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Das Glück der kleinen Augenblicke Roman von Montasser, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2018
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Das Glück der kleinen Augenblicke

Es gibt diese Tage, die alles verändern. Einen solchen erlebt die Lektorin Marietta Piccini, als ihr ein herrenloses Manuskript in die Hände fällt. Es ist die Geschichte von Paul Swift, eines jungen Mannes, der durch eine kleine Unbedachtsamkeit alles Unglück der Welt auf sich gezogen hat. Was immer ihm aber widerfährt - er ist mit dem Talent gesegnet, stets das Gute darin zu sehen! Zunehmend fasziniert liest sie weiter und erkennt, dass der Held der Geschichte der unbekannte Autor selber ist! Marietta macht sich auf die Suche nach ihm und erlebt am Ende eine wunderbare Überraschung ...

Thomas Montasser arbeitete als Journalist und Universitätsdozent und war Leiter einer kleinen Theatertruppe. Mit den Romanen 'Ein ganz besonderes Jahr' und 'Monsieur Jean und sein Gespür für Glück' wurde er über Nacht international bekannt. Als Vater von drei Kindern lebt er mit seiner Familie in München, wo er mit seiner Frau eine kleine, aber feine Literaturagentur betreibt. Er liebt Swing, alte Bücher und Frühstück im Freien. Es gibt für ihn nichts Erholsameres, als ein gutes Buch zu lesen (außer natürlich: eines zu schreiben).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 01.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975919
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 31238
    Größe: 3386 kBytes
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Das Glück der kleinen Augenblicke

ZWEI

Wie so oft hatte sich Marietta Piccini festgelesen. Sie hatte eigentlich nur für einige kurze Recherchen den großen Lesesaal der London Library aufgesucht, denn wie nicht anders zu vermuten war die junge Lektorin, die aus Gründen des Studiums nach London gegangen und dann aus Gründen der Liebe geblieben war, überaus gewissenhaft und ließ ihren Autoren keine Undeutlichkeiten und schon gar keine Ungenauigkeiten durchgehen. Zurzeit bearbeitete sie ein Manuskript für Raven Press, eine kurze Geschichte der Irischen See in Form eines verschollenen (und schließlich auf einem Leuchtturm im Norden der Isle of Skye aufgetauchten natürlich rein fiktiven) Logbuchs. Miss Piccini liebte solche Geschichten, in denen Phantasie und Realität auf traumtänzerische Weise ineinander verflochten waren. Allerdings schätzte sie es nicht, wenn an dem beschriebenen Ort nicht nur kein Leuchtturm stand, sondern ein Heizkraftwerk, oder wenn die handelnden Personen den falschen Akzent sprachen. Auch entsprach die Form des Logbuchs keineswegs den gebräuchlichen Formen von Logbüchern aus der betreffenden Zeit. Miss Piccinis unbestechliches Auge entdeckte jeden Mangel, jeden Makel, und sie suchte und fand auch meist Lösungen, die sie den Autoren gerne so verkaufte, dass diese das Gefühl hatten, sie seien selbst auf die Verbesserungsvorschläge gekommen. Denn es versteht sich von selbst, dass Marietta Piccini ein weiches Herz und alles Verständnis der Welt für die kleinen (und manchmal auch größeren) Fahrlässigkeiten der schreibenden Zunft hatte, von ihren Nöten ganz zu schweigen.

Dennoch war sie mit ihrer Arbeit an jenem Tag nicht zufrieden. Wichtige Werke, die sie hätte zurate ziehen wollen, waren nicht am Lager verfügbar, ihr Lieblingstisch im Lesesaal war besetzt - und in der Cafeteria hatte man sich - vermutlich aus Anlass irgendeines Jubiläums - dazu hinreißen lassen, eine Italienische Woche auszurufen. Das hieß: was Engländer eben für italienisch hielten. Und so sah sich Marietta Piccini in ihrer kleinen Pause, die sie sich täglich zwischen zwölf Uhr mittags und dreizehn Uhr gönnte, mit Strawberry-Tiramisu und Cream-Cappuccino konfrontiert. Gewiss Köstlichkeiten, aber für den italienischen Gaumen ungenießbar.

Die junge Lektorin beschloss, ihre Arbeit an diesem Tag im Freien fortzusetzen, denn es war einer der wenigen lieblichen Sommertage, die es in der Stadt gab, und gegenüber der Bibliothek lag ein bezaubernder kleiner Park, auf dessen Bänken sie zu lesen liebte. Während sie aber die Stufen vor dem Haupteingang der Library hinabstieg, entriss ein unerwarteter Windstoß ihr einen Stapel Papier und fegte ihn über den St. James's Square. Verärgert hastete sie hinterher und sammelte die Blätter wieder ein. Schon war der Wind vorbei und die Sonne lächelte spöttisch auf Marietta Piccini herab, die sich auf die Stufen setzte und ihre Unterlagen sortierte. Waren noch alle Seiten vorhanden? Es dauerte eine Weile, bis sie sich sicher sein konnte, nichts zu vermissen. Sie atmete auf und lehnte sich - ihre Unterlagen mit beiden Armen fest an die Brust gepresst - an das schmiedeeiserne Gitter vor dem Portal, um für einen Moment die Augen zu schließen und das warme Licht ihr Gesicht umspielen zu lassen. Ein wenig fühlte es sich an wie am Strand von Cinqueterre, wo sie in ihrer Kindheit einige Sommer verbracht hatte. Nur dass natürlich der frische Duft des Meeres fehlte, während hier, mitten in der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, beständig der Geruch von Auspuffgasen und in der Mittagssonne brütenden Müllbehältern in der Luft lag.

Plötzlich schob sich ein Schatten vor ihr Gesicht. Als sie die Augen öffnete, stand ein Herr vor ihr, vielleicht ein Mitarbeiter der Bibliothek, vielleicht ein Besucher, der ihr ein ganz und gar durchschnittliches Lächeln schenkte und sagte: »Entschuldigen Sie, Ma'am, ich glaube, das haben Sie auch verloren.« Worauf er ihr eine Mappe re

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