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Clementine von Lewald, Fanny (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Nexx
eBook (ePUB)
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Clementine

In 'Clementine' behandelt sie eindrücklich und emotional die Problematik 'arrangierte Heiraten'. Fanny Lewald (1811-1889) war eine deutsche Schriftstellerin und Vorkämpferin der Frauen-Emanzipation. Sie forderte das uneingeschränkte Recht der Frauen auf Bildung und gewerbliche Arbeit ebenso und setzte sich gegen die Zwangsverheiratung junger Frauen ein.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958705630
    Verlag: Nexx
    Größe: 438 kBytes
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Clementine

Erstes Kapitel

Also weil der Herr Geheimrat mich gestern geistreich gefunden, soll und muss ich ihn heiraten? fragte Clementine und sah dabei lachend ihre jüngere Schwester, die Professor Reich, an, die ganz erhitzt auf dem Sofa ihres Wohnzimmers saß.

Darum allein nicht, entgegnete diese, aber Du darfst diese Verbindung nicht ausschlagen, wie alle andern, die sich Dir boten. Der Geheimrat von Meining ist ein sehr geachteter, fein gebildeter und reicher Mann; er ist freilich 50 Jahre, Du bist aber schon 27, was kann denn passender sein? Du hast mir selbst gesagt, dass Du an Dein früheres Verhältnis zu Robert Thalberg mit vollkommener Ruhe dächtest; warum also wieder ein Glück, ein wahrhaftes Glück von Dir weisen, das sich Dir vielleicht nie wieder bietet? Mein Mann wünscht diese Verbindung, die Tante, Deine letzte Instanz, dringt darauf, Meining erwartet das Glück seines Lebens davon und Du selbst hältst Meining nicht nur für einen liebenswürdigen, sondern auch für einen ehrenwerten Mann; was willst Du denn eigentlich, Clementine?

Ich will nicht lügen, Marie! Ich will, ich kann es nicht, und je achtenswerter mir der Geheimrat erscheint, umso weniger möchte ich ihn täuschen; ich kann nicht heiraten, quäle mich nicht.

Beide Damen gingen fast erzürnt voneinander; die kleine, rosige Professorin in die Arbeitsstube ihres Mannes, um ihm das vermutliche Misslingen ihres Planes mitzuteilen; die ernste, schlanke Clementine auf ihr Zimmer, um den Sturm, den diese Unterhaltung in ihr erregt hatte, ruhig austoben zu lassen.

Clementine und Marie Frei waren die Töchter eines hochgestellten preußischen Beamten. Sie hatten früh ihre Mutter verloren und eine Tante, Frau von Alven, eine kluge, feinfühlende Frau, die Witwe und deren einziges Kind früh gestorben war, hatte die Erziehung der beiden Mädchen im Frei'schen Haus übernommen. Nichts konnte aber verschiedener sein, als der Charakter dieser beiden Schwestern: Clementine, heftig, geistreich und zu tiefem Fühlen geneigt, wurde schnell von plötzlichen Eindrücken gefesselt, die sich dauernd ihrer Seele einprägten; was sie einmal ergriffen hatte, was ihr lieb geworden war, das konnte keine Macht ihr entreißen, das hielt sie fest fürs Leben. Aus diesem Gefühl entsprang die treue Anhänglichkeit für Frau von Alven, die innige Liebe für ihren Vater und die fast mütterliche Zärtlichkeit für die um sechs Jahre jüngere Marie; aber zugleich auch eine leidenschaftliche, unwandelbare Liebe für Robert Thalberg, einen jungen Mann, mit dem sie in ihrer ersten Jugend in allen befreundeten Familien zusammen getroffen war.

Thalberg hatte in tausend Dingen die auffallendste Charakterähnlichkeit mit Clementinen. Auch auf ihn wirkten in seiner Jugend die Eindrücke des Moments, und obgleich mit dem schärfsten Verstande und ungewöhnlichem Geiste begabt, hatte sein leidenschaftliches Herz ihn häufig fortgerissen und er sich oft dadurch in eigentümlich verwickelte Verhältnisse gebracht, die bald störend, bald fördernd auf ihn gewirkt.

Ein ungebändigter Freiheitssinn, ein an Tollkühnheit grenzender Mut, eigensinniges Beharren auf seinem Willen und doch eine fast kindliche Weichheit gegen die Personen, die er liebte, machten ihn für die Frauen unwiderstehlich; besonders da ein imposantes, männlich schönes Äußere gleich anfangs für ihn einnahm. Thalberg hatte der lebhaften, interessanten Clementine, wie alle jungen Leute ihres Kreises, seine Huldigungen dargebracht, weil sie hübsch und in der Mode war; bei näherer Bekanntschaft entdeckten Beide aber eine solche Ähnlichkeit in ihren Neigungen und Gesinnungen, sie begegneten sich so oft in ihrem Enthusiasmus für das Schöne, dass das gewöhnliche Wohlgefallen sich in eine wirkliche, ernste Neigung verwandelte und sie sich gegenseitig, ohne durch bestimmtes Versprechen an einander gebunden zu sein, als zu einander g

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