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Das Café der kleinen Geheimnisse Roman von Fouchet, Lorraine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Café der kleinen Geheimnisse

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Jenny ihre drei besten Freundinnen aus der Schulzeit in Paris zum letzten Mal gesehen hat. Nun hat sie die Freundinnen zu einem Treffen in ihr damaliges Lieblingscafé eingeladen. Denn Jenny will endlich ihr wohlgehütetes Geheimnis preisgeben, das folgenreich für ihrer aller Leben war. Ob sich das kleine Café Trèfle seinen Zauber als magischer Ort bewahrt hat, an dem Freundschaften fürs Leben besiegelt werden und die schönsten Träume in Erfüllung gehen?

Lorraine Fouchet, geboren 1956, arbeitete als Ärztin, ehe sie sich ihren Lebenstraum erfüllte und sich ganz dem Schreiben widmete. Sie ist Autorin zahlreicher Romane und lebt abwechselnd in der Nähe von Paris und auf der kleinen Insel Groix in der Bretagne, die als atmosphärische Schauplätze fast alle ihre Werke beleben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 30.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732544851
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Nous n'avons pas changé
    Größe: 785 kBytes
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Das Café der kleinen Geheimnisse

12

Sainte-Agathe glich einer englischen Schule: Es war ein lang gestrecktes Gebäude inmitten eines Gartens mit Schatten spendenden Bäumen. Um das Gelände herum zog sich ein Zaun mit einem durch einen elektronischen Code gesicherten Tor.

Anläßlich des feierlichen Treffens heute Abend stand das Tor weit offen. Etwas verlegen betraten die Schülerinnen des Jahrgangs 1985 die Eingangshalle. Die Räumlichkeiten erschienen ihnen kleiner, als sie sie in Erinnerung hatten, denn sie vergaßen, dass sie seitdem erwachsen geworden waren. Eine Schülerin der jetzigen Abschlussklasse stand an der Tür und nahm sie in Empfang. Insgeheim hoffte sie, dass sie in zwanzig Jahren nicht ähnlich alt aussehen würde. Sie hakte die Namen auf der Liste ab. Alles war vertreten: Mädchennamen, Namen von Verheirateten, Geschiedenen, Wiederverheirateten. Sie musste durchstreichen, korrigieren, neu schreiben, während die Wartenden ungeduldig von einem Fuß auf den anderen traten. Sie reichte den Ankömmlingen ein Namensschild, das auch ihre ehemalige Klasse verriet - naturwissenschaftliche, literarische oder wirtschaftliche Ausrichtung -, und bat sie, es auf ihre Jacken zu kleben. So könnten sie, falls sie einander nicht erkennen sollten, ihrem Gedächtnis etwas auf die Sprünge helfen.

Auf diese Weise kenntlich gemacht gingen die Ehemaligen durch den Kreuzgang, überquerten das inzwischen mit modernen Anlagen ausgestattete Sportgelände und den Schulhof, bevor sie die Treppen zum neuen Speisesaal der Oberstufenschülerinnen hinabstiegen. Am Fuße der Treppen wartete eine fröhliche und heitere Isabelle Bedier auf sie. Sie hatte immer noch das gleiche sympathische Gesicht, die gleiche rundliche Figur und das gleiche einnehmende Wesen, als hielten die Jahre mit den Abschlussklassen sie in einer Zeitschleife fest. Sie trug eine geblümte Bluse, einen knielangen dunklen Rock und bequeme flache Mokassins. Ihre braunen Haare trug sie kurz geschnitten, ihr Gesicht war ungeschminkt, wirkte aber dennoch frisch und gepflegt. 1985 war sie noch nicht einmal dreißig Jahre alt gewesen, aber für ihre beinahe fünfzig Jahre hatte sie sich ausnehmend gut gehalten. Ihre Ehemaligen waren siebenunddreißig, achtunddreißig oder neununddreißig Jahre alt, und es war alles vertreten: sexy Aufgetakelte, vornehme Familienmütter, edle Schickeria und moderne Gutbürgerliche. Leder, Leinen, Baumwolle, Tweed, Seide, einfarbige, getupfte, gestreifte oder geblümte Kleidungsstücke, hohe Absätze, flache Absätze, spitz zulaufende Schuhmodelle und runde Mokassinformen, moderne, nostalgische und zeitlose Stilrichtungen ...

Zuerst kamen nur die Beine in Isabelles Blickfeld, erst nach der Windung der Treppe tauchten die Gesichter auf. Sie hatte nur eine Sekunde, um die Identität der zu diesen oder jenen Füßen, Knöcheln oder Knien gehörenden Person zu erraten. Langer Rock oder knackiger Mini, fließende Hose oder hautenge Jeans - die Ehemaligen hatten ihren Stil und ihr Aussehen verändert, aber ihre Seele war die gleiche geblieben. Früher trugen sie alle die gleiche brave marineblaue Schuluniform, heute waren sie bunt, als hätte man einen alten Film von Jacques Tati in Farbe getaucht.

»Mademoiselle Bedier, Sie haben sich gar nicht verändert!«, schallte es ihr verblüfft entgegen.

»Du aber umso mehr, verflucht noch mal!«, entfuhr es der Lehrerin.

Eine der Ehemaligen sah aus wie ein junges Mädchen, war aber mit neun Kindern und fünf Enkelkindern gesegnet. Eine andere war bereits Witwe. Diejenige, die ihr Abitur schon ziemlich schwanger abgelegt und als allgemeiner Schandfleck gegolten hatte, hatte ein stabiles und glückliches Familienleben aufgebaut. Eine besonders hübsche Frau war zwanzig Jahre lang Karmeliterin in Übersee gewesen, bevor sie den Schleier abgelegt hatte. Wieder eine andere hatte sechs Kinder von vier verschiedenen Männern.

Eine ganze Gruppe polterte lachend die Stufen herunter. Eine Einsame

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