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Caspar Hauser Die Trägheit des Herzens von Wassermann, Jakob (eBook)

  • Verlag: e-artnow
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Caspar Hauser

Dieses eBook: 'Caspar Hauser' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen.
Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens ist ein historischer Roman von Jakob Wassermann, erschienen 1908. Der Roman handelt von den letzten sechs Lebensjahren Caspar Hausers in Nürnberg und Ansbach.'Die Nürnberger, ein neugieriges Volk', erzählen sich 'in den ersten Sommertagen des Jahres 1828, im Vestnerturm auf der Burg' sei 'ein Jüngling von ungefähr siebzehn Jahren in Gewahrsam gehalten'. Jener 'Fremdling' Caspar Hauser sei 'der Sprache nicht mächtiger als ein zweijähriges Kind. Andre Nahrung als Wasser und Brot' weist 'der Knabe mit Abscheu' zurück. 'Er gleicht eher einem adligen Fräulein als einem Bauern'. Bürgermeister Binder, Magistratsrat Behold, Freiherr von Tucher und Gymnasialprofessor Daumer machen sich Gedanken um den 'Findling'. Rittmeister von Wessenig hat einen Brief erhalten, in dem auf die Herkunft des Fremdlings angespielt wird. Daumer schreibt über Caspar Hauser: 'Er war immer in einem dunklen Raum gewesen, niemals anderswo... Niemals den Menschen gesehen, niemals seinen Schritt gehört, niemals seine Stimme, keinen Laut eines Vogels... nicht den Strahl der Sonne erblickt'. Caspar Hauser hat übernatürliche Fähigkeiten. Er vermag 'selbst in tiefer Dunkelheit die Farben zu unterscheiden'
Jakob Wassermann (1873-1934) war ein deutsch-jüdischer Schriftsteller. Er zählte zu den produktivsten und populärsten Erzählern seiner Zeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 366
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788027300396
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1050 kBytes
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Caspar Hauser

Eine hohe amtliche Person wird Zeuge eines Schattenspiels

Inhaltsverzeichnis


Natürlich hatte es wochenlang gedauert, bis Professor Daumer einen so vollständigen Einblick in die Vergangenheit des Jünglings gewonnen hatte. Dies alles ans Licht zu bringen, kündbar, greifbar, hatte Ähnlichkeit gehabt mit der Arbeit eines Brunnengräbers. Was anfangs ein Fiebertraum geschienen, besaß nun die Züge des Lebens.

Daumer verfehlte nicht, der Behörde den Sachverhalt in einer gewissenhaften Niederschrift vorzulegen. Die Folge davon war, daß sich der Magistrat entschloß, die Bahn förmlicher Verhöre zu verlassen und in eine vertrautere Beziehung zu dem Unglücklichen zu treten. Die auffälligen Besonderheiten seines Wesens sollten noch einmal überprüft werden, hieß es in einer der gerichtlichen Noten, deshalb wurden Ärzte, Gelehrte, Polizeibeamte, scharfsinnige Juristen, kurz unzählige Personen, die an seinem Schicksal freien Anteil nahmen, zu ihm auf den Turm geschickt; Es war ein endloses Schnüffeln und Debattieren, Zweifeln und Staunen, doch die verschiedenen Erklärungen liefen alle auf eins hinaus, und die bloße Kraft des Augenscheins mußte den Daumerschen Bericht bestätigen.

Wenige Tage später, gegen Anfang Juli, veröffentlichte der Bürgermeister einen Aufruf, der im ganzen Land Verwunderung und Beunruhigung erregte. Zunächst wurde darin das Erscheinen Caspar Hausers geschildert, und nachdem die eigne Erzählung des Jünglings mit tunlichster Ausführlichkeit wiedergegeben war, beschrieb der Verfasser diesen selbst. Er sprach von der alle Umgebung bezaubernden Sanftmut und Gute des Knaben, in der er anfangs immer nur mit Tränen und nun, im Gefühl der Erlösung, mit Innigkeit seines Unterdrückers gedenke; von seiner rührenden Ergebenheit an diejenigen, die häufig mit ihm umgingen, von seiner unbedingten Willfährigkeit zum Guten, die mit der Ahnung dessen verbunden sei, was böse ist, ferner von seiner außerordentlichen Lernbegierde.

»Alle diese Umstände«, fuhr der beredsame Erlaß fort, »geben in demselben Maß, indem sie die Erinnerung des Jünglings bekräftigen, die Überzeugung, daß er mit herrlichen Anlagen des Geistes und des Herzens ausgestattet ist, und berechtigen zu dem Verdacht, daß sich an seine Kerkergefangenschaft ein schweres Verbrechen knüpft, wodurch er seiner Eltern, seiner Freiheit, seines Vermögens, vielleicht sogar der Vorzüge hoher Geburt, in jedem Fall aber des. schönsten Freude der Kindheit und höchsten Güter des Lebens verlustig geworden ist.«

Eine kühne und folgenschwere Vermutung, die eher dem mitleidigen Gemüt und dem romantischen Geist als der behördlichen Vorsicht eines hohen Bürgermeisteramtes zur Ehre gereichte.

»Zudem beweisen mancherlei Anzeichen«, hieß, es weiter, »daß das Verbrechen zu einer Zeit verübt worden, wo der Jüngling der Sprache schon einmal mächtig gewesen und der Grund zu einer edeln Erziehung gelegt war, die gleich einem Stern in finsterer Nacht aus seinem Wesen hervorleuchtet. Es ergeht daher an die Justiz-, Polizei-, Zivil-und Militärbehörden und an jedermann, der ein menschliches Herz im Busen trägt, die dringende Aufforderung, alle, auch die unbedeutendsten Spuren und Verdachtsgründe bekanntzugeben. Und nicht etwa deswegen, um Caspar Hauser zu entfernen, denn die Gemeinde, die ihn in ihren Schoß aufgenommen, liebt ihn, betrachtet ihn als ein von der Vorsehung ihr zugeführtes Pfand der Liebe, das sie ohne gültigen Beweis der Ansprüche andrer nicht abtreten wird, sondern nur, um die Übeltat zu entdecken und den Bösewicht samt seinen Gehilfen der gerechten Sühne auszuliefern.«

Wahrscheinlich wurden von den Urhebern große Hoffnungen an das Manifest geknüpft, aber die Sache nahm einen ganz unerwarteten Verlauf und bereitete den Nürnberger Herren mancherlei Verlegenheiten. Zunächst lief eine Menge unsinniger und verleumderischer Bezichtigungen ein, durch welche eine Reihe von adligen Fam

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