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Das Ginsterhaus Roman von Bricca, Elisabetta (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Ginsterhaus

Nach dem Tod ihrer Mutter nimmt Sveva eine berufliche Auszeit, um ein Versprechen einzulösen: in Umbrien nach ihrem Vater zu suchen, den sie nie kennengelernt hat.Gebannt von der wohltuenden Natur, werden Erinnerungen an sorglose Kindertage wach. Eines Tages begegnet ihr der sanftmütige Norweger Rurik, der ebenfalls Gründe hat, in der magischen Landschaft nach Entspannung zu suchen. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, und Sveva ist endlich bereit, das Geheimnis ihres Vaters zu ergründen ... Elisabetta Bricca, geboren und aufgewachsen im Herzen Roms, studierte Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften. Sie arbeitet als Werbetexterin und Übersetzerin, DAS GINSTERHAUS ist ihr Debüt als Romanautorin. Mit ihrer Familie lebt sie in Umbrien in einem mittelalterlichen Landhaus mit Blick auf den Trasimenischen See.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 28.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572052
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Il refugio delle ginestre
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Das Ginsterhaus

1.

Rom

D er herbstliche Himmel über Rom war grau. Der Himmel dieser Stadt, die mittlerweile auch zu Svevas Stadt geworden war.

Das San-Camillo-Krankenhaus war ein Klotz aus abgeblättertem Putz, dem vier kahle Yuccas an der Front als Dekoration dienen sollten.

Sie betrat die Empfangshalle. Machte den MP3-Player aus, ohne die Kopfhörer abzunehmen, und wandte sich in Richtung Onkologie. Dann stieg sie die Treppen hinauf und trat durch die Tür im zweiten Stock.

Die Wände auf dem Flur hatten eine blassgelbe, kalte Farbe. Es stank nach Chloroform.

Eine alte Frau kam, auf einen Rollator gestützt, mühsam den Flur entlang. Sie war allein, ihre Gesichtshaut sah aus wie Pergamentpapier, und ihre geschwollenen Füße waren in uralte Pantoffeln gezwängt. Sie lächelte, als sie vorbeischlurfte. In ihren Augen blitzte es pfiffig auf, wie bei einem Kind, das gerade bei einem Streich ertappt worden war.

Sveva senkte den Blick und ging weiter zu Zimmer sieben. Die Tür war angelehnt, sie stieß sie auf und trat ein.

Ihre Mutter lag im Bett, die Beine unter einer weißen Decke. Ihre Arme ruhten an den Seiten, im linken Unterarm steckte eine Infusionsnadel.

Die wenigen Haare auf ihrem Kopf waren hell, sie sahen ganz flauschig aus, wie bei einem Lämmchen. Sie schlief, ja. Der Atem hob und senkte gleichmäßig ihre Brust. Und in dieser Brust lag ihr Herz.

Ein Herz, das noch schlug.

Sveva kniff die Augen zusammen, ihre Beine fühlten sich an, als wären sie im Boden verankert. Ihr Herz war nicht in diesem Körper, sondern lebte in der Erinnerung. In der Erinnerung an ein Lächeln, an Seidentücher und heimliche Küsschen im Schutz einer Decke.

Diese Wärme ihrer Mutter, an die sie sich immer verzweifelt zu klammern versucht hatte.

In Svevas Herz aber lebte auch blanke Wut: auf dieses Vagabundenblut, das durch Ljubas Venen floss und dafür gesorgt hatte, dass sie zeitlebens so unstet gewesen war; auf die Einsamkeit, die Sveva von jeher in ihrem Inneren verspürte und nicht aufzulösen vermochte.

Und nun war es zu spät.

Die Wörter flogen in ihrem Kopf durcheinander, und es gelang ihr nicht, sie zu ergreifen. Wo war das Wort für Einsamkeit? Das für abgewiesene Liebe? Wo war der Lauf ihres Lebens so jäh unterbrochen worden, dass er nun nicht mehr wiederherzustellen war? Zu viele Jahre hatte sie schweigend in ihrem Schmerz verbracht, während sie nach außen vorgab, alles wäre gut. Aber wenn dein Lächeln unecht ist und du in der Stille deines Zimmers heimliche Tränen vergießt, dann ist gar nichts gut. Du bist nicht du selbst. Reden hilft nicht, Schreien hilft nicht. Niemand hört dir zu. Also bleibt dir nur ein Lächeln. Glauben kannst du an gar nichts mehr, aber lächeln. Immerzu.

Ihre Schwester Sasha saß neben dem Bett. Den Kopf in die darauf verschränkten Arme gelegt.

Sie hatte sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen und wünschte, dass all diese Zeit niemals vergangen wäre. Zeit, in der viele Dinge geschehen waren, unter anderem Reynauds Tod. Sein Wagen war ins Schleudern geraten und dann die Felsen hinuntergestürzt.

Er, dem im Leben kein Risiko zu groß gewesen war, hatte Ljuba so sehr geliebt und immer geglaubt, er sei für sie der einzige Mann. Doch er hatte sie nicht zu fassen bekommen, flüchtig wie der Wind war sie ihm entwischt.

Sasha war die Frucht ihrer Liebe, dieser Liebe zwischen Rom und Paris, bestehend aus atemlosen Wochenenden, Sex und nicht gehaltenen Versprechen.

Sasha, große Schwester, Ärztin; die Frau, die Sveva niemals sein würde.

Denn es gab diesen einen beträchtlichen Unterschied zwischen ihnen: Sasha hatte ihren Vater gekannt, Sveva den ihren nicht. Und er hatte auch nie nach ihr gesucht.

Sasha hob leicht den Kopf, ihre Augen waren geschwollen, und zwei tiefe Falten zogen sich von ihren Mundwinkeln hinunter. Sie sah Sveva an, und ihre Augen füllten sich mit Tr

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