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Das Geheimnis der fünf Frauen Historischer Roman von Ladnar, Ulrike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.03.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Das Geheimnis der fünf Frauen

Im November 1893 wird ein angesehener Wiener Bankier ermordet in seiner Bibliothek aufgefunden. Am Tatort st"át Inspektor Karl Winterbauer auf f nf seit ihrer Kindheit befreundete Frauen und ahnt bald, dass alle ein Geheimnis haben. Allm"hlich wird aus seinem Misstrauen Sympathie und er beginnt, an ihre Unschuld zu glauben. Da geschieht ein zweiter Mord - und wieder sind nur die f nf Frauen am Ort des Verbrechens. Das Leben des Inspektors treibt einem gef"hrlichen Strudel entgegen ... Ulrike Ladnar wurde in Baden bei Wien geboren und wuchs in Baden-W rttemberg auf. Sie arbeitete als Gymnasiallehrerin, Lehrerausbilderin und Schulbuchautorin in Frankfurt am Main. Jetzt, in Pension, hat sie Zeit f r viel Neues. Zum Beispiel f r das Schreiben Historischer Kriminalromane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 470
    Erscheinungsdatum: 04.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839245767
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 2615 kBytes
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Das Geheimnis der fünf Frauen

Montag, 27. November 1893

Am Montag begann Winterbauers Arbeitstag sehr früh. Er hatte die halbe Nacht über dem Vortrag der Gräfin gebrütet und die wenigen Annotationen 4 von Franz von Sommerau studiert, die dieser mit einer zierlichen und präzisen Handschrift am Rand des Textes angebracht hatte. In einem Fall handelte es sich um die Jahreszahl der ersten Suffragettendemonstration, die die Gräfin wohl aus dem Gedächtnis angegeben hatte und bei der sie sich um etliche Jahre vertan hatte, was der Tote außer mit der berichtigten Zahl mit einem Sophia, Geschichtszahlen immer nachsehen! versehen hatte, in einem anderen gab er einen Rat zum Vortrag: Hier eine längere Pause einlegen ! An einer Stelle hatte er vorgeschlagen, einen allzu kräftigen Ausdruck durch einen sachlicheren zu ersetzen. Der Rest waren unbedeutende syntaktische Korrekturen.

Beim besten Willen konnte Karl Winterbauer der korrigierten Ansprache nichts entnehmen, was in irgendeinem Zusammenhang zu dem gewaltsamen Tod Franz von Sommeraus stehen könnte. Deswegen hatte er beschlossen, der Gräfin den Text auszuhändigen. Sicherheitshalber wollte er sie bitten, ihn nach ihrer Rückkehr aus Genf zurückzugeben. Denn immerhin handelte es sich um die letzten schriftlichen Äußerungen des Mordopfers.

Immer noch wunderte er sich darüber, dass er der Gräfin am Vorabend so bereitwillig zugestanden hatte, ihr das Manuskript am nächsten Tag wieder zu übergeben. Doch wenn er tiefer in sich hineinschaute, so war ihm bewusst, dass das eine Art unausgesprochene Entschuldigung war, eine heimliche Wiedergutmachung der Vorurteile, mit denen er ihr begegnet war.

Aber auch ohne die Lektüre der Rede der Gräfin hätte Winterbauer in der Nacht keine Ruhe finden können. In seinem Kopf tanzten Dienstmädchen Polka, junge Damen stolzierten in einem Trauermarsch zu erhabenen Klängen, und ältere in schlichten einfarbigen Hängekleidern bewegten sich elegisch zum Rhythmus eines langsamen Walzers. Die gleichzeitigen Musikstücke erschreckten ihn durch ihre Kakophonie. Aber er war der Einzige, der das zu bemerken schien. Er stand inmitten der tanzenden Frauen, und immer, wenn eine zufällig auf ihn blickte, grüßte sie ihn und nannte ihren Namen, der wie ein Echo immer wieder erschallte, bis zu guter Letzt der Kanon der zehn Frauennamen lauter war als die Musik, zu der sie sich bewegten. Sophia von Längenfeld. Helene Weinberg. Maria Kutscher. Elisabeth Thalheimer. Friederike von Sternberg. Klara von Sommerau. Marie Eisgruber. Adele Hardenberg. Anna Gruberova. Mizzi Schmutzer.

So wartete er recht unausgeschlafen in seinem Dienstzimmer auf die Gräfin, die gegen acht Uhr vorbeikommen und dann direkt zum Bahnhof eilen wollte. Zu seiner Überraschung erschien sie schon vor der festgesetzten Zeit, und wieder erstaunte ihn ihr Anblick. Nach dem aufmüpfigen Wesen im seltsamen fließenden Purpurkleid und der mondänen Gräfin im modischen und eng geschnürten Nachmittagskleid lernte er jetzt eine in ein praktisches graues Reisekostüm gekleidete Frau kennen, die ihn fast an eine Gouvernante erinnerte. Ihr Haar war streng geknotet, eine Bluse mit hochgeknöpftem Kragen verhüllte ihren Hals.

Nur ihre Selbstsicherheit war unverändert: "Nun, verehrter Herr Inspektor, haben Sie in meiner Rede Bemerkungen gefunden, die mich mordverdächtig machen? Oder durch die die staatliche Sicherheit gefährdet wird?"

Er schüttelte den Kopf.

"Nicht einmal solche, die die öffentliche Ruhe gefährden?"

Nun musste Winterbauer doch kurz auflachen: "Nein, im Gegenteil. Ich fand, dass Sie alles sehr schlüssig hergeleitet haben. Und ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Ansprache. Nur - am Ende ..."

"Ja?"

"Ihrem recht nüchternen abschließenden Satz würde ich eine emotionale Aufforderung zur Solidarität anfügen. Jede Bewegung braucht doch schließlich einen Schlachtruf, oder?" D

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