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Cottage mit Kater Roman von Stellmacher, Hermien (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.07.2015
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Cottage mit Kater

Schwere Zeiten für die Krimiautorin Nora: die Mutter gestorben, der Lebensgefährte auf und davon. Da kommt ihr die Einladung in ein Cottage an der Küste Cornwalls gerade recht. Endlich alles hinter sich lassen, Spaziergänge durch leuchtend bunte Blumenwiesen, Sonnenuntergänge am Strand und in Ruhe schreiben - wunderbare Aussichten! Doch wieder einmal macht das Leben ihr einen Strich durch die Rechnung. Ein kleiner Kater, den sie von einer Klippe rettet, weicht ihr fortan nicht mehr von der Seite. Immer wieder schmuggelt er sich heimlich ins Haus und wirbelt ihren Alltag durcheinander. Mit dem neuen Manuskript geht es auch nicht wie erhofft voran. Es ist zum Verzweifeln! Aber da ist noch Phil, der nette, gut aussehende Nachbar, der immer wieder seine Hilfe anbietet. Hermien Stellmacher, geboren 1959, wuchs in Amsterdam auf. Im Alter von 15 Jahren zog sie nach Deutschland. Sie illustrierte zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Seit einigen Jahren schreibt sie hauptsächlich für Erwachsene, zum Teil unter dem Pseudonym Fanny Wagner. Wenn sie nicht gerade in der Provence weilt, lebt sie mit ihrem Mann und zwei Katern in einem kleinen Dorf in der Fränkischen Schweiz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 06.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458741299
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 4828 kBytes
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Cottage mit Kater

2

Als ich am nächsten Morgen vom Gesang einer Amsel geweckt wurde, glaubte ich zuerst in Berlin zu sein. Bis ich die Augen aufschlug und das Bild neben mir an der Wand sah.

Es war eine alte gerahmte Landkarte von der Halbinsel, "The Lizard", auf der ich mich hier befand. Ich stopfte das Kissen unter meinem Kopf zurecht und las leise die geheimnisvoll klingenden Namen vor.

Housel Bay, Bass Point, Bumble Rock, the Devil's frying Pan.

Namen, die in einer alt anmutenden Handschrift rund um Englands südlichste Spitze platziert waren. Namen, die neugierig machten.

Die Amsel verstummte, und damit war auch Schluss mit den Parallelen zu Berlin. Musste ich dort nun das Schlafzimmerfenster schließen, um den anschwellenden Verkehrslärm auszusperren, begann hier die Schicht der Möwen. Neugierig, ob es einen bestimmten Anlass für ihr Gekreische gab, stellte ich mich ans offene Fenster und beobachtete die Vögel. Doch das Geschrei schien eher einem lockeren Austausch von Neuigkeiten zu entsprechen, wie es in Firmen in der Kaffeeküche üblich war.

Damit war das Stichwort gefallen. Ich machte mir einen starken Kaffee, setzte mich mit der Tasse und einem Marmeladentoast in den bequemen Korbstuhl im Wintergarten und sah zu, wie die Sonne höher und höher stieg.

Heute würde ich mich von der Fahrt erholen. Lesen, aus dem Fenster schauen und mich über die Tatsache freuen, dass das Telefon im Flur keine alarmierenden Nachrichten verbreiten konnte. Niemand hatte die Nummer.

Trotz Phils Einkäufen und Pauls ausdrücklicher Aufforderung, mich in seiner Speisekammer zu bedienen, beschloss ich, dem kleinen Laden oben an der Straße einen Besuch abzustatten. Wie die meisten Läden in England hatte das Geschäft auch sonntags geöffnet, und ich war gespannt, was es dort so alles gab. Außerdem wollte ich meinem eingerosteten Wortschatz mit Hilfe englischer Zeitungen auf die Sprünge helfen.

Die Straße im Dorf war gesäumt von Cottages mit bunten Gärten. Gab es in Deutschland Margeriten in armseligen Töpfchen zu kaufen, wuchsen die Pflanzen hier als große Sträucher, neben riesigen Fuchsien, die ihre Blütenkaskaden über die Natursteinmauern hängen ließen.

Ich war von den Farben so fasziniert, dass ich mein Ziel fast verpasst hätte. Was sicher auch daran lag, dass der Laden von außen wie ein normales Wohnhaus aussah. Das kleine Schaufenster war vollgepackt mit Teddybären, bunten Fähnchen und Kinderzeichnungen, davor stand eine Bank. Lediglich eine Schiefertafel informierte darüber, dass es hier hot pasties, wahlweise mit einer Fleisch- oder einer Käse-Zwiebelfüllung gab. Sonst wurde nicht verraten, was mich im Inneren erwartete.

Als ich durch die Tür trat, wusste ich auch warum: Für diese Mischung gab es keinen passenden Ausdruck. Die ersten Meter entsprachen in etwa dem, was in solchen Geschäften üblich ist: eine kleine Kühltheke mit Käse und Wurst und Kisten mit Obst und Gemüse. Daneben stapelten sich Körbe mit Weißbrot. Doch dann wurde es kreativ: Kerzenständer und Vasen wechselten sich mit Fischkonserven und Hobbygemälden ab, Marshmallows, Schokoriegel und Whiskeyflaschen teilten sich das Regal mit Katzenfutter, Landkarten und Sonnenschutzmittel. Strandspielsachen und hausgemachte Marmeladen waren neben verschiedenen Sorten Kartoffelpüree und Chips platziert. Von der Decke hing ein großes Fischernetz, auf dem aufblasbare Plastikungeheuer drapiert waren.

Unwillkürlich sah ich mich nach einem Schild um, das darauf hinwies, dass bereits jemand hier seine Doktorarbeit zum Thema "Die friedliche Co-Existenz verschiedenster Warengruppen und ihre Auswirkung auf das Kaufverhalten" verfasst hatte.

"May I help you, dear?" Eine Frau mit Lockenwicklern im Haar stand an der Kasse und beobachtete mich.

"Ich hätte gerne eine Zeitung", sagte ich.

"Gleich um die Eck

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