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Das Flädle-Orakel Roman. von Nägele, Olaf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.09.2012
  • Verlag: Silberburg-Verlag
eBook (ePUB)
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Das Flädle-Orakel

Für den Hellseher ist die Welt lesbar wie ein aufgeschlagenes Buch: egal ob Glaskugel oder Tarotkarten. Warum also nicht auch ein Flädle? Das denkt sich Arndt Peterson, der eigentlich keinerlei übersinnliche Fähigkeiten besitzt, und nennt sich kurzerhand "Erasmus das Orakel", als er auf einem Mittelaltermarkt in Trollingen in diese Rolle stolpert. Diese Tarnung kommt gerade recht, denn er ist auf der Flucht vor dem Hamburger Unterweltboss Pjotr, gegen den er beim Pokerspiel 50 000 Euro verloren hat.
Doch in in der schwäbischen Kleinstadt nehmen es auch andere mit der Wahrheit nicht so genau. Gemeinsam mit der Journalistin Nicole kommt Arndt Peterson auf die Spur eines handfesten Skandals in den Kreisen des Gemeinderats. Ungewollt gerät er in einen Strudel der Ereignisse, der den Markt, Nicole und ihn selbst in Gefahr bringt. Und auch Pjotr hat sich bereits wieder an seine Fersen geheftet ...
Olaf Nägele spielt elegant mit den Genres des Schelmen- und Entwicklungsromans und mit "Flädle Orakel" legt er einen Roman vor, dessen raffinierte Erzählstruktur den Leser bis zur letzten Seite amüsiert. Am Ende steht ein geläuterter Held, der seiner "Wahrheit" ein Stücken näher gekommen ist.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 07.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842515260
    Verlag: Silberburg-Verlag
    Größe: 1697kBytes
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Das Flädle-Orakel

Spacken

So hat mich mein Vater genannt, als ich noch ganz klein war. Er sah mich dann immer an, als käme ich aus einer anderen Welt, nur weil ich mir beispielsweise den Löffel mit Brei nicht in den Mund, sondern ihm aufs Batikhemd befördert hatte. Oder weil ich vom Kinderspielplatz nicht mit blütenweißem T-Shirt zurückkam, sondern in einer Rundum-Sandpanade.

"Mannmannmann, Arndt, was bissu bloß für ein Spacken", sagte er dann. Er rollte mit seinen verwässerten Äuglein, atmete hörbar ein und aus, drehte sich einen Joint und begann mit der jeweiligen Reinigungsprozedur. Mal säuberte er sich, mal mich.

Dabei war er eigentlich der Spacken von uns beiden. Ein Spinner, ein Träumer, einer, der den Schuss nicht gehört hat. Ein ewig Pubertierender, der bis ins hohe Alter daran glaubte, dass er irgendwann als Rockmusiker entdeckt werden würde. Nicht, dass er besondere Fähigkeiten vorweisen konnte. Oder Ideen. Er war der Meinung, es genüge, in einer speckigen Lederhose und einer verwaschenen Jeansjacke auf der Straße herumzulungern und "The times they are a-changing" auf der Akustik-Gitarre herunterzustümpern. Für eine Handvoll Pfennige ließ er andere an seiner absoluten Talentlosigkeit teilhaben und kam sich dabei ziemlich großartig vor. Die Einzige, die ihn entdeckt hatte, war meine Mutter gewesen. Sie, eine 22-jährige Studentin der Neogräzistik/Byzantinistik, ein Studienfach, von dem ich heute noch nicht weiß, was genau dahintersteckt, lernte ihn, Altonas Antwort auf Keith Richards, in einer Kneipe auf St. Pauli kennen. Sie verliebte sich, Sex wird bestimmt auch dabei gewesen sein und schon war ich auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Meine Mutter schmiss ihr Studium, umschiffte auf diese Weise mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Langzeitarbeitslosigkeit, jobbte als Kellnerin weiter, mein Vater soff sich das Resthirn weg und träumte weiter von Touren im Vorprogramm der Rolling Stones. Weit gekommen ist er nicht: Er schaffte es mit einer drittklassigen Coverband auf das Stadtfest nach Elmshorn, das war aber auch schon alles. Und ich? Ich wuchs in verrauchten Kneipen auf, in deren Gardinen der Nikotingilb von Millionen Zigaretten wohnte, sah meiner Mutter dabei zu, wie sie die Tabletts mit Gläsern an den Grabschern und Popotätschlern vorbeibalancierte, oder hing zwischen den Verstärkern meines alten Herrn rum, hörte ihm dabei zu, wie er sich durch Jimi-Hendrix-Riffs quälte und immer wieder scheiterte. Ich bin sicher, dass er zeitlebens keinen Song seines Gitarren-Gottes richtig hinbekam. Kapitän Wurstfinger lässt grüßen.

Eine behütete Kindheit sieht wohl anders aus, aber die Nichterziehung meiner Erzeuger hatte auch etwas Gutes. Während meine Altersgenossen im Kindergarten alberne Figuren aus Kastanien oder Knetmasse bastelten, Papier mit unsäglichen Schmierereien verunstalteten, konnte ich bereits die Waschmaschine bedienen und stellte mich auch bei der Zubereitung einfacher Speisen nicht halb so blöd an wie mein Vater.

Mein Heringssalat galt als der beste auf dem Kiez, aber das nur nebenbei.

Selbst das Rechnen wurde mir schon früh beigebracht. Meine Lehrerinnen waren die Damen in der Herbertstraße, für die ich als Botenjunge arbeitete und mir das Taschengeld verdiente, das ich von meinen Eltern nicht bekam. Der Dreisatz d'amour lautete: Wenn eine Packung mit fünf Kondomen drei Mark kostet, dann kann mit dem Zwanzigerpack für fünf Mark irgendetwas nicht stimmen. Da konnte man mir nichts vormachen. Ebenso wenig wie im Biologieunterricht. Durch das Anschauungsmaterial "in echt&l

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