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Das Gedächtnis der Haut von Grossman, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2016
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
12,99 €
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Das Gedächtnis der Haut

David Grossman erzählt von der Liebe, von Schauls Eifersucht über den Geliebten seiner Frau Elisheva und von der Schriftstellerin Rotem, die ihrer Mutter Liebesentzug vorwirft. Dabei erfahren wir immer wieder von Augenblicken größter Nähe und tiefster Einsamkeit der Protagonisten: Geschichten voller geheimer Träume und Obsessionen. David Grossman wurde 1954 in Jerusalem geboren und gehört zu den bedeutendsten Schriftstellern der israelischen Gegenwartsliteratur. 2008 erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis, 2010 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 2017 den internationalen Man-Booker-Preis für seinen Roman Kommt ein Pferd in die Bar. Bei Hanser erschienen zuletzt Diesen Krieg kann keiner gewinnen (2003), Das Gedächtnis der Haut (2004), Die Kraft zur Korrektur (2008), Eine Frau flieht vor einer Nachricht (Roman, 2009), Die Umarmung (2012), Aus der Zeit fallen (2013), Kommt ein Pferd in die Bar (Roman, 2016), Die Sonnenprinzessin (2016) und Eine Taube erschießen (Reden und Essays, 2018).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 12.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446255180
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: Baguf ani mevina
    Größe: 1909 kBytes
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Das Gedächtnis der Haut

Schaul sieht die Szene vor sich: Sie bückt sich, um eine Schallplatte zu suchen. Paul richtet sich im Bett auf und sieht ihr zu. Noch ist sie ahnungslos, doch schon bald wird sie ihr blaues Wunder erleben.

Schaul schweigt lange, und seine Wimpern zittern vor unkontrollierbarem Schmerz -

Er taucht in der Blase des Schmerzes ins Bodenlose ab, schwebt einsam in der leeren Tiefe, ohne daß ein Zerschmettern auf der Erde zur Entspannung führt -

Und er würde am liebsten aus dem Bett steigen und zu ihr gehen - Schaul sieht es, und sein Blut schreit wie das Blut des Mannes, aufstehen soll er und hingehen soll er und von hinten soll er sie fest packen und sich an sie pressen und ihr die Beine spreizen und sie berühren und sie benetzen und mit ungeheurer Kraft in sie eindringen -, und eine ganze Weile bringt er es fertig, nicht auf sie zuzugehen, sie nicht fest zu packen, wie schafft er das, was für eine erstaunliche Beherrschung und Willenskraft er hat, und Elischeva fühlt, ohne hinzusehen, sein Glühen, den gewaltigen Brandherd, der sich lila verfärbt und schwillt, und auch Esti spürt ihn, selbst sie, die in wohligen Gedanken schwelgt und sich seit Jahren nicht gestattet hat, so weit zu gehen, und die gerade darüber nachdenkt, wie früher alles symbolischen Charakter hatte, wie alles und jedes ein privater, geheimer Fingerzeig war, bunte Plastiktüten, die sich in die Lüfte erhoben, in den Ästen des Baumes vor ihrem Haus verfingen, wo sie sich nachts mit Regen füllten und aussahen wie große hängende Tropfen; und eine kleine Meldung in den Nachrichten über zwei Tropfsteine in der Absalomhöhle, die jahrtausendelang aufeinander zugetropft waren und sich endlich vereint hatten, die Welt war äußerst geschwätzig; und Elischeva unterbricht das Suchen in der Schallplattensammlung und wirft ihm aus den Augenwinkeln einen verstohlenen, glänzenden, seligen Blick zu, und der Funke ihrer Erregung trifft auf den Funken seiner Erregung -

Aber nein, nein, lacht sie, kämpft mit ihm, ich wollte doch tanzen -

Warte einen Augenblick, bittet Schaul Esti mit belegter Stimme, noch einen Moment.

Und er zieht sich die dünne Decke aus dem Kofferraum über, wendet sein Gesicht der Rückenlehne zu, schließt die Augen und kehrt zurück zu jener Stelle, und sobald er diese Stelle erreicht hat, spürt sie, wie seine Körpertemperatur steigt, und fragt sich, was geht dort mit ihm vor, wie weit will er es denn noch treiben, und vielleicht war es besser, wenn sie nicht bis ins letzte verstand, wobei sie heute Nacht kooperierte; was Elischeva wohl von ihr halten und was sie selbst morgen über sich denken würde. Nur diese eine Nacht, bettelt sie und weiß, daß sie bereit wäre, ihn bis in alle Ewigkeit zu chauffieren, solange er ihr von dieser Hitze abgab ...

Und er versucht sich aufzurichten, und sein Kopf sinkt herab, und er scheint keinen eigenen Willen mehr zu besitzen, und das bedeutet, daß ihm mit der Stimme auch der Wille aberkannt wurde. Anscheinend ist dies Teil des Prozedere. Und somit ist alles in bester Ordnung, alles verläuft nach Plan, und wenn das so ist, muß er sich auf die gedankliche Ebene beschränken. Er fragt sich nur, wie sie sich das vorstellen, wie soll er sie gedanklich beschreiben. In welcher Form überhaupt, das heißt, welche Informationen brauchen sie eigentlich für ihre Suchaktion, und augenblicklich fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, und er weiß auf einmal, was sie von ihm wollen, er nimmt den starken Strom ihres Willens auf, sie wollen sie unbekleidet, na klar, du Idiot, pudelnackt wollen sie sie, und er weigert sich, und mit den Resten an Kraft und Selbstachtung, die ihm noch geblieben sind, versucht er sich zu wehren, und je mehr er sich widersetzt, desto stärker wird ihr Druck, und um ihn herum wird gekeucht und heiser und zornig geschnaubt, sie haben bemerkt, daß er sich zu drücken versucht, und er bettelt, wozu denn, was hat eure Suchaktion mit ih

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