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Buntes Treiben Gesammelte Erzählungen von Gerstäcker, Friedrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Buntes Treiben

Gesammelte Erzählungen von Friedrich Gerstäcker in der ungekürzten, von ihm selbst eingerichteten Werkausgabe unter Beibehaltung der Seitenpaginierung, deshalb als einzige Ausgabe für Zitate geeignet.

Friedrich Gerstäcker (1816-1872) wanderte mit knapp 21 Jahren nach Amerika aus, kehrte nach einem abenteuerlichen Leben sechs Jahre später zurück und begann mit Übersetzungen und der Herausgabe seines Tagebuches. Als einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts erlebt sein Werk Neuauflagen bis in die heutige Zeit, überwiegend leider jedoch gekürzte und veränderte Ausgaben. Die Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft e.V., Braunschweig, legt mit dieser Ausgabe die ungekürzten und unbearbeiteten Originalausgaben wieder vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 677
    Erscheinungsdatum: 13.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741225352
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 1278kBytes
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Buntes Treiben

Im Mondenschein.

Keine Idylle.

Hoch oben im -Gebirge, und von dessen mächtiger Waldung nach allen Seiten hin umgeben, lag ein kleines, ärmliches Dorf, Holzhäusel genannt, dessen Bewohner eigentlich nur von dem lebten, was sie sich mit der Bearbeitung und Ausnutzung des Forstes verdienten.

Man sagt mit Recht: "Es ist ein armes Land, wo blos Quirle wachsen"; die Quirlmacher spielten auch hier eine bedeutende Rolle; dann gab es noch "Harzer", Kohlenbrenner und Löffelschneider. Auch Schindeln wurden gespalten, und Klafterholz bildete einen Hauptausfuhrartikel, besonders im Winter, mit Schneeschlitten den Berg hinab. Freilich verdienten die armen Leute mit alledem doch immer nur das Notdürftigste, was sie gerade zum Leben brauchten - und Gott weiß es, wie wenig das war; aber sie lebten doch und hatten dabei ihre Heimath so lieb, als ob sie in einem Paradiese und in allem Ueberfluß gelegen hätte.

Uebrigens gehörte das Dorf noch nicht einmal zu den kleinsten im Walde, denn es besaß seine eigene Kirche und sogar ein königliches Gebäude - das Chausseehaus nämlich, das an der vorbeiführenden Straße stand; auch lagen einige Felder darum her, und einzelne der Bewohner, die Honoratioren, trieben ein wenig Ackerbau. Was konnten sie freilich in einem Klima ziehen, wo die Kartoffel eigentlich schon zu den tropischen Früchten zählte und der Hafer oft aus dem /2/ Schnee heraus geschnitten werden mußte - so früh setzte manchmal der Winter ein. Aber der Versuch wurde immer wieder gemacht, und zu Zeiten gelang es ihnen doch, ihre mit sauerm Schweiß erbauten Früchte einzuheimsen.

Trotz aller Armuth gab es aber in Holzhäusel eine wahre Unzahl von kleinen Kindern, wie wir es denn gar häufig finden, daß gerade in den dürftigsten Districten die Zucht des kleinen Volkes am allerbesten zu gedeihen scheint. Im sächsischen Erzgebirge z. B., wo die armen Klöpplerfamilien kaum das Salz zu ihren Kartoffeln verdienen, sieht fast jedes Haus wie eine Schule aus, und Holzhäusel stand darin wenigstens dem Erzgebirge nicht nach. An schönen Sommerabendcn tummelten sich oft ganze Schwärme blondhaariger und barfüßiger Jungen und Mädchen auf ihrem Spielplatz unter der alten Buche umher, die mit wunderlich verschnittenem Wipfel vor der kleinen hölzernen Kirche stand, und das war dann ein Lachen und Jubeln, daß man sein eigen Wort kaum hören konnte. Was wußte das kleine Volk auch von Kummer oder Sorgen, wenn es nur nicht gerade hungern mußte!

Natürlich war es unter solchen Umständen nothwendig geworden, einen Schulmeister zu gewinnen, denn der Herr Pastor behielt mit all' den vielen Taufen kaum Zeit genug, um seine wöchentlichen Predigten auszuarbeiten. Die Holzhäusler konnten ihm freilich nicht viel bieten, aber was braucht auch ein Dorfschulmeister viel, der schon von Jugend auf zu Hunger und Kummer ordentlich trainirt wird und - wenn er nur recht viel zu arbeiten und recht vielen Aerger hat - außerordentlich wenig zu seinem eigentlichen Leben bedarf oder wenigstens bekommt!

Es war deshalb lange nicht so schwer, einen passenden Mann für diese ärmliche Stelle zu bekommen, als man vielleicht hätte glauben sollen, und doch wurde von ihm verlangt, daß er nicht allein Dorfschulmeister - nein sogar Dorfschulmeister in Holzhäusel werden sollte, und dazu außer den nöthigen Kenntnissen auch noch Geduld und Ausdauer wie einen hinlänglich zähen Körper mitbringen mußte, um seiner Stellung zu genügen. Es giebt freilich in unserem gesegneten Vaterlande eine Menge solcher armer Teufel, denen der Brod- /3/korb noch höher hängt, als selbst Holzhäusel über dem Meeresspiegel lag, und Andreas Pech war Einer von diesen Unglücklichen.

Andreas hatte sogar Theologie studirt, aber in seinem letzten Semester eine doppelte Dummheit begangen: sich nämlich erstens in ein wohl braves, aber blutarmes Mädchen verliebt, und

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