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Das Buch des Kurfürsten Historischer Roman aus Heidelberg von Klaus, Marlene (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.09.2012
  • Verlag: Dryas Verlag
eBook (ePUB)
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Das Buch des Kurfürsten

Heidelberg, November 1595. Hedwig und Philipp Eichhorn leben mit ihrem Kind in der Residenzstadt. Sie arbeitet als Magd, er als Knecht in der kurfürstlichen Kanzlei. Ihr junges Glück wird brutal zerstört, als man Hedwig und das Kind entführt. Die Entführer erpressen Philipp, er soll ein Buch, das den Besitz der kurfürstlichen Gefolgsleute auflistet, aus der Kanzlei stehlen. Hedwig, die in einer Hütte außerhalb Heidelbergs festgehalten wird, fürchtet um ihr Leben und das ihrer Tochter. Aber auch Philipp ist in Gefahr. Immer enger zieht sich das Netz der Verschwörer um die Eheleute. Doch ihr Mut und ihre Liebe lässt sie nicht im Stich.

Marlene Klaus ist ausgebildete Buchhändlerin. Bevor sie sich als Autorin selbstständig machte, jobbte sie als Taxifahrerin, Kellnerin, Postbotin und Bibliothekarin. Ihr erster Roman, 'Beschützerin des Hauses', ist im Dryas Verlag erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 440
    Erscheinungsdatum: 11.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783941408364
    Verlag: Dryas Verlag
    Größe: 1408 kBytes
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Das Buch des Kurfürsten

Eins

Der Schnee kam früh in diesem Jahr.

Hedwig erlaubte sich, einen Augenblick innezuhalten und sah aus dem Fenster. Es schneite große Flocken. Zielsicher strömten sie zu Boden, stetig und eilig wie die Vorüberhastenden unten auf der dämmrigen Hauptstraße. Ein weißer Flaum legte sich auf Baretts und Schauben, auf Simse und Dächer Heidelbergs.

Wie sie es liebte, so weit über allem zu stehen und hinunterzuschauen. Dabei befand sie sich erst im zweiten Obergeschoss des großen Hauses. Drei Stockwerke gab es noch über diesem. Gleichwohl, sie sollte mit ihrer Arbeit fortfahren. Sie warf einen letzten Blick hinunter, sah vereinzelt Laternenlichter huschen, da zuckte sie jäh zusammen und trat einen Schritt vom Fenster zurück.

Da war er wieder! Nicht mehr als ein Schemen im treibenden Schnee. Oder täuschte sie sich? Nein, drüben harrte er reglos in einer Mauernische der Heiliggeistkirche. Eingehüllt in einen dunklen Umhang, die schneebedeckte Kapuze tief ins Gesicht gezogen, nicht anders als die meisten Menschen in dieser Jahreszeit, dennoch auf besondere Weise eigentümlich, ohne dass sie hätte sagen können, woran das lag. Sie meinte, ihn schon öfter gesehen zu haben, und er war ihr unheimlich. Er war wie unsichtbar und doch da.

Was wollte er? Spähte er das Haus ihrer Herrschaft aus? Hedwig sah sich in dem großen Wohnraum um. Alles hier war so wunderbar gestaltet und kostbar. Wollte er die Beliers ausrauben? Sollte sie Herrn Belier ihre Beobachtung mitteilen? Sie schaute noch einmal hinunter – er war weg! Vielleicht hatte er auf jemanden gewartet? Ach, sicher täuschte sie sich. Heidelberg quoll ja über von Menschen aller Art. Sie durfte nicht so misstrauisch sein. Zudem war das Haus ihrer Herrschaft stattlich und sicher. Sämtliche Türeinfassungen waren nicht nur aus Stein, sondern auch mit rankendem Grün ummalt. Im gesamten Haus roch es auch drei Jahre nach dem Neubau noch immer nach frischem Holz, Stein und Farbe. Es war prachtvoll! Abermals spürte sie Stolz. Sie hätte Philipp wieder und wieder dafür küssen mögen, dass er ihr diese Anstellung verschafft hatte. Bereits vor einem Jahr hatte er beim Tuchhändler Belier vorgesprochen und um eine Stellung für sein zukünftiges Weib gebeten. Mit einem Empfehlungsschreiben seiner kurfürstlichen Gnaden, denn es war unüblich für eine verheiratete Hausfrau, als Magd zu arbeiten. Kurz vor ihrer Hochzeit im vergangenen Februar war sie dann mit ihrem Vater hier gewesen, um die Anstellung fest zu verabreden. Denn da hatte auch er längst begriffen, dass nichts sie und Philipp davon abbringen würde, sich an ihrem sechzehnten Geburtstag zu vermählen. Sie hatten Ziele. Ebenso sehr wie Philipp sich gewünscht hatte, Knecht in der kurfürstlichen Kanzlei zu sein, war es ihr Wunsch gewesen, in einem guten Haus in Heidelberg Arbeit zu finden. Sie würden ihr Leben gemeinsam aufbauen. Eines Tages ein Gärtchen besitzen, Ziegen, Gänse. Da musste man gut zusammen wirtschaften. Dafür hatte sie ihre anfängliche Unsicherheit wegen ihrer Herrschaft in Kauf genommen. Beliers waren Wallonen. Inzwischen wusste sie: Sie hätte es nicht besser treffen können. Fremde hin oder her, Beliers waren nicht nur wohlhabend, sondern auch wohlwollend und großmütig. Als sie vor vier Monaten mit ihrer Tochter Juli niedergekommen war, durfte sie nicht nur die üblichen sechs Wochen zu Hause bleiben, sondern sieben. Und ihre Herrschaft hatte nichts dagegen gehabt, dass sie ihr Töchterchen mit hierher brachte, solange sie in der Küche unter der Aufsicht der Köchin schlief und Hedwig nicht an ihrer Pflichterfüllung hindert

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