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Das Amulett der Heilerin von Breuer, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2020
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)

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Das Amulett der Heilerin

Im Frühjahr des Jahres 1436 zieht die junge Seiltänzerin Alessandra mit ihrer Gauklertruppe durch die Pfalz. Ihr Ziel ist Bacharach, wo am Ostersonntag ein Jahrmarkt stattfinden soll. Unterwegs finden sie durch Zufall einen verletzten Mann. Alessandra verliebt sich unsterblich in den fremden Ritter und durch ihre Heil- und Kräuterkunde gelingt es ihr den Mann gesund zu pflegen. Aber Simon ist bereits einer Adligen versprochen, und Alessandra gerät als Heilerin schon bald ins Visier der Inquisition und wird als Hexe angeklagt... Der Titel ist vormals unter dem Titel 'Die Seiltänzerin' bei Ullstein Buchverlage GmbH erschienen.

Gabriele Breuer, geboren 1970, lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Köln. Sie arbeitet in einem Seniorenheim und schreibt in ihrer Freizeit gerne historische Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 10.04.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841224781
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Größe: 2321 kBytes
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Das Amulett der Heilerin

Kapitel 1

Die Herrin der Lüfte zu sein, über dem Boden zu schweben, über allen anderen... Dabei erhaben, voller Anmut und von allen Menschen bewundert. Alessandra betrachtete versonnen das Seil und spürte, wie sich ihr Bauch vor Freude zusammenzog.

"So müsste es halten. Sieh selbst." Ihr Großvater hängte sich mit beiden Händen an das Hanfseil, das er kurz zuvor zwischen zwei Eichen am Ufer des Rheins gespannt hatte. Seine karminroten Pluderhosen flatterten im Wind. Er stellte sich wieder hin, ließ das Seil los und rieb sich die Hände. Mit einem Lächeln wandte er sich Alessandra zu. "So, mein liebes Kind, jetzt zeig mir, wie anmutig du darauf tanzen kannst."

Alessandra ließ sich von ihm auf das Seil heben. Als sie das Gleichgewicht gefunden hatte, löste sie sich von dem Baumstamm und lächelte ihren Großvater an.

"Bis du soweit?" Die Enden von Silvios ergrautem Schnauzbart zitterten leicht.

"Ja, Papo, das bin ich." Alessandra hob den Blick und schaute auf das Siebengebirge auf der anderen Seite des Rheins. An manchen Stellen verwandelte sich das triste Braun bereits in ein zartes Grün. Dann schloss sie die Augen. Unter ihren bloßen Füßen fühlte sie den rauen Hanf. Die Arme ausgestreckt, setzte sie einen Fuß vor den anderen und schwebte über dem Boden. Die Natur hatte nicht vorgesehen, dass die Menschen fliegen konnten - doch sie konnte es. Sie war frei. Frei wie die Herrin der Lüfte. Mühelos balancierte sie über das Seil, ließ ihre Welt unter sich und flog in Gedanken über das blaue Band des Rheins, hinauf zu den schönsten Burgen des Landes.

Ihr Großvater applaudierte. "Wunderbar, mein Kind. Die Zuschauer auf den Marktplätzen werden dir zu Füßen liegen. Und unsere Truhe wird sich mit Kupfermünzen füllen." Seine Stimme zitterte vor Stolz.

Alessandra sprang vom Seil und lockerte in dem kühlen Gras ihre Zehen. Ihr Großvater legte den Arm um ihre Schulter und drückte sie an sich. "Ich habe eine gute Nachricht für dich." Ein verschmitztes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. "Stell dir vor, Sami hat bei mir um deine Hand angehalten. Ist das nicht großartig?" Er sah seine Enkelin erwartungsvoll an.

Alessandra fühlte, wie sich ihr Hals zuschnürte. Sie riss sich von ihrem Großvater los und verschränkte die Arme vor der Brust. Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. "Denke nicht einmal daran! Diesen aufgeblasenen Gockel werde ich niemals heiraten", zischte sie.

"Bist du von Sinnen?" Ihr Großvater hob die buschigen Augenbrauen. In seinen dunklen Augen spiegelte sich Unverständnis. "Sami ist ein stattlicher junger Mann. Die Mädchen des Stammes umschwärmen ihn wie die Motten das Feuer! Jede von ihnen träumt davon, dass er um ihre Hand anhält."

"Dann soll er doch eine von ihnen heiraten. Mich jedenfalls nicht!" Sie wollte sich abwenden, doch ihr Großvater hielt sie an der Schulter zurück.

"Alessandra, was ist bloß in dich gefahren? Er ist der wohlhabendste Erbe des Stammes. Sein Vater besitzt einen Tanzbären, mit dem er auf den Jahrmärkten ein Vermögen verdient."

Alessandra schob trotzig die Unterlippe vor. "Pah, das Geld interessiert mich nicht. Mit meinem Seiltanz verdiene ich genug, um nicht hungern zu müssen."

Ihr Großvater band sich das graue Haar, das auf seinen Schultern lag, zu einem Zopf. "Das ist nun dein achtzehnter Frühling, meine Liebe. Andere Mädchen in deinem Alter sind längst verheiratet." Seine Stimme nahm einen scharfen Ton an. "Du musst Nachkommen gebären, damit unser Stamm nicht ausstirbt." Er griff nach ihrem Oberarm.

"Das ist doch nicht alles, wofür ich auf der Welt bin!", keifte Alessandra und entzog sich ihm abermals. "Wenn du mich zwingst, laufe ich davon!" Sie raffte ihre buntgeflickten Röcke und verschwand zwischen den Zelten der Schausteller. Erst als sie den Blick ihres Großvaters nicht mehr in ihrem Rücken spürte, verlangsamte sie den Schritt. Außer Atem lehnte sie sich an die Speichen eines

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