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Café Engel Schicksalhafte Jahre. Roman von Lamballe, Marie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Café Engel

Wiesbaden, 1951. Das Café Engel hat Konkurrenz bekommen. Neben dem Traditionscafé der Familie Koch hat sich das modernere Café König niedergelassen. Während Hilde Koch vergeblich versucht, ihre Eltern von einer Modernisierung des Cafés zu überzeugen, droht auch ihre hart erkämpfte große Liebe zu scheitern. Um das Glück ihres Bruders August steht es nicht besser. Nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft fällt seine Wahl ausgerechnet auf eine junge Russin, deren Ankunft die Familie zu spalten droht ... Marie Lamballe wuchs in Wiesbaden auf - beide Eltern waren dort Schauspieler am Staatstheater. Sie studierte Literatur und Sprachen und begann schon kurz nach dem Studium mit dem Schreiben von zunächst Kurzgeschichten, später Theaterstücken, Drehbüchern und Romanen. Inzwischen lebt sie als freie Autorin in der Nähe von Frankfurt am Main und hat unter verschiedenen Pseudonymen zahlreiche Romane - darunter mehrere Bestseller - veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 559
    Erscheinungsdatum: 28.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572243
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Café Engel 2
    Größe: 1386 kBytes
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Café Engel

HILDE

März 1951

Es knallt wie ein Schuss. Geschirr klirrt, der Fußboden zittert, die Wände vibrieren. Drüben bei der Drehtür rieselt Putz von der Decke. Drei, vier Sekunden lang, dann hört es auf. Hilde steht wie erstarrt neben der Kuchentheke, das Tablett mit zweimal Frühstück für Tisch sieben fest in den Händen.

Im Gastraum schreit eine Frau hysterisch: "Die Russen kommen ... Panzergranaten ... In den Keller ..."

Ein Kind fängt laut an zu weinen. Gemurmel. Erstaunte Ausrufe. Blicke zur Decke des Cafés, wo die Hängelampen schwanken. Jemand beginnt zu lachen.

"Ein Erdbeben! Ja, gibt's das denn auch?"

Das ist der Hans Reblinger. Ein Erdbeben nur.

Hilde ist erleichtert, zugleich beginnt ihr Herz, heftig zu klopfen, es hämmert geradezu, reagiert erst jetzt auf den ausgestandenen Schrecken. Einige Gäste stehen auf und laufen auf die Wilhelmstraße hinaus. Der Bunte, der in seiner Ecke im Korb liegt, ist nicht einmal aus dem Schlaf erwacht.

"Ein Erdbeben! Ja, so was!", sagt Finchen, die Serviererin.

Sie steht hinter der Kuchentheke und hält mit beiden Händen die Porzellanplatte mit der Schoko-Sahne-Torte fest, die sie gerade aus der Vitrine genommen hat. Jetzt stellt sie die Torte ab, nimmt das Kuchenmesser aus dem Wassergefäß und beginnt, drei Stücke abzuschneiden. Doch schon beim ersten Schnitt hält sie inne.

"Ach du lieber Gott! Haben Sie das gesehen, Frau Perrier?"

Hilde serviert erst einmal das Frühstück, es ist schon nach zehn, die beiden jungen Schauspielerinnen müssen gleich rüber zum Theater, weil die Proben anfangen. Zwei frische Brötchen, ein Klecks Butter, Marmelade, Honig, eine Tasse Bohnenkaffee. Das Ganze für neunzig Pfennige - eigentlich legen sie da drauf, aber die Gagen der Anfängerinnen sind halt klein, und sie wollen doch, dass die Künstler hier im Café Engel zu Hause sind. Zumindest will Hildes Vater das, der Heinz.

"Da wünsch ich trotzdem einen guten Appetit. Lasst es euch schmecken."

"Danke schön ... Haben Sie das schon gesehen?"

Die junge Schauspielerin, Karin Langgässer heißt sie, zeigt mit dem Finger zur Kuchentheke hinüber, und als sich Hilde jetzt umdreht, traut sie ihren Augen kaum. Durch das Vitrinenglas zieht sich ein Muster, wie mit einem grauen Stahlstift eingeritzt. Es ähnelt einem Spinnennetz.

"Nein!", sagte Hilde leise.

Hinter der Theke stellt Finchen die Torte zurück; sie schaut Hilde mit bekümmerter Miene entgegen.

"So was aber auch", meint sie, als Hilde das Vitrinenglas mit den Fingern prüft. "Hat alle Bombenangriffe unbeschadet überstanden, und jetzt, bei dem kleinen Wackler, da geht es kaputt. Ach Gott, wenn die Frau Koch das sieht ..."

Im Café wird jetzt laut geredet, die Drehtür ist ständig in Bewegung, weil die Gäste wieder zurückkommen. Drüben im Quellenviertel sei eine Ruinenmauer umgefallen; um ein Haar wäre eine Frau mit zwei Kleinkindern zu Schaden gekommen. Ein abgestelltes Fahrrad mit zwei Einkaufstaschen sei umgefallen, und beim Café König nebenan lägen mehrere Dachziegel auf dem Trottoir. Die letzte Nachricht hat auch Mama mitbekommen, die jetzt aus der Küche in den Gastraum tritt, noch die bemehlte Schürze umgebunden, weil sie den Marmorkuchen vorbereitet hat.

"Schau mal draußen nach, Hilde", sagt sie besorgt. "Nicht, dass bei uns auch Dachziegel runtergefallen sind."

"Ein Wunder wär's nicht", erwidert Hilde.

Draußen scheint ganz harmlos die Vorfrühlingssonne. Auf den Bänken am Warmen Damm sitzen die Leute in Mantel und Hut und lassen sich die winterblassen Gesichter bescheinen. In den Beeten blühen gelbe und weiße Krokusse, die ersten Tulpen strecken ihre lindgrünen Köpfchen aus der Erde. Drüben vor dem Café König stellen zwei Kellner doch tatsächlich Tische und Klappstühle auf, ein Junge sammelt die kaputten Dachziegel in einen Eimer. Hilde nickt den Kellnern zu und denkt sich, dass ganz bestimmt ke

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