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Das Geheimnis der Krähentochter Historischer Roman von Becker, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.07.2010
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Das Geheimnis der Krähentochter

Der Schwarzwald im Jahre 1636: Ein abgeschiedenes Tal wird von den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges erreicht. Eine Gruppe von Söldnern überfällt den Petersthal-Hof, mordet und verschwindet wieder im Dunkel der Wälder. Es gibt nur eine Überlebende: die Magd Bernina. Sie wird von einer Frau gerettet, die in der ganzen Gegend als Hexe verschrien ist und nur die 'Krähenfrau' genannt wird. Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem geheimnisvollen Bild, das Bernina in den Trümmern des abgebrannten Hofes findet? Bald steht die junge Frau nicht nur vor dem Rätsel der Zeichnung, sondern auch vor der Entscheidung zwischen zwei Männern ...

Oliver Becker, geboren 1969, wuchs in Blumberg/Schwarzwald auf und lebt heute in Frankfurt am Main, wo er für eine internationale Werbeagentur tätig ist. 'Das Geheimnis der Krähentochter', sein erster historischer Roman, ist für den Autor ein literarischer Ausflug in die dramatische Vergangenheit seiner südbadischen Heimat.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 466
    Erscheinungsdatum: 12.07.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839235058
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Gmeiner Original Bd.1
    Größe: 3645 kBytes
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Das Geheimnis der Krähentochter

Kapitel 9 (S. 371-372)

Was der Stein der Wahrheit zeigte

Es handelte sich um keine wirkliche Höhle. Eher um einen Aufwurf im Erdreich, ein kleines natürliches Refugium, um sich vor der Welt zu verstecken und durchzuatmen. Doch an einen Moment der Ruhe war für Bernina immer noch nicht zu denken. Sie hatte ihren Körper in das winzige Erdloch am Fuße eines Hügels geschoben und starrte nach draußen in den Wald, in den Himmel, dessen Blau langsam marmoriert wurde von den ersten dunklen Schatten des nahenden Abends.

Bernina roch das schwere Aroma des Bodens, sie lauschte in die Stille und wunderte sich über sich selbst. Darüber, dass sie nicht einfach davonlief, weiterrannte, immer weiter zwischen den Bäumen hindurch, so weit fort von der Festung, hinaus aus diesem Wald, so weit, wie ihre Füße sie nur tragen konnten. Was hielt sie hier, warum blieb sie, obwohl niemand in der Nähe war, der ihr hätte Einhalt gebieten können? Die Festung mit den kämpfenden Männern lag ja bereits ein ganzes Stück hinter ihr.

Es war wohl einfach ihr Gefühl, ein tiefer Instinkt, der sie dazu brachte, abzuwarten, sich auf diesen Mann zu verlassen, vor dem sie doch eigentlich so viel Angst gehabt hatte. In den helldunkel gesprenkelten Himmel schoben sich die Umrisse einer kleinen Schar Vögel. Schwarz kreisten sie in der Luft, wie von Farbe gezeichnet, um sich dann auf den Ästen eines Baumes niederzulassen. Ihre Augen schienen die Gegend abzusuchen, bis sie bei der Höhle verweilten. Bernina erwiderte den Blick der Krähen, und zum ersten Mal kamen ihr diese Geschöpfe nicht unheimlich vor.

Sie einfach zu betrachten, hatte beinahe etwas Tröstliches. Plötzlich erklang das Trommeln von Pferdehufen, und Bernina hielt den Atem an. Jetzt würde sich entscheiden, ob es richtig gewesen war, sich auf ihr Gespür zu verlassen. Auf ihr Gespür und auf den Riesen. Wie merkwürdig es gewesen war, als er sie gepackt und hochgerissen hatte, um sie sich mühelos, als würde sie rein gar nichts wiegen, auf die breite Schulter zu schwingen.

Erst versuchte sie, Widerstand zu leisten, doch sein Arm lag schwer wie ein Baumstamm auf ihr und presste sie kraftvoll an seinen Körper. Auf dieser breiten, harten Schulter liegend, sah Bernina die Festung allmählich kleiner werden und nach und nach in der Dichte des Waldes verschwinden. Sie hätte nicht einschätzen können, wie weit und wie lange der Riese mit ihr lief, aber irgendwann ließ er sie zu Boden gleiten. Erneut griffen seine Hände nach ihr, jedoch nur um sie mit überraschender Sanftheit in dieses Erdloch zu drängen.

Die ganze Zeit hatte er nichts gesprochen, kein einziges Wort geäußert, und dann lief er einfach wieder zurück, mit diesen langen Schritten, die seine ganze Körperkraft offenbarten. Bernina hatte ihm hinterhergeblickt, verwundert, rätselnd. Das Hufgetrappel wurde lauter. Bernina spähte angespannt in den Wald. Die Krähen erhoben sich krächzend wieder in den Himmel. Bernina erkannte die Umrisse von zwei Pferden. Nur auf einem davon saß ein Reiter. Es war der Riese.

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