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Das gläserne Paradies von Durst-Benning, Petra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.08.2012
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Das gläserne Paradies

Das erlebt die junge Wanda am eigenen Leib, als sie 1911 zu ihrer Glasbläserfamilie in den Thüringer Wald zurückkehrt: Das gläserne Paradies ist in Gefahr, denn eine der wichtigsten Glashütten soll verkauft werden. Wanda versucht, mit allen Mitteln zu helfen. Doch was als vielversprechende Rettungsaktion gedacht war, endet fast in einer Katastrophe ...
Das erlebt die junge Wanda am eigenen Leib, als sie 1911 zu ihrer Glasbläserfamilie in den Thüringer Wald zurückkehrt: Das gläserne Paradies ist in Gefahr, denn eine der wichtigsten Glashütten soll verkauft werden. Wanda versucht, mit allen Mitteln zu helfen. Doch was als vielversprechende Rettungsaktion gedacht war, endet fast in einer Katastrophe ...

Petra Durst-Benning ist eine internationale Bestsellerautorin. Seit ihrem Debütroman begeistern ihre mutigen Frauenfiguren die Leserinnen und laden sie zu großen Abenteuern ein. Viele ihrer Romane werden verfilmt. Petra Durst-Benning lebt mit ihrem Mann bei Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 10.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843704083
    Verlag: Ullstein
    Größe: 3339 kBytes
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Das gläserne Paradies

2. K APITEL

Nachdem sich ihr Aufenthalt im Sonneberger Rathaus so lange hingezogen hatte, war der Zug, der die drei nach Lauscha hätte bringen sollen, längst abgefahren. Bis der nächste Zug fuhr, blieb ihnen noch eine gute Stunde Zeit. Johanna schlug vor, in eine nahe gelegene Wirtschaft zu gehen. Wanda hätte lieber auf dem Bahnsteig gewartet, willigte aber schließlich ein. Es war zwar ein sonniger Tag, doch der Wind kam aus Osten und war frisch - zu frisch, um sich mit einem Säugling über eine Stunde lang auf einem zugigen Bahnsteig die Beine in den Bauch zu stehen.

"Puh, das wäre geschafft!" Johanna umklammerte ihre Kaffeetasse, als befände sich darin das kostbarste Lebenselixier.

"Was für ein schrecklicher Mensch!" sagte sie zwischen zwei Schlucken. "Dieser unverschämte Ton - unter anderen Umständen hätte der etwas von mir zu hören bekommen! Nun ja, was soll's ..." Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. "Jedenfalls haben wir erreicht, was wir wollten. Du bist Mutter, und ich weiß nicht, ob ich dir dazu gratulieren soll! Herr im Himmel, wo du noch nicht einmal volljährig bist ..." Ein tiefer Seufzer folgte.

"Aber in einem Jahr bin ich's!" sagte Wanda. Nachdem sie sich versichert hatte, daß Sylvie noch immer selig in ihrem Kinderwagen schlief, trank auch sie in Ruhe ihren Kaffee. Früher hatte sie das schwarze Gebräu nicht ausstehen können, aber in den Monaten, in denen sie bei Johanna und ihrer Familie gelebt hatte, änderte sie ihre Meinung. Eine Tasse Kaffee war für sie nun nicht mehr ein etwas bitteres Heißgetränk, sondern bedeutete ein bißchen Luxus in einem sonst nicht gerade luxuriösen Haushalt. Wanda schloß für einen Moment die Augen. Als sie die Lider wieder hob, sah sie, daß Johanna leise weinte.

"Wenn Marie nur nicht mit diesem schrecklichen Mann auf und davon gegangen wäre!" brach es unvermittelt aus ihr hervor. Sie preßte eine Hand vor den Mund und blinzelte heftig.

"Ach, Tante ...", sagte Wanda hilflos. Sie vermißte Marie so sehr, daß es weh tat, und hätte manchmal vor Wut über ihr Schicksal toben können. Warum ausgerechnet sie?

Marie, die Glasbläserin, deren Gesicht stets mit einem Hauch Glitzerstaub überzogen war. Marie, mit ihrer Gier nach Leben! Verscharrt in einer Steinwand auf einem Friedhof in Genua.

Nur eine Handvoll Menschen hatte der Beerdigung beigewohnt. Alles war eiligst in die Wege geleitet worden, das sähen die italienischen Gesetze so vor, hatte die Contessa Wanda erklärt. Doch sicher hatte die Eile eher damit zu tun gehabt, daß Francos Familie zusammen mit Marie auch alle unangenehmen Fragen seitens der örtlichen Behörden begraben wollte.

"Und dann diese Geschichte heute! Jetzt gibt es kein Zurück mehr, das ist dir doch wohl klar?" platzte Johanna in Wandas Gedanken und wischte sich die Tränen fort. "Mir wäre ehrlich gesagt wohler gewesen, wenn wir mit dem Gang aufs Amt gewartet hätten, bis deine Mutter da ist. Ich meine, eigentlich hätte sie ja in dieser Angelegenheit auch noch ein Wörtchen mitzureden gehabt, oder?" Sie verdrehte die Augen. "Herrje, Ruth wird mir die Hölle heiß machen, das weiß ich jetzt schon."

"Das wird sie nicht", erwiderte Wanda müde. Sie tippte neben sich auf die gepolsterte Bank, wo ihre Handtasche stand. "Diese Geburtsurkunde schützt Sylvie vor Franco und seiner Familie, jetzt kann niemand mehr daherkommen und uns das Kind wegnehmen. Genau das hat Marie gewollt. Mutter wird also verstehen, daß ich gar keine andere Wahl hatte."

Johanna schüttelte den Kopf. "Es gibt immer mehr als eine Möglichkeit. Auch Peter und ich hätten die Kleine aufnehmen können, ich meine, immerhin bin ich ihre Tante!" Bei ihren letzten Worten zitterte ihre Unterlippe schon wieder verdächtig.

Wanda legte eine Hand auf ihren Arm. "Sylvie braucht uns alle, wir alle werden uns um die Kleine kümmern! Aber ich habe doch tagsüber viel mehr Zeit für sie als du. Und w

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