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Das geschwärzte Notizbuch Roman von Giacobone, Nicolas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.11.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das geschwärzte Notizbuch

Um das perfekte Drehbuch zu bekommen, entführt der manisch brillante Regisseur Santiago den renommierten Autor Pablo. Er sperrt ihn ein. Fünf Jahre lang. In einem kargen dunklen Raum. Nichts soll Pablo vom Schreiben ablenken. Ein Meisterwerk entsteht. Und eine von Abhängigkeit, Abscheu und Faszination geprägte Beziehung zweier genialer Künstler. Ein Roman über Größe, Größenwahn und die Kunst des Schreibens. Vom Oscar-prämierten Drehbuchautor Nicolás Giacobone. Nicolás Giacobone, geboren 1975 in Buenos Aires, schrieb die Drehbücher für Filme wie "Biutiful" und "Birdman". Für Letzteren wurde er 2015 mit einem Golden Globe sowie dem Oscar in der Kategorie "Bestes Originaldrehbuch" ausgezeichnet. "Das geschwärzte Notizbuch" ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 25.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641236458
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: El Cuaderno Tachado
    Größe: 923 kBytes
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Das geschwärzte Notizbuch

Geschwärztes Notizbuch

Alles fing mit einem Drehbuch an.

Ein Drehbuch, das besser nicht geschrieben worden wäre.

Amadeus ist ein großartiges Drehbuch.

Ich habe es mehr als zehnmal gelesen. Ich habe es studiert, durchgekaut, verschlungen.

Amadeus war ein gutes Theaterstück, dann ein gutes Drehbuch.

Das Drehbuch übertrifft das Theaterstück bei Weitem.

Peter Shaffer übertraf sich selbst, indem er sein eigenes gutes Theaterstück in sein eigenes (oder nicht ganz so eigenes) großes Drehbuch verwandelte.

Peter Shaffer hat sich beim Schreiben des Theaterstücks nicht vorstellen können, dass F. Murray Abraham bei der Verfilmung des Drehbuchs so vor den Kameras agieren würde, wie er es dann tat. Er wusste nicht einmal, dass aus seinem Theaterstück ein Film werden sollte und dass dieser Film alles gewinnen würde, was an Preisen zu gewinnen war, und dass F. Murray Abraham so agieren würde, wie er es dann tat: Er verkörperte mit Leib und Seele die bislang bedeutendste Darstellung des Kampfes zwischen dem Künstler und seiner unvermeidlichen Mittelmäßigkeit.

Welcher Name verbirgt sich hinter dem F von F. Murray Abraham?

Ferdinand.

Filomeno.

Federico.

Santiago Salvatierra sagt, dass das F nichts bedeutet; dass F. Murray Abraham eigentlich Murray Abraham heißt und dass Murray das F mit einem Punkt einfach hinzugefügt hat, weil es seiner Meinung nach besser klingen würde.

Santiago sagte mir, dass F. Murray Abraham eine nichtswürdige Person ist.

Ich fragte ihn, woher er das wüsste. Und er schaute mich so an, wie er mich immer anschaut, wenn ich ihm eine Frage stelle, von der er nicht möchte, dass ich sie ihm stelle. Er verließ daraufhin den Keller und schloss die Tür.

F. Murray Abraham ist ein nichtswürdiges Genie, sagte er.

Aber sind wir nicht alle irgendwie nichtswürdig?

Das ist nicht das Problem, nein, das Problem ist, dass die meisten von uns keine Genies sind.

Die aller meisten.

Peter Shaffer ist ein Genie.

Ist?

War?

Peter Shaffer schrieb sein Theaterstück und dann sein Drehbuch auf einer Schreibmaschine in einem behaglichen Arbeitszimmer mit großen Fenstern und Lampen in allen Größen für den Fall, dass die Sonne nicht scheint.

Ich lebe in einem Kellerraum.

Schon seit fünf Jahren lebe ich in diesem Keller.

Ich habe eine Lampe, die so gut wie gar kein Licht spendet.

Ich schreibe in dieses Notizbuch zwischen sechs und sieben Uhr morgens.

Ich streiche alles, was ich geschrieben habe, wieder durch, kurz bevor Santiago runterkommt: mit seinem Stuhl, einer Tasse Kaffee, einem Teller mit Obst und den ausgedruckten Szenen samt Anmerkungen von ihm - die Seitenränder übersät mit zumeist armseligen Kommentaren.

Das, was Sie hier lesen (falls es Sie überhaupt gibt), sind nichts weiter als durchgestrichene Seiten, ein in aller Eile geschriebener Text in einem Schulheft der Marke Rivadavia, das ich aus Buenos Aires mitgebracht habe.

Ein Text in blauer Tinte, dick durchgestrichen in Schwarz.

Ich bin fünfundvierzig Jahre alt.

Ich schreibe seit zwanzig Jahren.

Obwohl: Die ersten Jahre schrieb ich nicht, ich versuchte zu schreiben.

Das allerdings acht oder neun Stunden täglich.

Nach Abschluss der Realschule hatte ich mich am Kon

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