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Bonzentochter von Martin, Michaela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2011
  • Verlag: Verlag Kern
eBook (ePUB)
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Bonzentochter

Die 15jährige Sylvie ist entführt worden. Diese schreckliche Nachricht erhält ihre Schwester Martina, als sie von der Arbeit nach Hause kommt. Wer steckt dahinter? Nach dem ersten Schrecken verstärkt sich innerhalb weniger Stunden der Verdacht, dass Sylvie ihre eigene Entführung nur vorgetäuscht haben könnte. Was geschah wirklich? Michaela Martin, geboren 1952 in Köln, ist selbständige Rechtsanwältin. Sie arbeitete einige Jahre für das Bayerische und Hessische Fernsehen und war für Buch und Regie mehrerer Dokumentationen verantwortlich. 2005 war sie Protagonistin des HR-Spezials 'Das Erbe der Martins'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 260
    Erscheinungsdatum: 03.03.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944224121
    Verlag: Verlag Kern
    Größe: 457 kBytes
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Bonzentochter

Kapitel 2

Welche Tochter ist entführt worden? Ich habe keine Tochter. Wenn es sich um keinen makaberen Scherz handelt, dann muss der Brief aus Versehen bei mir gelandet sein. Ein Irrtum des Postboten? Nein, der scheidet aus, denn ohne Briefmarke wird kein Briefträger tätig. Es handelt sich auch nicht um eine Nachricht in einem Umschlag, sondern es ist nur ein DIN A4-Blatt. Der Entführer muss sich im Briefkasten geirrt haben! Mir wird plötzlich schlecht, mein Magen rebelliert. Jetzt nur keine Panik! Ich schließe die Augen und atme mehrfach tief durch. Es nutzt nichts: Mein Puls ist auf 200, mein Herz rast. Jetzt spinnst du komplett, rede ich mir ein. Ich bin überarbeitet, meine Nerven liegen blank. In wenigen Minuten wird sich alles aufklären. Wahrscheinlich sehe ich zu viele Krimis und die Fantasie geht mit mir durch. Ich schließe die Augen und versuche erneut, mich zu beruhigen. Mensch, mein Badewasser, bitte, bitte, nicht auch noch eine Überschwemmung! Panisch springe ich auf und renne in das Badezimmer. Ich habe noch einmal Glück gehabt. Nichts ist passiert. Während ich den Wasserhahn zudrehe, versuche ich, einen klaren Gedanken zu fassen.

Zu meinen angeborenen Stärken gehört, dass ich normalerweise in Stress- und Krisensituationen innerlich ganz ruhig werde. Kalt, ich spüre dann nichts mehr; keine Angst, keinen Druck, überhaupt keine Emotionen. Ich bin in der Lage, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dieser Eigenschaft verdanke ich es, dass ich als mittelmäßige Schülerin und Studentin immer bessere Noten geschrieben habe, als es mein Wissensstand erhoffen ließ, sehr zum Neid meiner nervösen Mitschüler. Auf dieses Talent muss ich mich jetzt besinnen, sonst drehe ich noch durch!

Also, noch einmal ganz von vorne: Was ist eigentlich passiert? Im Briefkasten liegt ein anonymes Schreiben, ein Fetzen Papier, in dem ein unbekannter Verfasser mitteilt, dass er eine Tochter entführt hat. Er droht an, sie umzubringen, wenn die Polizei eingeschaltet wird. Fakt ist, dass ich keine Tochter habe, sondern nur eine kleine Schwester. Wenn ich überhaupt der richtige Adressat dieser Nachricht bin, dann kann mit Tochter nur Sylvie gemeint sein. Warum sollte jemand Sylvie entführen? Wir haben kein Geld. Welchen anderen Grund sollte es sonst für eine Entführung geben? Es bleibt nur eine Erklärung: Es handelt sich um den unheimlichen Scherz eines Irren. Oder aber es liegt eine Verwechselung vor. Wahrscheinlich spielen sich in unserer Nachbarschaft wahre Dramen ab. Vielleicht hat sich der Verfasser dieses Schreibens auch nur im Briefkasten geirrt. Vor menschlichem Versagen ist schließlich keiner gefeit. Da stellt sich die Frage, wem unserer Nachbarn die Drohung gelten könnte. Was weiß ich eigentlich von ihnen? Wenn ich so darüber nachdenke, komme ich sehr schnell zu dem Ergebnis, dass ich unsere umliegenden Anwohner nicht kenne. Auf keinen Fall überblicke ich ihre Vermögensverhältnisse und könnte einschätzen, ob sie reich genug sind, um für einen Entführer interessant zu sein. Ein stadtbekannter CSU-Politiker mit seiner Familie wohnt nicht weit von uns in der nächsten Straße. Ich kenne die Familie vom Sehen. Vielleicht ist es doch ein politischer Racheakt, der einen allzu forschen Jungpolitiker in die Knie zwingen soll? Das glaube ich aber nicht, denn der Abgeordnete Singer fällt nicht durch provokative Thesen auf. Also bleibt nur noch die ganz normale Familientragödie, von denen man regelmäßig in den Boulevard-Zeitungen liest.

Ich werde noch wahnsinnig! Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr komme ich zu dem Ergebnis, dass alles keinen Sinn macht. Ich zwicke mich in den Arm und stelle fest, dass es richtig wehtut. Leider fantasiere ich nicht. Ich bin hellwach und erlebe einen Albtraum.

Plötzlich kommt mir der rettende Gedanke: Warum nur bin ich nicht schon viel früher darauf gekommen? Ich muss Sylvie irgendwie erreichen. Dann hat der ganze Spuk ein Ende. Um sicherzugehen,

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