartetwerden, Gespräche über die Tagesarbeit, den geplanten Lampenkauf. Am vierten September 1939 hatte mein Vater Geburtstag, seinen sechsundzwanzigsten. Da war er schon Soldat, da wurde schon geschossen, angeblich zurück. Vom Januar 1940 bis zum Dezember 1941 hat er noch gelebt, einige Urlaubstage zu Hause. Zur Taufe sein Foto mit der halbweißen Stirn, die sonst unterm Stahlhelm steckte. Im Herbst das Foto im eleganten Anzug, meine Mutter im Seidenkleid, in einem Park mit Tauben, mit einem kleinen Kind im Arm. Im Winter in Uniform im Schnee mit meiner Mutter und einem kleinen Kind im Kinderwagen, auch im Park. Dann das Foto von seinem fast zweijährigen Kind und seiner Frau, die Zähne entblößt zum Lächeln, mit todernsten Augen. Dies Foto kam zurück an die Absenderin, zusammen mit dem übrigen Päckcheninhalt, den Weihnachtsplätzchen, den gestrickten Handschuhen, der Weste und seinen Ringen, dem Ehering und dem Siegelring, der Stein ein Bluttopas. Das Päckchen hat er nicht mehr bekommen. Fürs Vaterland, auf dem Felde der Ehre, im Kampf gegen die Bolschewisten in deren eigenem Land. Zu Hause hat er immer gleich die Uniform ausgezogen. Keiner Fliege konnte er etwas zuleide tun, aber im Krieg nahm er einem alten russischen Bauern die einzige Kuh weg. Fleischbeschaffungskommando, schrieb er.

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