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Das Blaue Buch von Kästner, Erich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.02.2018
  • Verlag: Atrium Verlag AG Zürich
eBook (ePUB)
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Das Blaue Buch

Nachdem Erich Kästner 1933 von den Nazis als Autor verboten worden war, entschloss er sich, ein geheimes Tagebuch zu führen. Dazu griff er auf ein blau eingebundenes, unbeschriftetes Buch zurück, das er zwischen den anderen viertausend Bänden seiner Bibliothek versteckte. Aus Sicherheitsgründen fertigte Kästner seine Aufzeichnungen außerdem stenografisch an. Von 1941 bis zum Kriegsende schrieb Erich Kästner auf, was sich an der Front und in Berlin ereignete, notierte Heeresberichte und Massenexekutionen ebenso wie die Kneipenwitze über Goebbels und Hitler, die schon bald nur noch hinter vorgehaltener Hand gemacht wurden. Er dokumentiert seinen zunehmend von Stromsperren und Bombenangriffen geprägten Alltag bis zur bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 und berichtet, was sich in den Monaten danach abspielte. Die jetzt vorliegende, von Sven Hanuschek zusammen mit Silke Becker und Ulrich von Bülow herausgegebene und umfangreich kommentierte Ausgabe umfasst neben Kästners Kriegstagebuch auch seine gesammelten Notizen für einen Roman über das 'Dritte Reich', ein umfangreiches Vorwort sowie zahlreiche Zeitungsartikel, die Erich Kästner im Blauen Buch aufbewahrte. Erich Kästner, 1899 in Dresden geboren, ist bis heute einer der meistgelesenen und beliebtesten deutschen Autoren. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden seine Bücher verbrannt, sein Werk erschien nunmehr in der Schweiz im Atrium Verlag. Für seine Bücher wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Hans-Christian-Andersen-Preis und dem Georg-Büchner-Preis. Erich Kästner starb 1974 in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 09.02.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037920992
    Verlag: Atrium Verlag AG Zürich
    Größe: 8930 kBytes
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Das Blaue Buch

Knappe Chroniken: 1941 und 1943

Kästners Kriegstagebücher samt der zahlreichen Beilagen - Zeitungsartikel, Nietzsche-Notizen und anderes - sowie der Anläufe für zwei Romanprojekte sind zum einen lakonische Mitschriften eines Alltags und einer Mentalität. Zum anderen liefern sie, wenn man den schieren Gedächtnisstützen des Autors, seinen Anspielungen, Nebengeschichten und einigen der Hinweise auf damals geläufige Halb- und Viertelprominente nachgeht, ein Zeitpanorama von geradezu Rabelais'scher Üppigkeit. Einigen dieser Nebengeschichten geht der Kommentar dieser Ausgabe nach, es finden sich immer wieder Biografien, die nach einer ausführlichen Recherche oder einer Verfilmung schreien; um hier wenigstens zwei zu nennen: Der österreichische Schauspieler Leo Reuss hatte seit den zwanziger Jahren Engagements an den großen Berliner Bühnen, 1934 erhielt er wegen seiner jüdischen Herkunft Arbeitsverbot und ging wieder nach Österreich. Dort gab er sich 1936 bei einem Vorsprechen in Salzburg als bärtiger Tiroler Bauer 'Kaspar Brandhofer' aus, als theaterinteressierter Laie in Lederhosen, der unbedingt auf die Bühne wolle; tatsächlich wurde er am Wiener Theater in der Josefstadt engagiert und erhielt sehr positive Kritiken, als scheinbar völkisch-naives Originalgenie. Er beging dann den Fehler, sich selbst zu enttarnen, mit der Folge, dass er nun auch in Österreich keine Engagements mehr erhielt. Reuss emigrierte in die USA und war dort bis zu seinem frühen Tod 1946 ein gefragter Nebendarsteller in Hollywood - unter dem Namen Lionel Royce. Felix Mitterer hat das Stück In der Löwengrube ( 1998 ) über ihn geschrieben, es gibt mehrere Biografien, [2] und offenbar hatte auch Kästner dieses Leben als 'Stoff' im Blick.

Ein anderer Fall, den Kästner nur nebenbei erwähnt, ist der Vorwärts- Redakteur Hans Wesemann, der sich im Londoner Exil von der Gestapo anwerben ließ und an der Entführung des NS -kritischen Publizisten Berthold Jacob aus Basel nach Deutschland beteiligt war; Wesemann wurde von den Schweizer Behörden inhaftiert, konnte nach dem Zuchthaus nach Venezuela emigrieren und war einige Jahre in Texas interniert; er ist 1971 in Lateinamerika gestorben und hat postum etliche Spionage-Geschichten erzeugt - er habe für den KGB gearbeitet, sei in New York gesichtet worden und anderes mehr. Die größte Öffentlichkeit erlangte seine Verwechslung mit dem Journalisten Hans Otto Wesemann, dem langjährigen Intendanten der Deutschen Welle. Auch die bislang einzige Biografie über Hans Wesemann kann sein Leben nach dem Krieg nicht zuverlässig rekonstruieren. [3]

So kurios solche Nebengeschichten sein mögen, ist doch offensichtlich, dass die Bereitschaft des Chronisten Kästner allmählich sinkt, das Beobachtete - neben allen anderen Emotionen - auch komisch zu finden; am Ende, bei der Wiedergabe des Berichts von Männe Kratz, der Auschwitz entronnen ist, scheint er selbst überwältigt, sprachlos. Seine Kommentierung des Kriegsverlaufs ist zu Anfang gleichzeitig eine Kommentierung der Nachrichtenpropaganda und -mechanik der Diktatur, 1941 noch erstaunlich patriotisch gehalten; auch diese Tendenz lässt im Verlauf der Notizen stark nach. Kästner hat einmal bemerkt, er habe auch aus Langeweile nicht Tag für Tag mitschreiben können, die Sprünge in den ersten Monaten sind zum Teil erheblich.

Nachdem die Kriegstagebücher erst 1941 und nicht mit den ersten Jahren der NS -Diktatur einsetzen, werden schon zu Beginn Alltagsprobleme beschrieben, die neben den Kriegsereignissen und dem massiven Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft nur frivol wirken können. So ist einmal davon die Rede, dass seine Lebensgefährtin Luiselotte Enderle nicht mehr bei

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