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Das geheime Spiel Roman von Morton, Kate (eBook)

  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Das geheime Spiel

Zwei Schwestern, ein geheimes Spiel und eine verbotene Liebe
Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren - vergeblich ...
Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt.

KATE MORTON, geboren 1976, wuchs im australischen Queensland auf, studierte Theaterwissenschaften in London und Englische Literatur in Brisbane. Ihre Romane "Das geheime Spiel" (2007), "Der verborgene Garten" (2009), "Die fernen Stunden" (2010) und "Die verlorenen Spuren" (2013) verkauften sich weltweit in 32 Sprachen und 38 Ländern insgesamt über sieben Millionen Mal. Auch in Deutschland eroberte sie ein Millionenpublikum, alle Romane sind SPIEGEL-Bestseller. Kate Morton lebt mit ihrer Familie in Brisbane, Australien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 688
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641016302
    Verlag: Diana Verlag
    Originaltitel: The Shifting Fog
    Größe: 1712kBytes
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Das geheime Spiel

Der Salon

M eine Haare, die früher einmal hellblond waren, sind jetzt schneeweiß und sehr, sehr lang. Und sie scheinen von Tag zu Tag feiner zu werden. Sie sind mein ganzer Stolz - und es gibt weiß Gott nicht mehr viel, worauf ich stolz sein kann. Seit 1989 habe ich keinen Friseur mehr an meinen Kopf gelassen. Zu meinem großen Glück macht es Sylvia Spaß, mir die Haare Tag für Tag zu bürsten - ganz sanft macht sie das - und zu flechten. Ich bin ihr umso dankbarer, weil das eigentlich gar nicht zu ihren Pflichten gehört. Das muss ich ihr unbedingt einmal sagen.

Heute Morgen habe ich es vor lauter Aufregung ganz vergessen. Als Sylvia mir meinen Saft brachte, konnte ich ihn kaum trinken. Die nervöse Energie, die mich die ganze Woche über begleitet hatte, war über Nacht zu einem Knoten in meinem Magen geworden. Sylvia half mir in mein neues pfirsichfarbenes Kleid - das Kleid, das Ruth mir zu Weihnachten geschenkt hat - und in die Straßenschuhe, die gewöhnlich unbenutzt in meinem Schrank stehen. Das Leder war ziemlich steif, und es war gar nicht so einfach, meine Füße hineinzuzwängen, aber die Eitelkeit hat ihren Preis. Ich bin zu alt, um meine Angewohnheiten noch zu ändern, und ich finde es fürchterlich, dass die jüngeren Bewohner dieses Hauses in Hausschuhen ausgehen.

Ein Hauch von Puder ließ meine Wangen etwas rosiger erscheinen, aber ich habe darauf geachtet, dass Sylvia es nicht übertrieb. Schließlich möchte ich nicht aussehen wie die Schaufensterpuppe eines Leichenbestatters. Ich bin so blass und so klein, dass schon ein kleines bisschen mehr zu viel sein kann.

Mit einiger Mühe legte ich mir das goldene Medaillon um den Hals, ein elegantes Schmuckstück aus dem neunzehnten Jahrhundert, das eigentlich nicht so recht zu meiner praktischen Kleidung passt. Ich rückte es zurecht, wunderte mich über meine Kühnheit, fragte mich, was Ruth dazu sagen würde.

Dann fiel mein Blick auf den kleinen silbernen Rahmen auf meinem Schminktisch. Ein Foto von meinem Hochzeitstag. Meinetwegen bräuchte es nicht da zu stehen - es ist schon so lange her, und die Ehe war sehr kurz; armer John -, aber ich räume es Ruth zuliebe nicht weg. Ich glaube, sie stellt sich gern vor, dass ich mich nach ihm sehne.

Sylvia führte mich in den Salon - es wurmt mich immer noch, den Raum so zu nennen -, wo gerade das Frühstück aufgetragen wurde und wo ich auf Ruth warten sollte, die sich (obwohl sie eigentlich dagegen war, wie sie behauptet) bereit erklärt hatte, mich zu den Shepperton Studios zu fahren. Ich ließ mich von Sylvia an einen einzelnen Tisch in der Ecke geleiten und bat sie, mir ein Glas Saft zu bringen. Dann las ich Ursulas Brief noch einmal.

Ruth kam um Punkt halb neun. Sie mag ihre Bedenken gehabt haben, was diesen Ausflug anging, aber sie ist schon immer ein Muster an Pünktlichkeit gewesen. Ich habe einmal gehört, dass Kinder, die in schweren Zeiten geboren werden, immer etwas Leidendes ausstrahlen, und Ruth, ein Kind des Zweiten Weltkriegs, ist der lebende Beweis für dieses Gesetz. Ganz anders als Sylvia, die nur fünfzehn Jahre jünger ist und in engen Röcken zur Arbeit erscheint, zu laut lacht und jedes Mal, wenn sie einen neuen Freund hat, die Haarfarbe wechselt.

Ruth kam auf meinen Tisch zu, makellos gekleidet und zurechtgemacht, aber steifer als ein Stock.

"Guten Morgen, Mum", sagte sie und hauchte mir mit kalten Lippen einen Kuss auf die Wange. "Schon fertig gefrühstückt?" Sie warf einen prüfenden Blick auf das halb leere Glas vor mir. "Ich hoffe, das war nicht alles, was du zu dir genommen hast. Wir werden sicherlich in den Berufsverkehr geraten und keine Zeit haben, irgendwo anzuhalten." Sie schaute auf ihre Uhr. "Musst du noch mal aufs Klo?"

Ich schüttelte den Kopf und fragte mich, wann wir die Rollen getauscht hatten und ich zur Tochter geworden war.

"Du trägst ja Vaters Medaillon; das hab ich schon ewig nicht mehr an dir ge

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