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Brezeltango Roman von Kabatek, Elisabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2012
  • Verlag: Silberburg-Verlag
eBook (PDF)
9,99 €
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Brezeltango

Die Stuttgarterin Line und der Hamburger Leon sind ein glückliches Paar. Aber dann bricht um Line herum das Chaos aus: Ihre beste Freundin verliebt sich in den falschen Mann, Tante Dorle will nicht mehr heiraten und Lines biedere Schwester spielt mit dem Gedanken, ihre Familie zu verlassen. Und warum ist Leon plötzlich so begeistert von Einfamilienhäusern in Stuttgarter Vororten, wo es Line doch in hippe Lofts und Szene-Galerien zieht? Wieso muss sie schwimmen, joggen und Kajak fahren, obwohl sie viel lieber gemütlich Nostalgie-TV guckt? Dann taucht Tarik, der 'sexiest man Stuttgarts', auf und sucht eine Muse. Leons Sandkastenfreundin Yvette bläst wieder zur Attacke und ein Abend auf dem Cannstatter Volksfest sorgt für große Liebesverwirrungen. Line wird vom Strudel der Ereignisse mitgerissen und das Beziehungskarussell dreht sich wieder ...

Elisabeth Kabatek, geboren 1966 in Stuttgart, ist in Gerlingen bei Stuttgart aufgewachsen. Sie studierte Anglistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Theologie in Heidelberg, Salamanca und Granada. Weitere Auslandsaufenthalte in England und Paris, Reisen nach Lateinamerika, Afrika und Asien schlossen sich an. Seit 1999 ist sie Abteilungsleiterin für Fremdsprachen, Deutsch als Fremdsprache, Kleinkunst, Literatur, Kunstgeschichte und Frauenbildung an der Volkshochschule Ostfildern.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 20.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842515031
    Verlag: Silberburg-Verlag
    Serie: Pipeline Praetorius Bd.2
    Größe: 1817 kBytes
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Brezeltango

2. Kapitel

I muss die Stroßaboh noh kriega,
denn bloß dr Femfer brengt mi hoim .

Ich lief über die Baumann-Staffel, kreuzte die Hackstraße und gelangte nach wenigen Minuten über den Steg in den Schlossgarten. Wie immer an schönen Tagen wimmelte es hier von Spaziergängern, Inline-Skatern und Radfahrern, die den Park mit seinem prächtigen alten Baumbestand bevölkerten. Ich ging über die Brücke Richtung Neckar. Hier war es definitiv vorbei mit der Parkidylle. Vom Pragsattel herunter schob sich die Blechlawine und teilte sich weiter Richtung Cannstatt oder B 10. Auf der anderen Straßenseite umlagerten Schulklassen und Familien die Wilhelma. Weil gerade der Dreizehner an der Rosensteinbrücke hielt, spurtete ich zur Haltestelle und entging haarscharf der Stoßstange eines hupenden Daimlers.

Eine Hälfte des Stadtbahnwagens war komplett von einer lärmenden Schulklasse belegt, die gerade von einem Ausflug in die Wilhelma kam. Während die Jungs sehr authentisch den letzten Boxkampf von Juan Carlos Gómez nachstellten, sangen die Mädchen zur Musik aus ihren Handys inbrünstig "Poker Face" von Lady Gaga. Im hintersten Eck saß die Lehrerin und starrte angespannt zum Fenster hinaus. Alle übrigen Fahrgäste drängelten sich in der anderen Hälfte des Wagens zusammen.

Leider war ich noch nicht in dem Alter, wo ich sagen konnte, lasst mich bitte hinsitzen, und schwanger war ich auch nicht. Ich musste mich mit einem Stehplatz neben einem Kinderwagen begnügen. Hinter dem Kinderwagen stand der Kindsvater. Er guckte immer mal wieder in den Wagen und sagte "Dutzidutzi". Aus reiner Gewohnheit musterte ich ihn unauffällig. Meine Single-Zeit lag ja noch nicht so lange zurück. Eigentlich sah er ganz nett aus - groß, schlank, mit dem üblichen Bauchansatz, der bei Männern ab einem bestimmten Alter unvermeidlich schien, Designerbrille - aber irgendwie auch ziemlich spießig in dem grauen Anzug, der nicht so richtig zu dem Baby passte. Wahrscheinlich brachte er es widerwillig in die Kita, weil seine Frau in einer tränenreichen Auseinandersetzung damit gedroht hatte, mit Kind und Erspartem in Rio de Janeiro abzutauchen, wenn er sich nicht mehr in die Kinderbetreuung einbrachte.

Väter mit Babys waren nicht sexy, und außerdem hatte ich ja jetzt Leon, darum schenkte ich ihm keine weitere Beachtung.

"Augsburger Platz. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts", sagte eine freundliche Stimme aus dem Off. Vor einiger Zeit waren in der Stadtbahn Gott sei Dank diese hilfreichen Ansagen eingeführt worden. Früher hatten sich an den Haltestellen ja geradezu tumultartige Szenen abgespielt, wenn die Leute übereinanderfielen, weil sie nicht wussten, ob der Ausstieg rechts oder links war!

Ich schob mich an dem Kinderwagen vorbei, um auszusteigen. Der Vater blickte erst mich und dann das Gefährt bedeutungsvoll an. Die meisten Haltestellen in Stuttgart waren mittlerweile barrierefrei, aber diese schien nicht dazuzugehören. Der Kerl kriegte offensichtlich den Mund nicht auf, um zu fragen, ob ich ihm helfen würde. Typisch Mann! Das kannte man ja. Konnten nicht nach dem Weg fragen und nicht um Hilfe bitten! Also packte ich, ohne lang zu fackeln, hinten an den Rädern an, er nahm den Schieber und wir bugsierten den Kinderwagen über die ausgeklappte U-Bahn-Treppe hinunter auf die Straße. Zum Glück war es so ein hypermodernes Teil mit leichtem Alugestell.

Komischerweise bedankte er sich gar nicht und sah mich stattdessen schon wieder so erwartungsvoll an, so, als sollte ich etwas sagen. Mir fiel Leon ein, der sich manchmal taubstumm stellte, weil er kein Schwäbisch konnte. Vielleicht war der Kerl auch auf den Trick gekommen oder er war wirklich taubstumm, und da ich keine weitere Zeit verlieren wollte, sagte ich: "Bitte, gern geschehen, schönen Tag noch", sehr deutlich und vollkommen dialek

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