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Das Erbe der Tuchvilla Roman von Jacobs, Anne (eBook)

  • Verlag: Blanvalet
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Das Erbe der Tuchvilla

Das Schicksal einer Familie in einer bewegten Zeit. Und eine Liebe, die alles überwindet. Augsburg, 1920. In der Tuchvilla blickt man voller Optimismus in die Zukunft. Paul Melzer ist aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück und übernimmt die Leitung der Tuchfabrik, um der Firma wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Seine Schwester Elisabeth zieht mit einer neuen Liebe wieder im Herrenhaus der Familie ein. Und Pauls junge Frau Marie will sich einen lang gehegten Traum erfüllen: ihr eigenes Modeatelier. Ihre Modelle haben großen Erfolg, doch es kommt immer wieder zu Streitigkeiten mit Paul - bis Marie schließlich die Tuchvilla mit den Kindern verlässt ... SPIEGEL-Bestsellerautorin Anne Jacobs bei Blanvalet: Die Tuchvilla-Saga: 1. Die Tuchvilla 2. Die Töchter der Tuchvilla 3. Das Erbe der Tuchvilla 4. Rückkehr in die Tuchvilla Die Gutshaus-Saga: 1. Das Gutshaus. Glanzvolle Zeiten 2. Das Gutshaus. Stürmische Zeiten 3. Das Gutshaus. Zeit des Aufbruchs Anne Jacobs veröffentlichte unter anderem Namen bereits historische Romane und exotische Sagas. Mit "Die Tuchvilla" gestaltete sie ein Familienschicksal vor dem Hintergrund der jüngeren deutschen Geschichte und stürmte damit die Bestsellerliste. Nach ihrer ebenfalls sehr erfolgreichen Trilogie um "Das Gutshaus", die von einem alten herrschaftlichen Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern und vom Schicksal seiner Bewohner in bewegten Zeiten erzählt, legt Anne Jacobs nun den von den Leserinnen langersehnten vierten Band der "Tuchvilla"-Saga vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 672
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641183264
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 1869 kBytes
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Das Erbe der Tuchvilla

1

S eptember 1923

Leo hatte es eilig. Auf der Treppe drängte er die Erstklässler zur Seite und schob sich an einer Gruppe schwatzender Mädchen vorbei - dann musste er stehenbleiben, weil hinter ihm jemand seinen Tornister festhielt.

"Immer schön der Reihe nach", sagte Willi Abele hämisch. "Raffkes und Judenfreunde nach hinten."

Das ging gegen seinen Papa. Und auf Walter, seinen besten und einzigen Freund. Der war heute krank und konnte sich nicht verteidigen.

"Lass los, sonst setzt es was!", warnte er.

"Komm schon, Schlappohr ... Trau dich ..."

Leo versuchte sich zu befreien, aber der andere hielt eisern fest. Rechts und links brandete der Strom der Volksschüler an ihnen vorbei die Treppe hinunter auf den Schulhof und ergoss sich von dort in die Straße am Roten Torwall. Leo gelang es, seinen Widersacher mit sich bis in den Hof zu zerren, bevor ein Riemen des Tornisters riss. Er musste sich rasch umdrehen und zupacken, sonst würde sich Willi Schulranzen samt Büchern und Heften unter den Nagel reißen.

"Melzer - Stelzer - Hundekackewälzer ...", höhnte Willi und versuchte, die Schnalle an Leos Tornister zu öffnen.

Leo sah jetzt rot. Er kannte diesen Spruch, vor allem die Kinder aus den Arbeitervierteln riefen ihm gern solche Gemeinheiten hinterher. Weil er besser angezogen war und Julius ihn manchmal mit dem Automobil von der Schule abholte. Der Abele Willi war gut einen Kopf größer als Leo und zwei Jahre älter. Aber das zählte jetzt nicht. Ein fester Tritt gegen Willis Knie, Willi heulte auf und gab die Beute frei. Leo konnte seinen zurückeroberten Ranzen noch auf den Boden stellen, da hatte sich der ande re schon auf ihn gestürzt. Beide gingen zu Boden. Schläge prasselten auf Leo ein, sein Jackenstoff r iss, er hörte seinen Gegner keuchen und kämpfte verb issen gegen den Stärkeren an.

"Was ist hier los? Abele! Melzer! Auseinander!"

Es bewahrheitete sich der Spruch, dass die Ersten die Letzten sein werden, denn Willi, der als überlegener Kämpfer oben lag, bekam die strafende Hand von Lehrer Urban als Erster zu spüren. Leo hingegen wurde nur am Kragen gepackt und auf die Füße gestellt - seine blutende Nase bewahrte ihn vor der fälligen Maulschelle. Schweigend und mit verkniffenen Gesichtern hörten sich die beiden Knaben die Strafrede des Lehrers an, viel schlimmer war das hämische Grinsen und Flüstern der Mitschüler, die einen dichten Zuschauerkreis um die Streithähne gebildet hatten. Vor allem die Mädchen.

"Der hat's ihm feste gegeben ..."

"Wer die Kleinen haut, ist ein Feigling ..."

"Geschieht dem Leo recht - eingebildet ist der ..."

"Der Abele Willi ist doch ein Hundsfott ..."

Lehrer Urbans Predigt rauschte indessen ungehört an ihnen vorbei. Er sagte sowieso immer das Gleiche. Jetzt musste Leo sein Taschentuch herausnehmen und sich die Nase putzen, dabei stellte er fest, dass der Saum des Jackenärmels ein Stück herausgerissen war. Während er sich das Gesicht abwischte, erntete er mitleidige und bewundernde Mädchenblicke, was ihm ausgesprochen peinlich war. Willi hingegen behauptete, der Melzer würde sich "anstellen" und wurde dafür von Lehrer Urban mit einer zweiten Maulschelle bedacht. Gut so.

"Und jetzt reicht euch die Hände ..."

Sie kannten das Ritual, das nach jeder Prügelei fällig war und nicht das Mindeste bewirkte. Trotzdem nickten sie zu den Ermahnungen und versprachen, sich ab sofort zu vertragen. Das so arg gebeutelte deutsche Heimatland brauchte besonnene, fleißige junge Menschen und keine Raufbolde.

"Ab nach Hause!"

Das war die Erlösung. Leo hing sich den lädierten Tornister über die Schulter und wäre gern losgerannt, doch er durfte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, vor seinem Widersacher zu flüchten, daher ging er gemessenen Schrittes bis zum Schultor. Erst dann begann er zu laufen. In der Remboldstraße blieb e

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