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Das Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt, Eugenie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das Geheimnis der alten Mamsell

Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt. Marlitts Roman "Das Geheimniß der alten Mamsell" wurde 1867 veröffentlicht. Eugenie Marlitt (5.12.1825 - 22.6.1887) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt, allerdings hat die Literaturkritik ihr Werk stets zwiespältig beurteilt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 337
    Erscheinungsdatum: 22.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783837084900
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 795kBytes
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Das Geheimnis der alten Mamsell

2.

Der Rathaussaal war gedrängt voll Zuschauer, und immer noch strömten die Menschen die Treppe herauf. Heinrich stand im dichtesten Gedränge und suchte sich schimpfend Luft zu machen mittels derber Püffe und heimlicher Attacken auf die Hühneraugen seiner Nächsten. "Herr Jesus, wenn das die Madame wüsste, das gäb' ein Donnerwetter! - Der Herr müsste gleich morgen in aller Frühe zur Beichte," flüsterte er vergnüglich schmunzelnd einem Nachbar zu, indem er seinen schwieligen Zeigefinger nach einem der erhöhten Sitze an der Seitenwand des Saales ausstreckte. Dort saß Herr Hellwig in Gesellschaft seines Leidensgefährten, des Doktor Böhm. Es hatte dem ehrlichen Burschen Mühe genug gekostet, seinen schmächtigen Herrn herauszufinden: denn die Honoratioren waren stark vertreten. Das Programm versprach aber auch lauter neue Wunderdinge, und der Schluss desselben lautete folgendermaßen:

"Madame d'Orlowska erscheint als Schildjungfrau. Sechs Mann Militär werden mit scharfgeladenem Gewehre auf sie schießen, und sie wird mit einem Hiebe ihres Schwertes die sechs Kugeln in der Luft zerhauen."

Die Bewohner von X. waren hauptsächlich gekommen, um sich von der Wahrheit dieses Wunders überzeugen zu lassen. Die schöne, junge Frau hatte das allgemeine Interesse geweckt, und jeder mochte gern wissen, wie sie wohl aussehe, wenn sie die Feuerrohre auf sich gerichtet wüsste . . . Es gelang übrigens auch dem Taschenspieler, die Aufmerksamkeit des Publikums für seine Kunstleistungen zu gewinnen. Er war, was die Frauen einen interessanten Mann zu nennen pflegen. Mittelgroß, von schlanker, biegsamer Gestalt, mit regelmäßigen, aber bleichen Zügen, braunen Locken und ausdrucksvollen Augen, zeigte er sehr elegante Manieren, und sein eigentümlich klingendes Deutsch, das ihn als den Sohn jenes unglücklichen, auseinander gerissenen Volkes kennzeichnete, machte ihn noch anziehender . . . Das alles war aber sofort vergessen, als die annoncierten sechs Soldaten unter Kommando eines Unteroffiziers aufmarschierten. Ein Geräusch entstand im Publikum, wie das Tosen einer Brandung - dann folgte plötzlich bängliche Stille.

Der Pole trat an einen Tisch und machte die Patronen angesichts des Publikums. Mit einem Hammer klopfte er auf jede einzelne Kugel, um die atemlosen Zuschauer durch den Klang zu überzeugen, dass es wirkliche, zweilötige Gewehrkugeln seien. Dann gab er jedem der Soldaten eine Patrone und ließ vor den Augen des Publikums laden . . . Der Taschenspieler klingelte.

Gleich darauf trat die Frau hinter einem breiten Schirme hervor. Sie schritt langsam seitwärts und stellte sich den Soldaten gegenüber. Es war eine wundervolle Erscheinung, den linken Arm deckte der Schild und in der Rechten hielt sie das Schwert. Ein weißes Gewand floss in reichen Falten auf die Füße nieder; um die Hüften legten sich silberglänzende Schuppen, und ein strahlender Harnisch deckte die herrliche Büste . . . Was war aber all dieser Glanz gegen den matten Goldschimmer der Haarwellen, die unter dem Helme hervorquollen und fast bis auf den Saum des Gewandes herabfielen!

Das bleiche, schwermütige Gesicht richtete den traurigen Blick auf die Mündungen der todbringenden Waffen, die hinüber starrten. Keine Wimper zuckte. Nicht die leiseste Bewegung war an dem leicht wallenden Gewande zu bemerken - sie stand dort wie ein Steinbild . . . Das letzte Kommando schallte durch den totenstillen Saal; die sechs Schüsse krachten wie aus einem Rohre - sausend durchschnitt das Schwert die Luft, und zwölf halbe Kugeln rasselten auf den Boden.

Einen Augenblick noch sah man die hohe Gestalt der Schildjungfrau unbeweglich stehen - der Pulverdampf verwischte ihre Züge, und nur matt schimmerte die Rüstung durch die Wolke . . . dann schwankte sie plötzlich, Schild und Schwert sanken klirrend zu Boden, mit der Rechten griff sie, wie nach einem Halt suchend,

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