text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Café in Roscarbury Hall Roman von O'Loughlin, Ann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Café in Roscarbury Hall

Die Schwestern Ella und Roberta O'Callaghan wohnen bereits ihr ganzes Leben in dem irischen Herrenhaus Roscarbury Hall. Allerdings haben die zwei alten Damen seit einem Streit vor vielen Jahren kein Wort mehr gewechselt und kommunizieren nur mit Hilfe kleiner Zettel miteinander. So erfährt Roberta auch von Ellas Plan, im Ballsaal ihres maroden Anwesens ein Café zu eröffnen. Denn ohne Einnahmequelle droht die Bank, den beiden ihr Zuhause wegzunehmen. Als Aushilfe engagiert Ella die junge Debbie, eine Amerikanerin, die in Irland nach Spuren ihrer leiblichen Mutter sucht und dabei auf ein dunkles Kapitel irischer Geschichte stößt. Auch Ella und Roberta müssen sich ihrer Vergangenheit stellen - und vielleicht verbindet sie ja mehr mit Debbie als eine reine Zufallsbekanntschaft ...

Ann O'Loughlin hat fast dreißig Jahre als Journalistin gearbeitet, unter anderem für den Irish Independent, den Evening Herald und den Irish Examiner. Sie hat einige Zeit in Indien gelebt, stammt aber aus dem Westen Irlands und wohnt heute mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern an der Ostküste der Insel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 19.12.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641187194
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Ballroom Café
    Größe: 1056kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Café in Roscarbury Hall

- 1 -

Rathsorney, County Wicklow, März 2008

"Ihnen bleiben noch vier Wochen, Miss O'Callaghan. So, wie die Dinge nun liegen, wollen die Chefs in Dublin sehen, dass Sie sich bemühen, den Kredit zurückzuzahlen. Andernfalls müssen wir Maßnahmen ergreifen, um unser Geld zurückzubekommen."

Bankdirektor Peter O'Doherty lehnte sich auf seinem Drehstuhl zurück. Ella O'Callaghan hob den Kopf gerade weit genug, um ihm direkt in die Augen schauen zu können, und sprach langsam und bestimmt.

"Was schlagen Sie vor, Mr O'Doherty: dass ich mich prostituiere?"

"Miss O'Callaghan, es gibt keinen Grund, sich so aufzuführen."

"Es gibt keinen Grund, mir anzudrohen, mich aus meinem Haus zu drängen. Das werde ich nicht zulassen. Roscarbury Hall ist mein Leben. Ich werde es mir von Ihnen nicht wegnehmen lassen."

"Vielleicht gibt es etwas, das Sie verkaufen können, um Geld aufzutreiben?"

"So etwas wie meine umfangreiche Juwelensammlung, meinen Sie wohl."

Peter O'Doherty, der ungeduldig mit seinem Schlüsselbund gespielt hatte, sprang auf. "Gehen Sie nach Hause, denken Sie darüber nach. Und kommen Sie nächste Woche mit irgendeinem Plan zur Rückzahlung wieder."

Er streckte Ella die Hand hin, aber sie ignorierte es. "In meinem gesamten gottesfürchtigen Leben habe ich mich nie so gedemütigt gefühlt. Eher sterbe ich, als aus Roscarbury Hall auszuziehen."

Falls O'Doherty vorgehabt hatte zu antworten, ließ sie ihm keine Gelegenheit dazu. Sie stürmte aus seinem Büro und knallte die Tür hinter sich zu. Was wusste er schon von Roscarbury Hall? Er hatte keine Ahnung davon, wie das alte Haus ihnen in schlechten Zeiten Zuflucht bot, dass es der einzige Ort war, an dem sie sich sicher fühlte. Im Winter war es in den Wohnräumen so kalt, dass man seinen Atem sehen konnte, die Treppe zum Dachboden knarrte schrecklich, und der Wind rüttelte ständig an den Fensterläden. Die Landschaft in Richtung See war hügelig, weshalb es für den Bauern Sheehy unmöglich war, richtig mit seiner Mähmaschine darüberzufahren. Die Bächlein, die sich überall durch die Wiesen schlängelten, verschlammten jedes Jahr, wenn im Frühling die Kirschblüten hineingeweht wurden und im Herbst das Laub der alten Eichen und Kastanienbäume.

Roscarbury lebte für träge Sommertage, wenn die warme Luft im Haus hing und man vor der offenen Hintertür die Hühner verjagen musste. Dann wurde Ella jeden Morgen von Staren geweckt, die sich zwitschernd auf der schiefen Fernsehantenne am vorderen Schornstein versammelten. Die Krähen und Tauben in den Tannen verschmutzten immer die Steinplatten rund um den Springbrunnen, und sie musste sie einmal im Monat abschrubben. Der verwilderte Garten lieferte während der Sommermonate Obst für jede Menge Torten, und in Hitzeperioden gab es saftige Birnen. Ella würde Roscarbury niemals verlassen können: Der Hauch der Vergangenheit, der über dem alten Haus lag, beruhigte sie.

Peter O'Doherty wäre das alles egal, wenn sie es ihm erzählte. Für ihn waren Ella O'Callaghan und ihr baufälliges Haus nur ein kleines, unbedeutendes Ärgernis an einem arbeitsreichen Tag.

Roberta O'Callaghan nippte an einem trockenen Sherry und sah aus dem Fenster, als sie Ella auf das Haus zukommen sah. Dass ihre Schwester aufgewühlt war, erkannte sie schon an ihrem Gang. Ellas Schritte waren ein kleines bisschen länger als sonst, schwerer und entschlossener. Außerdem hielt sie sich nicht damit auf, am Springbrunnen zu verweilen, wie sie es normalerweise tat, um sich an bessere Zeiten zu erinnern, als hier noch Wasser gesprudelt hatte und weiter in die Bächlein im Garten geströmt war.

Die Hintertür wurde eilig aufgestoßen, man hörte Geschirr klappern und das Rauschen von Leitungswasser, das in den Teekessel gefüllt wurde. All das wies auf Ellas große Unruhe hin. Roberta schob den Flachmann mit Sherry in ihre dunkelbraune Lederhandtasche und ließ den Verschluss zuschnappen. Mit einem t

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen