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Daisy Sisters Roman von Mankell, Henning (eBook)

  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag
eBook (ePUB)
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Daisy Sisters

Im Kriegssommer 1941 macht Elna aus Sandviken mit ihrer südschwedischen Brieffreundin eine Radtour zur norwegischen Grenze. Die Daisy Sisters, wie die Mädchen sich nach amerikanischem Vorbild nennen, lernen zwei schwedische Soldaten kennen, und die naive Elna, die keinen Alkohol verträgt, wird ungewollt schwanger. Den Vater des Kindes wird sie nie wiedersehen, ihre Tochter Eivor zieht sie nur widerwillig auf. Eivor ihrerseits versucht schon als Halbwüchsige mit einem jungen Kriminellen durchzubrennen, aber das Abenteuer geht auf tragische Weise schief. Fern von Mutter und Stiefvater will sie sich nun eine eigene Existenz als Schneiderin aufbauen. Doch es kommt anders als geplant ... Ein bewegender Generationenroman aus Schweden über drei Frauen, die aus ihrem engen sozialen Milieu und ihrer vorgezeichneten Rolle ausbrechen wollen. Henning Mankell, geboren 1948 in Stockholm und aufgewachsen in Härjedalen, lebte als Theaterregisseur und Autor in Schweden und Maputo (Mosambik). Seine Romane um Kommissar Wallander sind internationale Bestseller. Zuletzt erschienen bei Zsolnay 'Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein' (2015), die Neuausgabe von 'Die italienischen Schuhe' (Roman, 2016), 'Die schwedischen Gummistiefel' (Roman, 2016) und der frühe Afrika-Roman 'Der Sandmaler' (2017). Im Herbst 2018 erscheint sein allererster Roman, 'Der Sprengmeister'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783552054851
    Verlag: Paul Zsolnay Verlag
    Originaltitel: Daisy Sisters
    Größe: 836 kBytes
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Daisy Sisters

E s gibt viel Seltsames auf der Welt.

Wer hat zum Beispiel jemals von einem Mann gehört, der eine Zeit lang davon lebte, Mücken zu jagen? Zweifellos war es keine lange Zeit, aber immerhin sieben Monate. Der Mann besitzt sogar ein etwas arg zugerichtetes Dokument, das die Geschichte bestätigt. Er trägt es immer bei sich, in der linken Innentasche, genau über dem Herzen. Aber selten oder nie kommt es so weit, dass er diesen schriftlichen Beweis hervorzieht. Seine Zuhörer sind da meist schon an einen anderen Tisch geflüchtet oder raten ihm, die Klappe zu halten, wenn er keine Prügel beziehen will.

Und er hält natürlich die Klappe. Er hat immer Angst vor Prügeln gehabt, und was hat es schon für einen Sinn, Leuten etwas aus der großen Welt zu erzählen, denen sowieso die Voraussetzungen dafür fehlen, zu begreifen, wovon er spricht. Aber manchmal fragt er sich schon, was sie wohl gesagt hätten, wenn er erzählt hätte, dass sein Name Abd-ur-Rama ist. Da wäre er vermutlich mit dem Stock aus dieser kleinen, unansehnlichen Gesellschaft gejagt worden. Und möglicherweise wäre es das Beste gewesen, was ihm hätte geschehen können. Obwohl er bald siebzig wird, sitzt immer noch die alte Rastlosigkeit in seiner Seele. Hat man große Teile seines Lebens auf der Landstraße verbracht, so kommt man nie mehr davon los.

Er sitzt im Bierausschank am Bahnhof in Hallsberg, trinkt ein Pils und grübelt über sein Geschick. Es ist Anfang April und noch kein Frühling in Sicht. Herrgott, er lebt nun schon seit drei Jahren in diesem Loch hier! Drei Jahre, und nichts ist geschehen; er ist noch älter geworden, hat noch ein paar Zähne verloren, und es fällt ihm schwer, den Urin zu halten.

Vor drei Jahren hat ihm seine Schwester ihr kleines Haus in Hallsberg vererbt. Natürlich ist er dankbar dafür, dass seine Schwester ihr Testament so aufgesetzt hat; sie hätte ihr Haus ja auch der Wohlfahrt überschreiben können. Natürlich ist es schön, einen Schlupfwinkel zu haben. Im Altersheim wäre er sofort krepiert, und im Winter draußen in Scheunen zu liegen, das schafft er nicht mehr. Es war also sein Glückstag, als er in Hugo Håkanssons Zigarrengeschäft in Vetlanda gestiefelt kam und einen Brief vorfand, der dort seit einem Monat lag. Hugo und er kannten sich, seit sie in den zwanziger Jahren gemeinsam von Markt zu Markt gezogen waren. Damals war Hugo Gummimann. Er hatte so viel Verstand, ein bisschen Geld übrig zu behalten, und passte auf, dass er sich keine unehelichen Kinder zulegte. Und für ein Zigarrengeschäft reichten die zusammengesparten Mittel. Dort hatte er seine Adresse, und hin und wieder fragte er nach Post. Meistens war nichts für ihn da, und er zog weiter, nachdem er ein paar Nächte in einem ordentlichen Bett geschlafen hatte, den Dreck abgewaschen und vielleicht auch ein paar abgelegte Kleider von dem gutmütigen Hugo übernommen hatte. Aber vor drei Jahren lag da der Brief von Åkermans Rechtsanwaltskanzlei in Örebro und wartete auf ihn. Das Haus samt Inventar konnte er sofort nutzen.

Alles wäre so gut gewesen, wenn bloß das Haus nicht in Hallsberg gestanden hätte. Er hält es nicht aus in diesem Loch; es ist klein und eng, und alles dreht sich um die Züge, die kommen und gehen und aus denen nie jemand aussteigt, um zu bleiben.

Natürlich heißt er nicht Abd-ur-Rama . Das ist nur einer seiner Künstlernamen (und er hat deren mehrere!). Als er 1886 in Broddebo geboren wurde, erhielt er den Taufnamen Anders nach seinem Großvater, Anders aus Björkhult. Und sicherlich konnte das arme junge Bauernpaar, das so glücklich über seinen erstgeborenen Sohn war, sich nicht vorstellen, dass der kleine Wurm einmal Fakir werden sollte.

Oder Mückenjäger bei festem Wochenlohn. Oder alles mögliche andere, womit er sein rastloses Leben ausgefüllt hat ...

Nein, Herrgott! Es gibt so vi

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