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Das ganze Leben auf einmal Roman von Stuart, Keith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.08.2018
  • Verlag: Wunderraum
eBook (ePUB)
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Das ganze Leben auf einmal

Tom leitet ein Provinztheater im englischen Somerset und ist alleinerziehender Vater einer Tochter, Hannah. Zu deren Geburtstag inszeniert Tom jedes Jahr ein besonderes Stück Magie auf der Bühne, um Hannah und sich selbst den Glauben an Wunder zu erhalten. Denn Hannah hat eine unheilbare Herzschwäche, und kurz vor ihrem sechzehnten Geburtstag spürt sie, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt. Als auch noch das Theater geschlossen werden soll, kämpfen Tom und Hannah dafür, dass ihre Geschichten noch nicht zu Ende sind. Und vielleicht steckt in einem letzten Bühnenzauber eine letzte Chance ...

Keith Stuart ist Autor und Journalist. Sein Debütroman "Tage mit Sam" wurde in Großbritannien zum Bestseller und war von der Beziehung des Autors zu seinem autistischen Sohn inspiriert. Keith Stuart arbeitete unter anderem für den Guardian, bevor er sich ganz dem Verfassen von Romanen widmete. Er lebt mit seiner Familie in Somerset.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 27.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641213732
    Verlag: Wunderraum
    Originaltitel: Days of Wonder
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Das ganze Leben auf einmal

Hannah

Bloß nicht! Stirb bloß nicht auf der Bühne! Denk nicht mal daran! Das wäre echt das Allerletzte!

Mit diesem sagenhaft motivierenden Gedanken trete ich zum ersten Mal hinaus ins grelle Scheinwerferlicht des Theaters, jedenfalls zum ersten Mal richtig. Als Schauspielerin.

Natürlich bin ich vorher schon tausendmal hier gewesen. Mit einem Theaterdirektor zum Vater wächst man praktisch auf der Bühne auf - was unglaublich glamourös klingt, bis herauskommt, dass sich diese Bühne in einer Kleinstadt in Somerset befindet, und nicht, sagen wir, in New York. Mein Auftritt ist zugleich mein Debüt bei der Theatergruppe unserer kleinen Stadt, und nicht etwa der Royal Shakespeare Company. Und da wir gerade gnadenlos ehrlich sind, geben wir auch gleich zu, dass weder Hamlet noch Nora oder Ein Puppenheim noch irgendein anderes der Stücke aufgeführt wird, die ich für den Schauspielunterricht in der Schule hätte lesen sollen. Nein, unser Stück ist ein derber "Schwank" aus den Siebzigern, geschrieben von einem Typen, von dem ich vorher noch nie gehört hatte. Mein Dad nennt es "Bleib doch ein sexistisches Arschloch", aber das ist natürlich nicht der richtige Titel. So was kommt jedenfalls beim hiesigen Publikum gut an, deswegen müssen wir uns damit begnügen. Sally, die Intendantin der Theatergruppe, hat immerhin das Drehbuch etwas modernisiert - hauptsächlich, indem sie die rassistischen Witze gestrichen hat. Die sexistischen sind dringeblieben, denn offenbar sind sie so lange okay, wie wir sie ironisch darstellen. Ich habe eine Menge darüber gelernt, was Erwachsene akzeptabel finden, seitdem ich mich im vergangenen Jahr der Theatergruppe angeschlossen habe. Ich komme nicht viel raus, deswegen muss ich meine Lebenserfahrung da zusammenkratzen, wo mir das Leben begegnet.

Als mein Einsatz kommt, geht es auf der Bühne schon rund. Ein spießiges Wohnzimmer aus den siebziger Jahren mit limonengrünem Sofa, Flokati und Bambus-Wohnzimmertisch bildet die Kulisse. Ted ist brillant in seiner Hauptrolle als neurotischer, verwirrter Buchhalter, der kurz vor seiner Pensionierung steht und einem sterbenslangweiligen Lebensabend entgegenblickt. Sally hat die Rolle genial besetzt, denn im wahren Leben ist Ted ein neurotischer, verwirrter Buchhalter, der kurz vor seiner Pensionierung steht und einem sterbenslangweiligen Lebensabend entgegenblickt. Natasha spielt seine Ehefrau, obwohl sie mindestens zwanzig Jahre zu jung und tausendmal zu cool ist, um mit Ted verheiratet zu sein. Früher hat sie die PR für eine Kunstgalerie in London gemacht, aber sie und ihr Mann entschlossen sich, vor der Ankunft ihres zweiten Kindes den Karrierestress hinter sich zu lassen. Natasha hat mir gestanden, dass ihr das Leben in Somerset vorkommt wie eine Mischung aus Und täglich grüßt das Murmeltier und Beim Sterben ist jeder der Erste. Ich habe Beim Sterben ist jeder der Erste gegoogelt und glaube nicht, dass es ein Kompliment war. Dora, zuständig für die Requisite, hat Natashas graue Perücke in einem Kostümverleih gefunden, und Margaret - mit einundachtzig die Älteste in der Theatergruppe - behauptet, Natasha sähe damit aus wie eine französische Dirne. Margaret ist die ruppigste und zynischste Person, die mir je begegnet ist, und außerdem eine meiner besten Freundinnen. Habe ich erwähnt, dass ich nicht oft rauskomme? Jedenfalls musste ich "Dirne" googeln, und jetzt ist es mein Lieblingswort.

Folgende Szene erwartet mich: ein neurotisches Mittelschichtspaar im Großbritannien der siebziger Jahre bereitet eine Dinnerparty für die neuen Nachbarn vor, die sehr vornehm und angesehen zu sein scheinen. Doch dann kommt die halbwüchsige Tochter der Gastgeber sturzbetrunken von einer Party nach Hause, und sie müssen sie im Schrank unter der Treppe verstecken. Ich trage ein knallbuntes Blumenkleid ganz aus Polyester und statisch aufgeladen, und während ich versuche, den Rock zu

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