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Das Bernsteincollier von Grübl-Widmann, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Bernsteincollier

Ein geheimnisvolles Schmuckstück. Eine Reise in vergangene Zeiten. Eine große Liebesgeschichte. Inga steht vor den Trümmern ihrer Beziehung, als sie einen beunruhigenden Anruf von ihrem Großvater Kalle erhält. Er ist krank und wird bald sterben. Auf der Stelle quartiert sie sich bei ihm ein, um ihm beizustehen. Durch Zufall findet sie in einer Kiste auf dem Dachboden ein wunderschönes Bernsteincollier. Mit dem Schmuckstück konfrontiert, offenbart Kalle ihr zögerlich, dass er eigentlich nicht in Schweden, sondern im ehemaligen Ostpreußen aufgewachsen ist - er musste fliehen. Ein Schwächeanfall hindert ihn daran, mehr zu erzählen. Doch Inga möchte mehr über Kalles und damit auch ihre Herkunft herausfinden. Wieso hat ihr Großvater so lange über seine Vergangenheit geschwiegen? Ihre Suche führt sie schließlich nach Kaliningrad. Dort taucht Inga dank der Hilfe des charmanten Reiseführers Andrej tief in die Welt des vergangenen Ostpreußens ein - wo sich das Schicksal einer Familie und einer jungen Liebe für immer entschied ... Mit ihrem anrührend erzählten Debütroman 'Das Bernsteincollier' trifft Eva Grübl-Widmann Leserinnen von Familiengeheimnissen mitten ins Herz. eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 436
    Erscheinungsdatum: 01.09.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732552108
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 2301 kBytes
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Das Bernsteincollier

1

Stockholm, Schweden, Januar 2015

Inga öffnete die Eingangstür des Appartementhauses, sog die kalte Luft mit einem tiefen Zug in ihre Lunge und blies hüstelnd kleine Dampfwolken aus dem Mund. Sie fröstelte, zog ihren Wollschal über Kinn und Nase und betrat die hauchdünne Schneedecke auf dem Bürgersteig. An diesem frühen Sonntagmorgen war kaum jemand unterwegs. Eigentlich hatte Inga das Wochenende nützen wollen, um sich etwas Ruhe zu gönnen, sich zu vergraben unter dicken Daunendecken und einfach dem Nichtstun zu frönen. Stattdessen ging sie nun rastlos und verunsichert über die Straßen des noch im Tiefschlaf ruhenden Stockholms.

Spät am gestrigen Abend hatte das Handy geklingelt. Die ungewohnte Besorgnis in der sonst so ruhigen Stimme ihres Großvaters hatte sie irritiert. Der alte Mann hatte sich hinter seltsamen Bemerkungen versteckt, um dann alle Fragen mit Schweigen zu beantworten. Als würde er im selben Moment, in dem die Worte über seine Lippen gekommen waren, bereuen, sie ausgesprochen zu haben. Inga hatte sofort ihre Mutter Pernilla angerufen, doch als sich diese nicht gemeldet hatte, hatte sie den Entschluss gefasst, ihrem Großvater gleich am Morgen einen Besuch abzustatten.

Sie ging die Treppe zur U-Bahn am Östermalmstorg hinunter, stieg in die rote Linie und fuhr bis zur Endstation Ropsten. Der U-Bahnhof war menschenleer. Der süßliche Duft frisch gebackener Zimtschnecken stieg ihr in die Nase und lockte sie in einen Kiosk, in dem der Verkäufer gelangweilt in der Sonntagsausgabe des Svenska Dagbladet blätterte. Sie bestellte vier der köstlich warmen Schnecken und löste eine Karte für die Lidingöbahn.

"Früh unterwegs", stellte der Verkäufer mit einem bemühten Grinsen fest.

Inga nickte stumm, schob ihm das Geld hin und griff nach der Papiertüte.

Die kleine Bahn setzte sich mit einem zähen Ruckeln in Bewegung, ächzte ebenso altersschwach wie müde und rollte gemächlich über die Brücke, die über das Wasser auf die Insel Lidingö führte. Trotz der anhaltenden Dunkelheit erhellte der Schnee die Umgebung. Bunte Bojen ragten regungslos aus dem gefrorenen Meer, das hier, wo es sich mit dem Süßwasser des Mälaren vermischte, schneller gefror als an anderen Küsten Schwedens. Die Kälte hatte die Wellen zum Schweigen gebracht.

Inga lächelte, als sie den kleinen Eisbrecher am Horizont auftauchen sah, der sich einen Weg durch das gefrorene Wasser bahnte. Obgleich das Rattern des Zuges das einzig wahrnehmbare Geräusch war, malte sie sich das Knacken und Ächzen aus, unter dem die Schollen nachgaben, zerbarsten, und, auf dem Wasser des großen Sees treibend, zurückblieben. Die Tage, an denen sie mit ihrem Bruder Magnus am Ufer gesessen hatte, die langen Schlittschuhe lässig über die Schulter geworfen, den Eisbrecher im Visier, lagen Jahre zurück. Dennoch ließen das kleine Monster, wie sie das Schiff als Kinder genannt hatten, und das unberührte Eis die Erinnerungen aufleben. Magnus, Ingas jüngerer Bruder, studierte an der Hochschule in Göteborg und kam nur noch selten nach Stockholm.

Inga seufzte und sank tiefer in den Sitz. Immer noch steckte ihr die Müdigkeit in den Gliedern. Ihre Gedanken wanderten zu den glücklichen Momenten, die sie mit ihrem ehemaligen Lebensgefährten Sven auf der Insel verbracht hatte: die Lagerfeuer und die Abende mit Gitarre im Garten ihres Großvaters, die Wintertage, an denen sie verliebt zu zweit auf dem gefrorenen See, der versteckt in der Mitte der Insel lag, Schlittschuh gelaufen waren. Es waren schöne Erinnerungen. Zu schön, um sie einfach beiseitezuschieben, und dennoch zu schmerzhaft, um an ihnen festzuhalten. Der Schock der Trennung saß immer noch tief, und Inga ertappte sich nicht selten dabei, die Schuld für Svens Untreue bei sich zu suchen. In den letzten Wochen hatte sie sich entweder in ihre Wohnung zurückgezogen oder war wie automatisch Tag für Tag zur Arbeit gegangen, um ihre Pflichten zu

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