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Das Brombeerzimmer von Töpfer, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)

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Das Brombeerzimmer

Nora liebt das Zubereiten von Marmelade - am liebsten für ihren Ehemann Julian. Die beiden sind frisch verheiratet und noch so verliebt wie am ersten Tag. Doch dann erleidet Julian einen Herzinfarkt und stirbt. Noras Welt zerbricht. Eines Tages findet sie einen Brief: Er ist von Julians Großtante Klara. Kurz vor seinem Tod hatte Julian Kontakt zu ihr aufgenommen, um sie nach einem alten Familienrezept für Brombeerkonfitüre zu fragen. Er wollte seine Frau damit überraschen. Nora macht sich auf die Suche nach der Dame, die zurückgezogen in der Vorpommerschen Boddenlandschaft lebt. Sie findet einen verborgenen Marmeladenkeller voller Geheimnisse aus der Kriegszeit, und sie erfährt, wer Klara wirklich ist ... Anne Töpfer ist das Pseudonym der Autorin Andrea Russo. Sie hat vor einigen Jahren ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben, um sich ganz auf ihre Bücher konzentrieren zu können. Wenn Andrea Russo mal nicht schreibt, findet man sie in der Küche, wo sie gerne nach traditionellen Rezepten kocht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 10.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843714204
    Verlag: Ullstein
    Größe: 1398 kBytes
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Das Brombeerzimmer

2. Kapitel

W ir arbeiten gerade an einer neuen veganen Menüproduktserie", erzähle ich und schiebe mir etwas lauwarmes Ciabatta in den Mund.

Meine Mutter zieht eine Augenbraue nach oben. Dann zuckt sie mit den Schultern. "Na ja, vielleicht gar keine schlechte Idee. Eingefrorenes Fleisch schmeckt fürchterlich. Bei Gemüse sieht das anders aus. Ich habe immer einen Vorrat an Erbsen, grünen Bohnen und Blattspinat im Gefrierschrank, frisch eingefrostet kann man sie noch sehr gut verwenden."

"Das stimmt. Außerdem bleiben die Vitamine zum Großteil erhalten. Aber wir testen gerade einige Rezepte mit Seitan aus. Das schmeckt gar nicht schlecht."

"Was? Noch nie gehört."

"Das ist ein Produkt aus Weizeneiweiß mit fleischähnlicher Konsistenz", erkläre ich meiner Mutter. "Es wird aus Mehl gewonnen, das mit Wasser vermischt wird, damit die Stärke ausgespült wird. Bei Veganern und Vegetariern ist es sehr beliebt. Man kann Geschnetzeltes daraus machen, Gulasch, alles, was das Herz begehrt."

"Klingt nicht gerade appetitlich", sagt meine Mutter. Sie sticht demonstrativ mit der Gabel in eine Scheibe Schinken und lässt sie auf eine Schnitte Brot gleiten. "Und schmeckt bestimmt nicht so gut wie das hier, oder, Katharina?"

Meine Freundin lächelt. "Ich mag Seitan ehrlich gesagt auch nicht, aber manche schwören darauf. Der Parmaschinken ist allerdings wirklich lecker. Mild, aber trotzdem würzig."

Meine Mutter sieht mich unschuldig an. "Probier doch mal, Nora."

Ihr zuliebe greife ich zu. Außerdem häufe ich noch ein paar Oliven und etwas Käse auf meinen Teller. Ich möchte nicht, dass sie sich noch mehr Sorgen macht. Es stimmt zwar, dass ich innerhalb des letzten Jahres zwölf Kilo abgenommen habe, aber zu dünn bin ich deswegen nicht. Als ich Julian damals kennengelernt habe, wog ich ungefähr genauso viel. Aber das behalte ich lieber für mich. Übers Essen zu reden ist mir nur recht. Das Thema ist unverfänglich und lenkt mich ab. Traurig sein und bemitleiden kann ich mich später, wenn die beiden weg sind.

"Du arbeitest viel zu viel", sagt meine Mutter prompt und macht damit meinen Plan zunichte. "Ich versteh ja, dass du dich damit ablenkst. Und ich weiß, dass dir dein Beruf viel bedeutet ..."

Ich arbeite als Produktentwicklerin für Fertiggerichte. Der Job macht mir Spaß, ich habe nette Kollegen. Es stimmt. Meine Arbeit lenkt mich ab. Wenn ich könnte, würde ich vierundzwanzig Stunden am Tag in der Versuchsküche stehen.

"... aber du musst auch mal wieder zur Ruhe kommen, Nora. Julian ist jetzt ein Jahr tot, und da wird es langsam Zeit, nach vorne zu schauen."

Da ist es wieder, das böse Wort - tot -, gefolgt von der Floskel, die ich jetzt schon so oft gehört habe: nach vorne schauen ... Ich weiß, dass meine Mutter auch damit recht hat. Das Leben geht weiter, auch ohne Julian. Und schon andere haben ihre große Liebe verloren und sind doch wieder glücklich geworden - irgendwann. Aber momentan steht mir absolut nicht der Sinn danach. "Mama, bitte, nicht ausgerechnet jetzt." Meine Stimme kippt.

"Ist gut, tut mir leid. Ich wollte nur ... Ach, heute ist aber auch wirklich nicht mein Tag." Meine Mutter schüttelt den Kopf. "Mein Feingefühl ist anscheinend in dem ganzen Bauschutt verlorengegangen."

"Was macht denn der Umbau, Hanne, kommt ihr gut voran?", fragt Katharina, und ich lächele sie dankbar an.

Meine Mutter seufzt theatralisch auf. "Hör bloß auf, es ist Chaos pur! Wir hatten ja einen Durchbruch zwischen Küche und Wohnzimmer geplant. Aber da es eine tragende Wand ist, muss dafür ein Stahlträger eingebaut werden. Stell dir vor, die haben ihn zu kurz bestellt ..."

Meine Mutter hat vor zwei Jahren wieder geheiratet. Es hat fast 10 Jahre gedauert, bis sie wieder nach vorne schauen konnte und sich noch einmal verliebt hat. Mein Vater ist allerdings nicht gestor

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