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Das Fregattschiff Johanna Maria von Schendel, Arthur van (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Das Fregattschiff Johanna Maria

Es war Liebe auf den ersten Blick, als Jacob Brouwer der Johanna Maria begegnete. Der Dreimaster - eines der letzten holländischen Vollschiffe - erinnerte den Amsterdamer Segelmacher an seine Schwester Johanna, das einzige lebende Wesen, von dem er als Kind Zuneigung erfahren hatte. Und so, wie er es der Mißhandelten und früh Verstorbenen nicht mehr entgelten konnte, richtete er seine ganze Zuwendung auf das Schiff, dem er zu geben versuchte, was er seiner Schwester zu geben nicht imstande war. Arthur van Schendels Roman ist fern verklärender Romantik ein überaus melancholischer Abgesang auf die große Zeit der Frachtensegler, die, vom Gewinnstreben geknechtet, dennoch mehr waren als nur ein aus Holz, Tuch, Teer und Tauen bestehendes Transportmittel. Arthur van Schendel, 1874 im heutigen Jakarta als Sohn eines Offiziers der Niederländisch-Indischen Armee geboren, absolvierte eine Ausbildung am Theater und als Lehrer, ehe er sich als Schriftsteller zunächst in den Niederlanden, später in Italien niederließ. Sein umfangreiches Werk umfaßt zahlreiche Romane, von denen diejenigen, die in Italien spielen in den Niederlanden, die hier spielen, in Italien verfaßt wurden. Het Fregatschip Johanna Maria (1930) wird zum Beginn einer neuen, holländischen Periode seines Werks gerechnet, welche den Naturalismus und Symbolismus der ersten, italienischen, Periode ablöst, worauf später noch eine 'phantastische' Periode folgt. Der Autor, der posthum den renommierten P.C. Hoofdprijs für Literatur bekam und 1938 für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde, starb 1946 in Amsterdam an den Folgen einer Gehirnblutung, die er während der Befreiung von Italien erlitten hatte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 148
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783749456451
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 137 kBytes
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Das Fregattschiff Johanna Maria

I

Das Dreimast-Vollschiff Johanna Maria wurde an einem Tag im Februar 1865 von der Werft auf Oostenburg in Amsterdam zu Wasser gelassen. Das Wetter war windstill und feucht, aber die Sonne schien weiß durch den Nebel, glänzend auf dem frischen Rot von Kiel und Flagge. Von einer Mädchenhand befreit, begann der Rumpf unter den Rufen der Männer langsam zu gleiten, dann stürzte er sich vorwärts und plumpste ungestüm ins aufspritzende Wasser, das über den Steven schlug, bis die Drähte, die ihn hielten, knackten und jammerten. Nun lag da ein Schiff, das sich auf der Kabbelung wiegte, wobei sich die Farben seiner Flagge im Naß spiegelten.

Einen Monat später, nachdem die Masten aufgestellt, die Innenarbeiten erledigt und eingehend begutachtet waren, wurde es zum Nieuwediep gezogen, um die Takelage zu vollenden. Dort kam am Kai auch eine Schute längsseits, mit Arbeitern, die die Galionsfigur brachten, eine vergoldete, die Hoffnung darstellende Frauenfigur, einen Anker in der linken Hand, die Rechte auf die Brust gedrückt. Vom Hals schlängelte sich ein ans Schegg direkt geschlagene Band, auf dem mit sieben Buchstaben zur einen und sieben zur anderen Seite die Devise stand: NILDESP-ERANDUM . Band und Lettern waren aus Kupfer, mochte die Vergoldung auch schwinden, der Sinnspruch würde fest am Fahrzeug bleiben.

Männer mit Kranzbärten standen morgens und mittags am Ufer, um zuzusehen. Manchmal zwinkerte einer, ehe er weiterging, bisweilen nahm einer die Pfeife aus dem Mund, um ein einziges Wort zu sagen. Ein Kopfnicken galt der Bewunderung, aber Keinen gab es, der nicht bedenklich die Augen zusammenkniff, wenn er die Höhe der Masten und Stengen maß. Die Johanna Maria , obschon stattlich gebaut, mit hochgewachsenem Bug, voll in den Spanten, trug in der Tat unter den Wimpeln ein kühnes Rigg. Als sie abgebaut lag und die Reeder, die Herren Ten Hope, sie mit dem Baumeister und dem Kapitän besichtigen kamen, meinten sie selbst, daß die obersten Stengen gekürzt werden sollten. Indes erzählte der Kapitän, der ein glücklicher Mann war, lachend von ebensolcher Takelage, mit der die Engländer Wunder an Geschwindigkeit schafften, und er verwettete seine Hand, daß er es ihnen gleichtun würde, wenn die Herren nur für die rechte Ladung sorgten. Nach diesem Wort besichtigten sie jedes Teil vorn und achtern, in Räumen, Kombüse und Back und dann, zurück in der Kajüte, zufrieden über die Gediegenheit und die Sorgfalt der Arbeit, stießen sie mit Rheinwein auf ihr Vertrauen in den Leitspruch ihres Eigentums an. Kapitän Jan führte von diesem Tag an den Befehl.

Unter der Geschäftigkeit der folgenden Tage litt die Neuheit des Decks; die Fässer Öl und Schmiere verursachten Flecken, die die Maserung des Holzes glänzen ließen; die Ketten und Blöcke schlugen im Fall Kerben; die schweren Kisten, Truhen, Fässer zogen breite Striemen; die Stiefel der Stauer brachten Dreck mit, der trotz Schrubben allmählich Farbe um die Luken hinterließ. Es war eine reiche Ladung, aber die Verschiedenartigkeit gefiel dem Kapitän nicht, sodaß er selbst in den Raum hinunterstieg, um darauf zu achten, ob die Partien ordentlich gestaut wurden. Zwar befand sich der Steuermann jetzt auch an Bord, dem er von der ersten Begegnung an vertraute, aber seine Eignung kannte er noch nicht, und er hatte noch immer selbst getan, was er keiner anderen Hand überlassen mochte.

Die Takelage schien, als das Schiff tiefer im Wasser lag, noch höher. Dennoch beobachteten Kapitän und Steuermann in einer scharfen Brise kaum ein Schwanken gegen die Sterne.

Die Reeder hatten gemustert, die Besatzung kam.

Für die meisten von ihnen würde das Fahrzeug nicht mehr als ein Aufenthaltsort sein, wo sie Arbeit und Kost und Unterkunft fanden, wie sie ihnen gegeben wurde, eine vorübergehende Abstellkammer, die sie für eine bessere oder schlechtere verlassen würden, ein jeder aus seinem eigenen Grund, fast alle aber aus Unste

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