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Carmen reloaded von Objartel, Sonja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.06.2017
  • Verlag: TWENTYSIX
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Carmen reloaded

Wie weit würdest du für die Liebe gehen? Jonas hat eine feste Freundin und einen klaren Lebensplan, als er für ein Auslandssemester nach Sevilla geht. Dort kommt jedoch alles ganz anders als geplant. Er verliebt sich leidenschaftlich in die verführerische Carolina und ahnt dabei nicht, dass seine Gefühle ihn schon bald in einen Strudel von Verrat, Gewalt und organisiertem Verbrechen reißen werden. 'Carmen reloaded' lässt den Leser in die Schönheit Sevillas und eine heitere, multikulturelle Studentenszene eintauchen, aber auch in die tiefsten Abgründe des menschlichen Handelns blicken. Sonja Objartel, Jahrgang 1982, studierte Geschichte und Jura an der Universität Hamburg und der Universidad de Sevilla. Nach ihrem Magister-Abschluss arbeitete sie als Beraterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Kommunikationsagenturen, Unternehmen und Verbänden. Carmen reloaded ist ihr Debütroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 08.06.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783740700102
    Verlag: TWENTYSIX
    Größe: 1224 kBytes
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Carmen reloaded

2

D as vierte Zimmer in der Wohnung war bei meinem Einzug noch unbewohnt. Ich war die ersten Wochen so damit beschäftigt gewesen, alles Mögliche an der Uni zu regeln und meinen Stundenplan zu erstellen, dass ich gar nicht mitbekam, wann genau Alfons unsere Männer-WG komplettierte. Alfons war genau wie ich ein Erasmus-Student und stammte aus einem kleinen Ort in der Bretagne, dessen Namen ich mir nie merken konnte. Er hatte wirres, von der Sonne blond gebleichtes Haar, überall Sommersprossen und war wie Antonio und Fernando ein schlaksiger, sehniger Typ von mittlerer Größe. Alfons und ich verstanden uns von der ersten Sekunde an hervorragend. Er war ein unglaublich unterhaltsamer Zeitgenosse, mit dem es nie langweilig wurde. Sein französischer Akzent und seine skurrilen Wortschöpfungen, die ein Mischmasch aus Französisch und Spanisch waren, brachten uns oft zum Lachen. Auch mit Antonio und Fernando verstand sich Alf, wie wir ihn bald nannten, ausgezeichnet. Die beiden Spanier waren insbesondere von seiner kreativen Auslegung der Spielregeln bei diversen Brettspielen beeindruckt. Selten schaffte es einer von uns, ihm das Schummeln nachzuweisen. Durch diese Spielabende erhielt ich schließlich meinen Spitznamen. Ich wurde zu El Gótico , der Gote, da ich bei einem historischen Strategie-Kriegsspiel angeblich immer die brachialste Methode anwandte und außerdem mit meinen kurzen blonden Haaren, blauen Augen und einer athletischen Figur bei 1,89 Meter Körpergröße ihrem Klischeebild eines gotischen Kriegers sehr nahe kam. Ich fand meinen neuen Spitznamen amüsant. Einen guten Kumpel von Antonio aus Cádiz, der oft bei uns war, nannten sie El Moro , den Mauren, und spielten damit auf seine unverkennbaren arabischen Wurzeln und sein großes Talent beim Feilschen an. Unsere internationale WG wurde bald zum Lieblingstreffpunkt all unserer Freunde, egal ob Spanier, Franzosen, Engländer, Niederländer, Italiener oder Deutsche. Es war immer etwas los. Kaum eine Nacht verging, ohne dass einer der Gäste bei uns auf dem Sofa im Wohnzimmer übernachtete. Ich mochte diese Geselligkeit sehr. Ich fühlte mich rundum wohl in meinem neuen Zuhause und freute mich, dass ich so schnell Anschluss gefunden hatte.

Im Gegensatz zu Antonio und Fernando, die den ganzen Tag über Videospiele spielen konnten, waren Alf und ich sehr unternehmungslustig. Besonders in den ersten Wochen gingen wir immer zusammen zu den zahlreichen Erasmus-Veranstaltungen, die dazu dienten, die Stadt, die Universität und vor allem die anderen ausländischen Studierenden kennenzulernen. Alf war mit seinem Auto nach Sevilla gekommen, so dass wir recht bequem auch Spritztouren zu den Städten und Stränden der Costa de la Luz unternehmen konnten. Einmal fuhren wir sogar bis an die Algarve nach Portugal. Es war bereits Ende Oktober, aber die Temperaturen waren immer noch sommerlich warm. Die Ausflüge mit Alf und meist noch zwei bis drei anderen Leuten, die wir spontan zu unseren Fahrten einluden, machten jedes Mal einen Heidenspaß. Und dennoch merkte ich auf jeder Heimfahrt, dass ich nicht schnell genug wieder zurück in Sevilla sein konnte. Diese Stadt hatte mich in ihren Bann gezogen. Nirgendwo sonst fand ich es so schön wie hier. Jeden Morgen begrüßte mich die Sonne beim Blick aus meinem Zimmerfenster. Und jeden Tag entdeckte ich beim Schlendern durch die Straßen und kleinen Gassen der Stadt etwas Neues: Sei es eine historische Inschrift an einer Hauswand, die Büste eines berühmten Menschen oder ein mir bis dahin unbekanntes Gässchen, das meinen Erkundungsdrang weckte. Schier überall gab es etwas für mich zu entdecken.

Ich liebte es besonders, in der Abenddämmerung von der Uni nach Hause zu gehen. Der erste Teil der Wegstrecke führte mich über die Plaza de la Contratación und dann an den hell erleuchteten Mauern des Real Alcázar, der Königlichen Festung, dem Archivo General de Indias,

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