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California Roman von Lepucki, Edan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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California

Das Ende des amerikanischen Traums Nach einer Folge von verheerenden Naturkatastrophen stehen die Vereinigten Staaten am Rande des Zusammenbruchs. Im politischen Vakuum gehen Armut und Terror Hand in Hand. Wer Geld hat, flüchtet und verbarrikadiert sich in Gated-Communitys. Die Übrigen haben nur eine Chance zu überleben - Flucht in die Wildnis. So auch das junge Paar Cal und Frida. Nur mit dem Nötigsten brechen sie auf und finden am Rande eines Waldes in einer kleinen Hütte Unterschlupf. Als Frida bemerkt, dass sie schwanger ist, könnte das der schönste Moment ihres Lebens sein. Stattdessen hat sie panische Angst. Als sie und Cal von einer geheimen Kommune namens The Land erfahren, keimt Hoffnung auf. Doch die Bewohner von The Land haben ein dunkles Geheimnis, das nicht nur Frida und Cal betrifft, sondern vor allem ihr ungeborenes Kind. Wie weit darf man gehen, um den zu schützen, den man liebt? California führt in eine Zukunft, die viel näher ist, als uns lieb sein kann, und erschafft ein bedrückend erhellendes Panorama der Menschlichkeit unter extremen Bedingungen. 'Eines der Bücher, das sie dieses Jahr lesen MÜSSEN.' Huffington Post 'In ihrem atemberaubenden Debütroman erschafft Edan Lepucki eine satte, sehr realistische und hochkomplexe Zukunftsvision, deren Dramatik sie meisterhaft ausschöpft.' Jennifer Egan 'Was Edan Lepuckis Roman so fantastisch macht ist, dass ihre Überlebenskünstler uns nicht nur ähneln, sie sind wir, in ihrer Besonderheit und in ihren Dilemmas.' Michael Specktor Edan Lepucki, geboren in L.A., US-amerikanische Schriftstellerin und Lehrerin für Kreatives Schreiben, machte ihren Abschluss an der Universität von Iowa und verfasste bereits preisgekrönte Kurzgeschichten. California ist ihr brillantes Romandebüt, das in den USA als Symbol für den Kampf gegen die Dominanz von Amazon auf dem amerikanischen Buchmarkt berühmt wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841209160
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 4584 kBytes
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California

1

A uf der Landkarte war ihr Ziel eine grüne Fläche gewesen, als würden sie auf einen Golfplatz umziehen. Keine Freeways in der Nähe und eigentlich auch sonst keine Straßen: Die hatte man längst dem Verfall überlassen. Frida hatte den Ort insgeheim das Jenseits genannt, und auf dem Weg dorthin, wenn sie sich in verlassenen Raststätten verstecken mussten oder das Auto mit dem letzten Rest Benzin betankten, hatte sich ihr Ziel wie eine Verheißung angefühlt. Sie stellte es sich als ländliche Gemeinde vor. Cal war der Bürgermeister. Und sie die Frau des Bürgermeisters.

Natürlich kam es ganz anders. Der Wald hatte nicht auf sie gewartet. Wenn überhaupt, hatte er wieder und wieder versucht, sie loszuwerden. Aber sie waren geblieben, im Grunde sogar gut zurechtgekommen. Inzwischen konnte Frida über die Erinnerung an sich selbst vor zwei Jahren nur noch lachen: wie sie fluchend ihre Tasche hinter sich her schleifte, die Fingernägel völlig zerkaut. Magenschmerzen, dreckig wie noch nie. Selbst ihre Knie hatten gestunken.

Sie dachte, es würde leichter werden, wenn sie erst einmal da wären. Sie hätte es besser wissen sollen. Die Anstrengungen waren längst nicht vorbei; sie wurden eher noch größer, und monatelang wechselten sich Erschöpfung und Angst in ihrem Inneren im Sekundenrhythmus ab - tick, tack. Die tiefschwarze Nacht glitt wie eine Klinge über ihren Körper, und sie sehnte sich nach ihrem alten Kinderbett. Nach irgendeinem Bett.

Sie hatte ein paar Dinge eingepackt, die ihr etwas Trost verschaffen sollten: das kaputte Gerät zum Beispiel und eine Streichholzschachtel von ihrer Lieblingsbar. Ihre Artefakte sagte Cal dazu. In einer so völlig von der Vergangenheit abgeschnittenen Welt war die Verbindung mit diesen Gegenständen ihre einzige Möglichkeit gewesen, bei Verstand zu bleiben. Sie war es immer noch.

Frida versuchte, sie nicht zu oft hervorzuholen, aber Cal war gerade rausgegangen, um zu graben, und würde nicht vor einer Stunde zurück sein. Obwohl die Sonne nur schwach vom grauen Himmel schien, hatte er sein kariertes Hemd und ein Halstuch getragen. Sie hatten immer noch eine Flasche Sonnencreme, aber die war abgelaufen und wässrig geworden wie Magermilch.

"Bleib eine Weile drinnen", hatte er beim Losgehen gesagt.

Frida hatte die Arme in seinem Nacken verschränkt. "Wo sollte ich auch hin?"

Er küsste sie zum Abschied auf den Mund, wie er es immer noch tat und immer tun würde. Sie war in Gedanken schon bei den Artefakten, die in einer alten Aktentasche unter einer der ungenutzten Campingliegen verstaut waren. Der Morgen war hart gewesen.

Cal hatte die Tür hinter sich zugemacht, und als sich das Geräusch seiner Schritte entfernte, holte sie als Erstes die Tasche hervor. Sie fischte aus dem kleinen Haufen von Gegenständen den Abakus heraus. Es gefiel ihr, die blauen Perlen auf den Drähten hin und her zu schieben. Sie zählte, tippte, schloss die Augen. Frida hatte als Kind mit dem Abakus gespielt und hatte schon damals seine beruhigende Wirkung gebraucht. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Micah hatte auch einen, mit roten statt mit blauen Perlen, aber eines Tages, mit sieben ungefähr, hatte er ihn zerlegt und die Perlen auf eine Schnur gezogen. Er hatte sie seiner Mutter als Kette geschenkt.

Frida ließ die Perlen klackern. Sie ertappte sich dabei, dass sie schon wieder die Tage zählte. Zweiundvierzig.

"Überfällig", sagte sie laut, und ihre Stimme klang dünn und kläglich in dem Einzimmerhaus. Die Wände schienen ihre Worte einzuatmen; sie würden ihr Geheimnis für sich behalten, bis sie es Cal verriet.

"Ich bin überfällig", wiederholte sie und zwang sich, mit fester Stimme zu sprechen. Sie würde es ihm bald sagen müssen, und zwar genau so. Sie durfte nicht durchdrehen. Sie musste es verkünden wie jede andere Tatsache auch.

Frida schob die letzte Perle über den Draht. Ihr gefiel die Vorstellung, de

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