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Das Geheimnis von Shadowbrook von Fletcher, Susan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.10.2019
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Das Geheimnis von Shadowbrook

Im Sommer 1914 wird die junge Botanikerin Clara Waterfield von London nach Gloucestershire gerufen: Sie soll auf einem Landsitz namens Shadowbrook den Aufbau eines Gewächshauses mit exotischen Pflanzen aus den Kew Gardens betreuen. Der Garten, in dem das Gewächshaus stehen soll, ist überwältigend, üppige Hortensien, Fingerhut und Rosen drängen sich um gepflegte Rasenflächen, auf den Teichen schwimmen Seerosen, alles scheint vor Leben geradezu zu sprühen. Doch das alte, mit Glyzinien bewachsene Wohnhaus wirkt seltsam abweisend, die meisten Räume stehen leer oder sind verschlossen, der Eigentümer Mr. Fox ist viel auf Reisen. Haushälterin und Dienstmädchen wirken verängstigt - denn nachts scheint es im Haus zu spuken. Doch Clara ist unerschrocken und glaubt nicht an Geister, und so macht sie sich daran, die Geheimnisse des Hauses zu ergründen. Und während sie sich immer tiefer in die Geschichte Shadowbrooks verstrickt, muss sie feststellen, dass dort nichts so ist, wie es scheint ... Ein fesselnder Roman um eine unerschrockene junge Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist, ein atmosphärischer, bildreicher Pageturner am Vorabend des Ersten Weltkriegs - aber auch ein Roman über das, was von uns bleibt. Susan Fletcher wurde 1979 in Birmingham geboren und lebt in Stratford-upon-Avon. Sie hat mehrere Romane geschrieben, gleich für ihren ersten, Eve Green , erhielt sie 2004 den Whitbread First Novel Award. Auf Deutsch erschien neben Eve Green 2007 ihr Roman Austernfischer .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 27.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458763987
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: House of Glass
    Größe: 2507 kBytes
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Das Geheimnis von Shadowbrook

I

Mit meinem Gerüst stimmt etwas nicht. Also mit meinem Skelett - dem Teil von mir, über den alles andere gespannt, an dem alles befestigt ist. Ich habe Knochenmark und Hohlräume, ich habe die glatten, runden Enden, die sich in Gelenke fügen - es fehlt kein einziges Teil. Aber meine Knochen sind zerbrechlich. Sie knacken bei jeder Bewegung. Als Kind habe ich mir durch die kleinste Geste, wenn ich nur den Kopf hob, Knochenbrüche zugezogen. So leicht, dass selbst die Ärzte erschrocken zurückzuckten und den Kopf schüttelten: völlig marode Knochen.

Die lateinische Bezeichnung meines Leidens ist zu lang, als dass man sie beiläufig erwähnen könnte. Osteogenesis imperfecta . Zweiundzwanzig Buchstaben, die den Kiefer knirschen lassen und die wir anfangs langsam üben mussten. Meine Mutter flüsterte die beiden Worte wie ein Gebet oder eine Beschwörungsformel. Auch ich sprach sie, wenn ich allein war, manchmal vor mich hin. Aber wir verwarfen sie schon bald und ersetzten sie durch Claras Knochen . Das hatte ich in den Zimmern und auf den Fluren des Krankenhauses aufgeschnappt - und diese wesentlich greifbareren, vertrauteren Worte trugen in sich, dass dieses Leiden mein eigenes war. Dass es in ganz London oder sonst wo niemand anderen gab, dessen Rippen brachen, wenn er nieste. Dessen Zähne abbrachen, wenn er mit einem Löffel dagegenstieß.

Inzwischen hat die Krankheit mich weniger fest im Griff. Ich bin immer noch von seltsamer Gestalt. Das Weiße meiner Augen schimmert immer noch bläulich - so wie Milch im Glas. Und meine Haut ist an manchen Stellen blasser - nämlich da, wo sie sich über verheilte Knochenbrüche strecken muss: eine hervorstehende Rippe, mein eingedrücktes Schlüsselbein. Darum werde ich diese lateinische Bezeichnung und ihre Bedeutung nie ganz loswerden. Doch jetzt bin ich wenigstens ausgewachsen. Meine Knochen sind stärker geworden, sie haben sich gefestigt.

Aber als Kind brach ich sie mir oft. Ich lebte in einer Welt aus Ärzten und Schienen, aus Tinkturen, die mir seltsame Knochenträume bescherten. Immer wieder schwoll ich irgendwo an, Blutergüsse wanderten über meinen Körper wie Stürme oder Fluten - sanft, in sämtlichen dunklen Schattierungen. Der erste Bruch, an den ich mich erinnern kann, widerfuhr mir im Winter: Ich stand auf der Treppe vor der Haustür und bestaunte den Schnee, und das hörbare Knacken in meinem Arm wurde nicht durch einen Sturz verursacht, sondern durch meine Mutter, die mich plötzlich packte und festhielt, um mich vor einem Sturz zu bewahren. Sie war ganz richtig ihrem Instinkt gefolgt, doch ihr Griff brach mir den Oberarmknochen - und ihr fast das Herz. Untröstlich saß sie an meinem Bett, wiegte sich und murmelte vor sich hin.

Mal brach ich mir auf der Regent Street den Kiefer. Mal stieß ich mit einem Passanten zusammen und brach mir die Rippen, worauf ich jäh den Atem ausstieß und auf dem Boden zusammensank, als hätte man die Luft aus mir herausgelassen. Mal kugelte ich mir auf dem Trafalgar Square die Schulter aus, als ich die Hand nach einem vorbeiflatternden Vogel ausstreckte - und mein Aufschrei ließ alle anderen Vögel auffliegen, so viele, dass ich ihren Luftzug spürte. Danach verfügten die Ärzte, dass mein Leben von nun an ausschließlich drinnen stattfinden müsse. Bis ich ganz ausgewachsen wäre, sollte ich zu meiner eigenen Sicherheit das Haus nicht mehr verlassen. Als meine Mutter protestierte - Aber sie ist doch ein Kind! -, verwiesen sie auf die anderen, kleineren Knochen in meinem Nacken. Die Halswirbel und ihre Funktion. "Begreifen Sie, was das für Ihre Tochter bedeuten könnte, Mrs Waterfield?" Und dann erwähnten sie noch den sehr fragilen Teil meines Schädels, der aufbrechen könnte wie ein Ei.

Zu Hause wurde alles gepolstert. Mit Samt und Daunen, bestickten Kissen, Perserteppichen und Seide. Wir hatten einen Globus. Und ein Schaukelpferd, das ich zwar anfas

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