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California 1901 von Jackman, Clifford (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.01.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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California 1901

Das exklusive eBook Only zu Clifford Jackmans großem Epos 'Winter Family'
Amerika im Jahr 1901 - ein neues Jahrhundert hat begonnen. In dieser Zeit des Umbruchs stellen sich die letzten Abenteurer der untergehenden Epoche des alten Westens ihrem Schicksal: Ein psychotischer Ermittler, ein Scharfschütze, ein Spielsüchtiger in San Franciscos Chinatown und ein entstellter Mann mit einem finsteren Geheimnis kämpfen den Kampf ums Überleben mit all der Härte, die sie geprägt hat ...
Die Story umfasst ca. 90 Seiten.

Clifford Jackman, geboren 1980 in Deep River, Ontario, studierte Jura und arbeitet heute als selbstständiger Anwalt. Der Fan von Stephen King und Cormac McCarthy beschäftigt sich intensiv mit den Schattenseiten unserer Zivilisation, sein Romandebüt Winter Family bezeichnet Jackman als "apokalyptischen Western". Gemeinsam mit seiner Frau und seinem Sohn lebt er heute in Guelph,Kanada.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 100
    Erscheinungsdatum: 11.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641182106
    Verlag: Heyne
    Größe: 933kBytes
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California 1901

- 1 -

Es war ein wunderschöner Nachmittag, und Matilda hing die Wäsche zum Trocknen auf. Der Himmel war wolkenlos und von einem zarten Blau, und es war recht warm. Ab und zu erhob sich eine leichte Brise. Einer dieser Windstöße verfing sich in einem Betttuch, hob eine Ecke davon über die Leine, und das Laken drohte von der Leine zu fallen. Matilda setzte den Wäschekorb ab und lief hin, um das Tuch aufzufangen. In diesem Augenblick sah sie den Mann unter den Apfelbäumen über die Obstwiese kommen.

Sie hatte sofort einen schlechten Eindruck von ihm, der auch durch die späteren Ereignisse nicht relativiert wurde. Der Mann war groß, schon recht alt, und man sah ihm auch aus größerer Entfernung schon an, dass er schlimme Verbrennungen erlitten hatte. Sein Haar war sehr kurz und wuchs in Büscheln, sein Gesicht sah aus, als wäre es ein Stück auf seinem Kopf verrutscht. Seine Kleidung war schmutzig und zerfetzt, und er hatte keinen Hut auf. Trotz dieses zweifelhaften Äußeren hätte er nur irgendein Durchreisender sein können, jemand, der bloß um eine Mahlzeit betteln wollte. Matilda hatte nichts gegen solche Männer. Aber dieser hier war anders. Das erkannte sie schon an seiner Art, sich fortzubewegen. Wie jemand, der etwas im Schilde führt. Unbeirrbar. Unbeugsam. Gut möglich, dass er geistesgestört war.

Sie warf das Laken wieder über die Leine, hob ihre Röcke an und eilte, ohne sich ihre Sorgen anmerken zu lassen, zurück zur Veranda ihres Hauses und ging hinein.

"Jack!", rief sie und bemühte sich, gebieterisch und nicht bettelnd zu klingen. "Jackie! Jack! Du musst sofort runterkommen."

Im oberen Stockwerk wurde ein Stuhl zurückgeschoben, und kurz darauf tauchte Jack Miller oben am Treppenabsatz auf.

"Was ist?", fragte er.

Seine Haare waren etwas länger, als es unter wohlhabenden Farmern üblich war, und er hatte einen zotteligen Bart. Er bestand darauf, Overalls zu tragen, und lief im Haus grundsätzlich ohne Hemd herum. So wie er sich bewegte, wirkte er wie ein Mann mit einem angeborenen Selbstvertrauen, der nie vor irgendetwas Angst gehabt hatte.

Matilda war etwas größer als Jack und sehr schön.

"Da kommt ein Mann die Straße entlang."

"Wer denn?"

"Weiß ich nicht." Ihre roten, schweißgetränkten Haare standen ab wegen des Windes, obwohl sie kurz geschnitten waren wie bei einem Jungen oder einer Lehrerin. "Aber ich mag ihn nicht, er sieht eigenartig aus. Du solltest ihn wegschicken."

"In Ordnung", sagte Jack.

Als Jack den Mann erblickte, war ihm sofort klar, warum seine Frau einen schlechten Eindruck von ihm hatte. Einen so hässlichen Kerl hatte er vorher noch nie zu Gesicht bekommen.

"He, hallo!", rief Jack. "Was führt Sie hierher?"

Der Mann kam direkt auf die Veranda zu und blieb davor stehen. Steckte die Hände in die Hosentaschen und sagte: "Hallo."

Jack stellte erstaunt fest, dass die Augen des Mannes golden schimmerten.

"Ja, hallo. Was haben Sie denn hier in der Gegend zu tun?"

Der Fremde musterte Jack und schien irgendetwas an ihm wiederzuerkennen.

"Ich suche einen gewissen Jan Müller."

"Das bin ich. Ich bin Jack Miller."

"Ich schätze, dann will ich wohl zu Ihrem Vater."

"Der ist in diesem Frühjahr gestorben."

"Oh", sagte der Mann, und ein Ausdruck ratloser Verwirrung breitete sich auf seinem Gesicht aus. Als ob ein Gefühl von ihm Besitz ergreifen wollte, an das er nicht gewöhnt war und das er nicht mochte. "Oh, na dann ... Ich verstehe. Im Frühjahr?"

"Genau."

"Woran ist er denn gestorben?"

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