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Das Geheimnis des Wundarztes Roman von Ruch, Günter (eBook)

  • Verlag: dotbooks GmbH
eBook (ePUB)
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Das Geheimnis des Wundarztes

Mitreißend erzählt und perfekt recherchiert: Der fesselnde historische Roman »Das Geheimnis des Wundarztes« von Günter Ruch als eBook bei dotbooks. Wenn Glanz und Elend nah beieinander liegen ... Köln im Jahre 1396. Während in den Häusern der Patrizier das pralle Leben tobt, geht im einfachen Volk die Angst vor der Pest um. In dieser aufgeladenen Stimmung müssen zwei Menschen alles daran setzen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen, um für ihre Zukunft zu kämpfen: Die schöne Witwe Judith hat von ihrem einstmals reichen Mann neben hohen Schulden auch eine schreckliche Bürde geerbt; zur selben Zeit ist der Apotheker Matthäus gezwungen, im Geheimen einem grausamen Geschäft nachzugehen. Gibt es Hoffnung für die beiden? Doch dann spitzt sich der Streit zwischen den vermögenden Patriziern und den Vertretern der Zünfte immer weiter zu - es droht, zu einem schrecklichen Kampf zu kommen, dem niemand entfliehen kann! »Mit drastischen Schilderungen und Sorgfalt im Detail versteht es Ruch, eine gnadenlose Zeit heraufzubeschwören, in der sich alles um den Kampf ums Überleben dreht.« Deutsche Presseagentur Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der historische Roman »Das Geheimnis des Wundarztes« von Günter Ruch entführt Sie in die Zeit der sogenannten »Unblutigen Kölner Revolution« des Jahres 1396. Wer liest, hat mehr vom Leben! dotbooks - der eBook-Verlag.

Günter Ruch (1956-2010), wurde in Sinzig am Rhein geboren, studierte in Bonn mittelalterliche Geschichte und arbeitete später als Journalist, Grafiker, Fotograf und Autor. Bei dotbooks erschienen Günter Ruchs hervorragend recherchierten und mitreißend erzählten historischen Romane »Das Geheimnis des Wundarztes«, »Gottes Fälscher« und »Genovefa - Das Herz einer Gräfin«.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 642
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783961484386
    Verlag: dotbooks GmbH
    Größe: 2283 kBytes
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Das Geheimnis des Wundarztes

I.
Salzgasse

Mittwoch, 7. Juni 1395

Ja - jetzt lächelst du noch mit deinem welken dunklen alten Mund, dachte ich, und du versuchst angestrengt, mutig zu sein, und du bist auch ein bisschen trotzig. Du findest, dass du das hier eigentlich nicht verdient hast.

Bedauernswerte Hure!

Du lächelst tatsächlich noch. Tapfer!

Aber wenn ich dir gleich deine dürre rechte Hand abschneide, und wenn dein dünnes, verdorbenes Blut spritzt, wenn du dich vor Schmerzen windest und die Handfesseln dir ins Fleisch schneiden und wenn dann deine wenigen übrigen Zähne auf dem Beißholz knirschen, bevor du ohnmächtig wirst ... dann wird dir das Lächeln längst vergangen sein.

Ich bin nicht brutal und empfinde nicht den mindesten Hass, ich bin vielmehr ein gefühlloser und sozusagen unbeteiligter Beobachter meines eigenen Tuns. Ein Realist. Ich mache meine Arbeit. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Handeln gottlos ist. Wieso auch? Auch ein Metzger arbeitet nicht anders. Oder der Feldscher draußen auf dem Schlachtfeld.

Die allerwenigsten erleben bei vollem Bewusstsein das Ende dieser Arbeit, wenn ich die fachgerecht amputierte Gliedmaße - meistens eine Hand - in heißes Öl tauche, damit die Wunde sich verschließt, sich nicht entzündet und eitrig wird. Ich halte mir zugute, dass mir noch nicht ein einziger meiner Kunden auf dem Behandlungsbett gestorben ist, das in der Mitte meines Salzgassengewölbes steht. Das Bett ist schwarz vom Blut der Leute, die ich zu Krüppeln gemacht habe.

Ich nahm mein Chirurgenmesser, die Knochensäge, die Sehnenschere und die anderen Utensilien aus der großen inneren Tasche meines schweren Mantels und legte alles zurecht. Die Augen der alten Hure weiteten sich, ich sah es trotz des allenfalls fahlen Lichtes. Ich vermied es, in ihr Gesicht zu blicken. Ich kam mir in diesem Augenblick vor wie der Folterknecht, der seinem Opfer die Instrumente seiner Peinigung zeigt, ein Gehilfe des Henkers.

»Jetzt gibt es noch ein Zurück«, sagte ich beiläufig.

Die alte Hure aus der Schwalbengasse war schwer betrunken, zitterte mit ihren vor Angst weit aufgerissenen Augen, atmete schnell und flach, aber sie schüttelte den Kopf. Sie stank. Ihre Kleider standen vor Dreck. Um das Handgelenk trug sie die dünne rote Leinenschleife, mit der sich die Kölner Huren auf Beschluss des Rates seit ein paar Jahren selbst kennzeichnen mussten.

»Du musst mir bei Gott nur eines versprechen, Krüppelmacher«, keuchte sie.

Ich kann es nicht leiden, wenn man mich so nennt. Krüppelmacher. Aber es entspricht nun mal den Tatsachen.

Die Hure trank den nächsten Schluck Schnaps, um sich noch mehr zu betäuben. Je mehr Schnaps sie tranken, desto besser.

»Versprechen?« Ich schaute die Alte fragend an. »Hm? Was soll ich dir versprechen?«

Ich ekelte mich vor der heruntergekommenen Schäbigkeit der verbrauchten Frau, vor ihrer räudigen, grauen Haut, die mit etlichen Flohstichen übersät war, vor ihrer schwarzen Mundhöhle, in der nur noch eine Handvoll gelber, spitzer Zähne übrig war. Ihr Atem stank furchtbar. Das einzige Schmuckstück der Armen war ein billiger Armreif aus Blech am linken Handgelenk. In den schäbigen Kleidern und den dünnen, stumpfen Haaren hausten Heerscharen von Läusen. Ich war ihr letzter Ausweg. Ich sollte ihr helfen, zukünftig als Krüppel betteln zu gehen und damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Ich war froh, dass ich meine Arbeit nur im Geheimen verrichtete, im Auftrag des Capitano, und dass mir niemand dabei zuschauen konnte. Es war für mich überlebenswichtig, dass keiner der ehrsamen Bürger dort draußen eine Ahnung davon hatte, was ich tat und womit ich einen erheblichen Teil meines Lebensunterhaltes verdiente - hinter der Fassade des frommen Winkelapothekers vom Malzbüchel.

»Du versprichst mir bei deinen Eiern, dass du verdammt noch mal kein Mitleid mit mir haben wirst, hast du vers

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