text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Gesicht der Anderen von Eder, Fabian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2014
  • Verlag: Braumüller Verlag
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Gesicht der Anderen

Stell dir vor, du verlierst dein Gesicht. Ein versehentlich ausgelöster Schuss aus der Waffe ihres Vaters entstellt die junge, reiche Margarete Boll und zwingt sie zu einem Leben in Isolation. Ihre abstoßende Erscheinung verbirgt sie hinter einer Maske. Alles ändert sich mit jenem Mann, der als Erster den Blick nicht abwendet. Schleichend beginnen die Grenzen zwischen Moral, Hingabe, Perversion, Hass und Wahnsinn zu verrinnen, bis Margarete erkennt, dass es ihr größter Makel ist, der größte Macht bedeutet. Fabian Eder, geboren 1963, lebt als freiberuflicher Autor und Filmemacher in Wien. Regie und Drehbuch u. a. bei der Verfilmung des Romans 'Die Schrift des Freundes' von Barbara Frischmuth oder bei Fernsehfilmen aus der Reihe 'TATORT' (Granit, Kein Entkommen). 2013 erschienen 'Griechenland blüht', ein Buch über das Leben in der Krise, sowie sein Debütroman 'Aufstand' bei Braumüller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 04.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783992001170
    Verlag: Braumüller Verlag
    Größe: 969 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Gesicht der Anderen

Margarete klappte den Laptop ganz behutsam zu, als schließe sie eine Schatztruhe. Sie betrachtete die Maske, die auf dem Schreibtisch lag und sie mit ihren leeren Augen anstarrte. Schnell nahm sie diese, als sie einen Wagen kommen hörte, und ging zum Fenster. Die Limousine von Albert Hager fuhr vor. Ist schon wieder ein Monat vorbei?, dachte sie und war überrascht, es war ihr nicht aufgefallen. Der Handwerker begegnete Hager auf der Außentreppe. Die Männer grüßten einander im Vorübergehen. Der eine betrat das Schloss, der andere ging zu seinem Wagen, in den er das Werkzeug einlud. Jeder kannte hier jeden und jeder wusste alles über den anderen. Sie mied die Menschen aus Wasserbrunn, sie waren anders, und Margarete hatte das Gefühl, von ihnen gehasst zu werden.

Sie ging zum Schrank, zog Jeans und T-Shirt aus und schlüpfte in ein einfaches, dezentes Kleid. Sie steckte rasch die Haare hoch und kontrollierte, ob die Maske richtig saß. Dann lief sie barfuß hinunter. In der Halle betrachtete sie die reparierte Fliese. Sie gefiel ihr nicht. Die Farbe war anders. Sie durchquerte die Halle und öffnete die Tür zum Arbeitszimmer. Hager, der sich bereits gesetzt hatte, erhob sich rasch.

"Bleiben Sie sitzen, bitte." Mit gestrecktem Arm und geöffneter Hand bedeutete sie ihm, wieder Platz zu nehmen. Hager, der sich noch immer nicht an Margaretes Stimme gewöhnt hatte, dieses jämmerliche Krächzen, blickte kurz zu Boden, seine Gedanken waren ihm unangenehm. Als er aber sah, dass sie barfuß war, musste er schmunzeln. Ihr entging das nicht.

"Guten Morgen, Margarete."

Sie nahm den Platz ihres Vaters ein und setzte sich hinter den wuchtigen, alten Schreibtisch. Hager öffnete seine Aktentasche und holte eine grüne Flügelmappe heraus, die er ihr reichte.

"Die Zahlen des letzten Monats."

"Wie schnell ein Monat vergeht."

Hager hob die Brauen und pflichtete ihr mit einem Kopfnicken bei. Margarete schlug die Mappe auf.

"Ich werde diese Zahlen nie verstehen! Sie haben es mir schon so oft erklärt und ich will es mir nicht merken!"

Hager schmunzelte. "Die Geschäfte laufen gut."

"Fein. Dann bin ich also reicher als vor einem Monat!" Sie schlug die Mappe wieder zu.

"Das bist du ohnehin jeden Monat. Egal, was mit der Firma ist. Dein Vater hat gut für dich vorgesorgt."

"Das hat er", aus dem Gekrächze ihrer Stimme konnte er kein Gefühl ableiten und selbst im Gesicht hinter der starren Maske regte sich nichts. "Also, was hat sich in der Firma getan?"

"Wir haben auch im letzten Monat neue Mitarbeiter eingestellt. Einen Maschinenschlosser sowie zwei Softwarespezialisten, eine Mitarbeiterin in der Lohnverrechnung, eine Assistentin im Marketing, eine Grafikerin, und es gelang uns endlich, einen hervorragenden Repräsentanten für Nordosteuropa anzuwerben."

"Welche Qualifikationen hat er?"

"Er hat eine Schweizer Privatschule absolviert und in Harvard studiert, anschließend leistete er seinen Militärdienst in der russischen Armee, brachte es immerhin zum jüngsten Ersten Offizier, der jemals auf einem Atom-U-Boot der Akula-Klasse gedient hatte. Danach war er bis neunzehnneunundachtzig beim KGB und hatte dort eine steile Karriere vor sich, der Rest ist Geschichte."

Margarete lehnte sich zurück und stellte die nackten Füße auf die Schreibtischkante. Sie wackelte verspielt mit den Zehen.

&

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen