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Brandt Warner von Korbus, Jens (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Brandt Warner

Der Universitätsdozent Brandt Warner wird in der kleinen rheinischen Universitätsstadt Alt-Muhl in den Strudel der Ereignisse um seine Heine-Vorlesung hineingerissen. Da ist Sylphe, die fünfunddreißigjährige Nymphe und Studentin und Anne, seine Dauerfreundin, die ihn auf seinem schwankenden Weg zwischen allen Klippen begleitet. Eine Studie über die Freiheit, die immer die Freiheit des Andersdenkenden ist. Jens Korbus, 1943 in Ostpreußen geboren. Studierte Germanistik und Philosophie und unterrichtete, nach einem Zwischenspiel als Assistent an der Düsseldorfer Uni, an einem Koblenzer Gymnasium. 1988 erhielt er aus der Hand des rheinland-pfälzischen Kultusministers den Fachinger Kulturpreis für seinen Brief an Goethe. Er veröffentlichte bis heute 17 Bücher.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783744865470
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 898kBytes
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Brandt Warner

ZUFALL, WAHRSCHEINLICHKEIT

N ach der Sitzung, das Aktzeichnen war beendet, alle anderen waren schon gegangen, kam das üppige Modell, jetzt angezogen, hinter mir her und fragte: "Noch Lust auf einen Wein?" - Ich dachte an ihren üppigen Körper, der ziemlich verrenkt dagelegen und sich von den restlichen Schülern hatte anstarren lassen, dann an das Abendessen mit meiner Dauerfreundin, die sicher schon wartete, und sagte: "Einen Wein? - Danke! Vielleicht das nächste Mal." Ich sah den Frust in ihren Augen und sagte: "Ganz bestimmt, dann!" Und wandte mich zum Ausgang. - Beim nächsten Mal fragte sie: "Klappt's heute?" - Und ich nickte nur. Ich verstand nicht, was diese etwas üppige, aber schöne Person an mir fand. Wir gingen ins K7, setzten uns auf die Hocker an der kleinen Bar, und sie blickte mich an.

"Du bist verheiratet, nicht?" - Ich nickte halbherzig. Es blieb nicht bei dem einen Wein, und sie hielt kräftig mit. Mit mir anzustoßen, lehnte sie ab. Ich begann zu spüren, dass ich mir hier eine Last aufbürdete. Aber sie schien alles leicht zu nehmen.

"Nächstes Mal gehen wir gleich zu mir", sagte sie, bevor sie sich das Taxi rufen ließ.

Ich dachte, ich müsste mich vor meiner Dauerfreundin für mein langes Ausbleiben nach der Akademie rechtfertigen. Aber sie dachte wahrscheinlich, ich hätte eine kleine Tour mit Kollegen von der Uni gemacht. Während sie mir das Abendbrot auftischte, ging ich mit mir zu Rat, ob ich dem Wink der üppigen Sirene folgen sollte. - Was fand sie bloß an mir? Ich ging auf die vierzig, und dünn konnte man mich auch gerade nicht nennen! - Meine Dauerfreundin half mir, meine zahlreichen Krisen zu überstehen, aber dadurch war ich angreifbar geworden. Auch für diese fremde Frau. Sie schien eine Intellektuelle zu sein, die sich etwas hinzuverdiente. Eigentlich nichts für mich. Aber sie forderte mich heraus.

Es gab Würstchen mit Kartoffelsalat, hinterher Zitronencreme. Das war außergewöhnlich. Ahnte meine Freundin etwas? Ich nahm zweimal, und sie empfand das als Kompliment. Ich ging früh ins Bett, denn am nächsten Morgen musste ich in Rinnlingen sein, wo ich mich in ein kleines Weingut eingekauft hatte. Da wo ich herkam, war kein Leben. Ich war ein naturalisierter Ostjake aus dem Süden Ostpreußens. Jedenfalls meine Großeltern kamen da her. Ich trug auch für diese Verhältnisse einen ausgefallenen Namen, Brandt Warner. Ich freue mich immer, wenn ich den Namen ausspreche. Ich bin Germanistik-Dozent an der neu gegründeten Alt-Muhler Uni, und bin dabei mich zu habilitieren.

Nach der nächsten Sitzung ging ich mit dem Modell in Richtung Margendorf, einem Vorort von Alt-Muhl. Ein älteres Haus. Sie öffnete die Haustür. Es ging drei Treppen hoch. Wir betraten eine große Wohnung, die mit uralten Möbeln bestückt war. Der Raum, in den sie mich führte, hatte eine dunkle Tapete. Hinter einer Tür war ein Geräusch zu hören. Sie ging darauf zu und drehte den Schlüssel im Schloss zweimal herum. "Meine Mutter", sagte sie, "sie wird uns nicht stören!" Wir gingen ins Nebenzimmer: Ein Schrank, ein Tisch, eine alte Ottomane. Wir zogen uns ohne ein weiteres Wort aus und legten uns hin. Sie legte sich in derselben verrenkten Stellung, in der sie beim Aktzeichnen gelegen hatte, auf die Ottomane, wie aus der Zeit von Dr. Freud. Und ich konnte meine Sachen gar nicht schnell genug herunter bekommen. Aber es klappte nicht. Hatte ich keine Lust? Aber ich hatte es doch gewollt. Ich wollte in der Erinnerung die Nächte mit meiner Dauerfreundin beschwören. Wenn wir hinterher frühstückten, ich meinen Müsli-Brei, sie ihr Marmeladenbrot. Die Frau, die hier so böswillig und verlangend fremd neben mir in dieser ebenso fremden Wohnung lag, mochte ich sie überhaupt? Aber das Fleisch war willig, und Angebote wie dieses bekam man nicht so oft. Meine Dauerfreundin hatte hinterher immer mit der Bettdecke über der Schulter neben der Tür gestanden und mir beim Frühstück zugesehen, weil sie

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