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Darja von Curth, Marlies (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.05.2015
  • Verlag: Pro BUSINESS digital printing
eBook (ePUB)
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Darja

Ein junges Mädchen zwischen Gewalt und Sex lernt langsam, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das Roma-Mädchen Darja wächst bei gehörlosen Eltern im Kosovo auf. Ihre ersten Lebensjahre verbringt sie weitgehend isoliert in einer Kammer und lernt erst sehr spät sprechen. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen in ihrer Heimatstadt Mitrovica zwingen sie, die Stadt zu verlassen und ohne ihre Familie in ein Lager nach Mazedonien zu fliehen. Doch bald erfährt sie am eigenen Leib die Schrecken des Krieges. Darja wagt allein die Flucht nach Deutschland und findet dort Verwandte wieder. Der Sohn der Familie heiratet das Mädchen und zwingt sie zur Prostitution, aber allmählich entwickelt sie den Mut, ihren eigenen Weg zu wagen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 07.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864601323
    Verlag: Pro BUSINESS digital printing
    Größe: 312 kBytes
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Darja

Teil 1

1

Eine Biene. Die erste Biene, seit die Sonne wieder schien. Sie flog in schnellem Zickzack, als wäre es ihre größte Sorge, dass sie eine der gelben Blüten übersehen könnte. Dabei summte sie so eifrig, als wäre es ihre letzte Gelegenheit, noch einmal Nektar zu sammeln.

Darja lag im kühlen Gras auf dem Rücken und schaute der Biene und den Blumen zu. Dann schweifte ihr Blick nach oben und sie betrachtete die Wolken, die in majestätischer Ruhe über den Himmel zogen. Manche sahen aus wie Schlagsahne, andere erinnerten sie an Tiere. Wenn sie die Augen ein wenig zukniff, konnte sie einen Wolkenfisch erkennen. Darja betrachtete ihn und sah zu, wie er seine Gestalt änderte und nun eher einem langgestreckten Kahn ähnelte, wie der von Zitas Papa, mit dem er die beiden Mädchen über den Waldsee gerudert hatte. Sie waren schwerelos dahingeglitten, während das Wasser unter dem Kahn leise gluckste. Darja hatte ihre Hand ins Wasser gehalten und die angenehme Kühle des Sees gespürt. Zitas Papa hatte sie angelächelt: "Alles gut?", hatte er gefragt, ohne den Rhythmus der Ruderschläge zu unterbrechen. Darja hatte strahlend genickt, ja alles war richtig gut gewesen. Während sie vor sich hinträumte, hatte die Wolke ihre Form schon wieder geändert. Der Winter war noch nicht lange vorbei, die Erde atmete noch seine Kälte, doch sie roch schon so wunderbar nach Aufbruch.

Aber da war noch ein anderer Geruch. Darja hob ein wenig den Kopf. Er kam vom Haus und sie liebte diesen Duft. Warm, herzhaft, ein wenig verbrannt - nein nicht verbrannt: nur fast verbrannt. Mit fester, brauner Kruste. Brot.

Frisches Brot.

Mama hatte Chleb gebacken. Gutes Brot, schwieriges Wort. Alle guten Sachen hatten schwierige Namen. Schlechte Sachen brauchten keinen Namen, fand Darja. Sie lief zum Haus.

Ihre Mutter, die sie in dem einzigen niedrigen Raum des Erdgeschosses bereits erwartete, war eine kleine, schmale Frau, die sich in einer raschen Bewegung die Hände kurz an der dunklen Kittelschürze abwischte. Dann schloss sie die Ofentür. Das Brot lag schon auf dem Holztisch. Es duftete braun. Als Darja zugriff, schlug sie ihr leicht auf die Finger. Dabei machte sie ihr böses Gesicht und zeigte auf die fünf Holzbretter auf dem Tisch. Fünf Bretter, das bedeutete, dass Besuch da sein musste. Darja schaute aus dem Fenster: Baro kam mit Vater auf das Haus zu. Onkel Baro! Er gestikulierte mit beiden Händen und machte weit ausholende Bewegungen dabei. Aber als er die Achtjährige am Fenster sah, lachte er sein Baro-Lachen - und Darja wusste, dass es nur ihr galt.

Schnell wie ein kleiner Blitz war sie aus der Küche und lief ihm in die Arme, er fing sie auf und stemmte sie hoch in die Luft. Darja quietschte vor Vergnügen. "Hallo, mein Mädchen!", rief er dabei und Darja wiederholte übermütig: "Mäch'n!" "Mädchen - d-d-d- Mädchen!", sprach er ihr vor. Doch sie schüttelte den Kopf, heute wollte sie nicht üben. Energisch zog sie ihn hinter sich her zur Küche und deutete auf einen Stuhl am Tisch. Baro setzte sich ihren Eltern gegenüber und schlug mit der flachen Hand lautstark auf den Schemel neben sich, woraufhin sich das Mädchen strahlend neben ihn hockte. Aber der Onkel hatte dann erst einmal keine Zeit mehr für sie. Er brauchte seine ganze Aufmerksamkeit für ihre Eltern. Fest schaute er Sandro Caldare in die Augen und machte ein ernstes Gesicht, denn er musste ihm etwas mitteilen. Er führte die flache Hand durch die Luft und bewegte sie auf seinen Schwager zu, dazu blies er Luft durch die Lippen, doch nur Darja hörte das dazugehörige Brummen.

Sandro Caldare war gehörlos, genau wie seine Frau Nuri.

Es war damals Baros Fürsprache be

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