text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Cotton Reloaded - 47 Junge Helden sterben früh von Stahl, Timothy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.08.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
2,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Cotton Reloaded - 47

In New York City sorgt eine neue Bürgerwehr für Aufsehen: Schwarz gekleidete, maskierte, junge Leute wollen in Superhelden-Manier Überfälle und Diebstähle verhindern. Sie nennen sich die V-Guard.

Doch dann kommt es zu einem ersten tödlichen Zwischenfall. Special Agent Philippa Decker und Jeremiah Cotton vom G-Team nehmen die Ermittlungen auf. Schon einmal sorgte ein selbsternannter Rächer namens Guardian für Unruhe in Manhattan. Steckt er auch hinter der neuen Organisation?

Um das herauszufinden, schleust sich Cotton in das Netz der V-Guards ein - und schwebt schon bald selbst in tödlicher Gefahr -

COTTON RELOADED ist das Remake der erfolgreichen Kultserie JERRY COTTON und erscheint monatlich in abgeschlossenen Folgen als E-Book und Audio-Download.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 140
    Erscheinungsdatum: 11.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732529247
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 720 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Cotton Reloaded - 47

1

Das Problem heutzutage war, dachte Depak Chandrapal, die schwarze Pistolenmündung direkt vor Augen, dass sie alle gleich aussahen - die Guten wie die Bösen.

Damals, als er aus Indien nach Amerika gekommen war, vor über vierzig Jahren, war das noch anders gewesen. Da hatte man gleich erkennen können, wer in den Laden kam, um etwas zu kaufen oder ihn zu überfallen.

Heute drückten sich alle entweder herum, als hätten sie etwas zu verbergen, oder sie schauten ständig über die Schulter, als wäre ihnen jemand auf den Fersen. In jedem Gesicht der gleiche gehetzte Ausdruck, die Hände in den Taschen ihrer uniformen Schlabberklamotten, die Platz für alle möglichen Waffen boten, ohne dass sie auffielen.

Trotzdem riet Depak Chandrapal auch nach vierzig Jahren als Verkäufer im Gemischtwarenhandel immer noch gern, was hinter den Fassaden der Leute steckte, die seinen Laden betraten. Wer führte Übles im Schilde, und wer sah nur so aus? Oder wer wollte so aussehen, wusste aber tatsächlich kaum, wo bei einer Knarre hinten und vorn war?

Den Kerl, der ihm jetzt eine Knarre ins Gesicht hielt, hatte der Mann aus Indien falsch eingeschätzt.

Ein Milchbubi. Trug zwar ein weites Hoodie, unter dessen Kapuze sein Gesicht fast nicht auszumachen gewesen war, aber in das Ding hätte der Bursche glatt zweimal reingepasst. Die Tattoos, die unter den Ärmeln und am Hals hervorlugten, sahen aus wie selbst gestochen - oder, wenn der Junge Glück hatte, selbst aufgemalt, dann musste er nicht bis ans Ende seines jämmerlichen Lebens damit herumlaufen und sich von den wirklich harten Typen auslachen und verprügeln lassen.

"Los, Kasse auf, Kohle raus!"

Speichel sprühte aus dem Schatten unter der Kapuze hervor. Die glasigen grünen Augen, in die kupferrote Haarfransen hingen, leuchteten auf wie angestrahlt.

Der Knabe war high, wovon auch immer. Was es auch war, er brauchte mehr davon. Deshalb war er hier, darum wollte er, was in der Registrierkasse war.

Einen Moment lang war Depak ernsthaft versucht, dem Jungen gut zuzureden, ihm auszureden, was er da vorhatte, ihm zu versprechen, er könne einfach gehen und Schwamm drüber. Weil er doch nicht "so einer" sei, er wolle das alles doch gar nicht ... Das Problem war nur: Er war "so einer", und er wollte das.

Depak wusste nicht mehr, wie oft er überfallen worden war in all den Jahren. Irgendwann hatte er den Überblick verloren und aufgehört zu zählen. Mehrmals jährlich auf jeden Fall. Wobei es Jahre gegeben hatte, in denen die Zahl einstellig geblieben war, in anderen hatte man ihn praktisch wöchentlich ausgeraubt. Er wusste nicht, woran es lag. Am Viertel? Es war nicht die allerbeste Gegend von New York City, aber es gab schlimmere Ecken, weitaus schlimmere.

Vielleicht hatte es sich unter dem räuberischen Gesindel herumgesprochen, dass Depak Chandrapal keine Zicken machte.

Anfangs war das anders gewesen. Da hatte er den Helden gespielt, gelegentlich, wenn er sich eine Chance ausgerechnet hatte. Wenn der Kerl, der das Geld aus seiner Kasse wollte, aussah, als hätte er Respekt vor einem Baseballschläger, der mit Stacheldraht umwickelt war und in den Händen eines kräftigen jungen Mannes lag, aus dessen dunklen Augen ihm Entschlossenheit entgegenbrandete wie eine Welle, die ihn von den Füßen zu reißen drohte.

Den Baseballschläger hatte Depak nach wie vor, er lag unter dem Tresen, immer noch griffbereit. Nur wirklich in die Hände genommen hatte er ihn seit annähernd zwanzig Jahren nicht mehr. Zum einen, weil er kein kräftiger junger Mann mehr war, sondern ein dicker alter Mann, und zum anderen hatte er es einmal zu oft getan. Denn einmal, da hatte er sich verkalkuliert, als er meinte, sich eine Chance ausgerechnet zu haben.

Der Schuss des Kerls damals hatte ihn so unglücklich ins Bein getroffen, dass er heute noch humpelte. Seine damalige Krankenversicherung war lausig gewesen, und ein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen