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Das Flüstern der Seelen Roman von Álvarez, Victoria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Flüstern der Seelen

EINE AUSSERGEWÖHNLICHE GABE, EINE REIHE UNGEKLÄRTER VERBRECHEN UND EINE LIEBE ZWISCHEN ZWEI WELTEN.

London 1888: Die kleine Annabel wächst auf dem Friedhof Highgate auf, schläft in einem Sarg und rechnet damit, dass ihr Herzleiden ihrem kurzen Leben bald ein Ende setzen wird. Vielleicht ist dieses Dasein zwischen Leben und Tod schuld daran, dass sie mit Geistern in Kontakt treten kann.

Zehn Jahre später ist Annabel zum gefragtesten Medium Englands geworden, selbst Königin Victoria hat ihre Dienste schon in Anspruch genommen. Doch ihre Gabe ist gefährlich: Annabel deckt dunkle Geheimnisse auf und wird von Scotland Yard verfolgt. Einzig der Geist von Lord Victor Rosenfield steht ihr bei...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 558
    Erscheinungsdatum: 13.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838745923
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Hojas de Dedalera
    Größe: 1471 kBytes
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Das Flüstern der Seelen

Kapitel 2

D er Tod war zu Rosalie Lovelace nicht gnädiger als das Leben. Gut möglich, dass jener Dämon, den alle Welt unter dem Namen Jack the Ripper kannte, niemanden mehr ermorden würde, aber das machte die sechs Frauen aus Whitechapel, auf die er sich mit seinen Messern gestürzt hatte, auch nicht wieder lebendig. Rosalie würde kein Grab in Highgate erhalten, so wie sie auch kein Haus in Covent Garden, Kensington, Berkeley Square oder Elystan Street gehabt hatte. Ein einsames Holzkreuz mit der Inschrift 15510 auf dem Friedhof von Plaistow würde der einzige Hinweis darauf sein, wo sie begraben lag. Und besuchen würden sie lediglich die Prostituierten aus den Vorstädten, ehemalige Weggefährtinnen, und ab und zu auch Heather, die Annabel aber nicht ein einziges Mal mitnahm. Das Mädchen war von der plötzlichen Erscheinung seiner toten Mutter so sehr geschockt, dass es sich kaum aus dem Haus traute.

Heather sorgte dafür, dass Doktor Toole ihnen vier Tage nach der Beerdigung einen Besuch abstattete. Annabel hatte sich nicht aus ihrem Sarg gerührt. Sie trug noch immer das Kleid aus grauem Stoff, das ihre Tante ihr genäht hatte, lag zusammengekauert da und starrte die Tierchen an, die sie auf ihre improvisierte Schlafstätte gezeichnet hatte. Jede einzelne Krähe betrachtete sie, die auf dem Samt des Sargs in V-Formation flogen, immer wieder, während Doktor Tooles Worte sich in den Windungen ihrer Gehörgänge verloren. Es schien ihr wesentlich einfacher, den Bildern, die sie im Laufe der vergangenen zwei Jahre mit Buntstiften gezeichnet hatte, bis ins Unendliche zu folgen, als ihm zuzuhören, wie er Auskunft über ihr Herz gab.

"Wenigstens hat man mir versichert, dass du das Digitalis nimmst", hörte sie Doktor Toole sagen, als spräche er von ganz weit weg, aus London, der Stadt, in deren Straßen sich Menschen mit Messern herumtrieben, um sich gegenseitig aufzuschlitzen. "Aber ich habe auch gehört, dass du jedes Mal einen Aufstand machst. Niemand hat je behauptet, dass Arzneien gut schmecken. Schließlich habe ich dir keine Süßigkeit verschrieben, sondern das einzige Heilmittel, das dich gesund erhält. Wenn ich mitkriege, dass du dich davor drückst, und sei es auch nur ein einzige Mal ..."

Die Vögel streckten ihre Flügel aus. Annabel hatte sie mit einer Art roter Stacheln versehen, die Federn darstellen sollten. Als sie mit der Fingerkuppe darüber strich, musste sie an eine Haarbürste denken.

"Ich sehe schon, du willst nicht mit mir reden." Als Doktor Toole sein Jackett auf das Podest legte, raschelte es an ihrem Ohr. "Wir sind heute Morgen wohl etwas launisch, was? Oder soll ich dich lieber allein lassen, damit du in Ruhe weinen kannst?"

Sie schwieg. Ein Flügel der Krähe, die den anderen vorausflog, war durch die Berührung ihrer Finger verwischt. Den muss ich noch mal zeichnen, dachte Annabel, schließlich ist das die Mutterkrähe. Wer soll den anderen sonst sagen, wohin sie fliegen müssen?

"Deine Tante Heather hat mir berichtet, dass du kaum einen Bissen anrührst."

Sie betrachtete weiterhin den Flügel. Essen war nicht wichtig. Sie hatte schon immer wenig gegessen.

"Ich hatte dich für klüger gehalten", versuchte Doktor Toole ihr zu schmeicheln. Annabel hatte große Lust, mit der Zunge zu schnalzen, denn sie war klug genug, um zu begreifen, worauf er hinauswollte. "Reifer. Wie gesagt, ich verstehe deinen Schmerz, ich verstehe, dass du um deine Mutter trauerst, und das sollst du auch. Aber wenn wir nicht auf dein Herz aufpassen ..."

"Ich trauere nicht", murmelte Annabel. "Oder sehen Sie, dass ich s

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