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Das Glück kurz hinter Graceland Roman von Wright, Kim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2018
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Das Glück kurz hinter Graceland

Zwei Frauen, ein Weg, eine Antwort

Cory Ainsworth schlägt sich nach dem Tod ihrer Mutter als Blues-Sängerin durch. Bis sie im alten Schuppen ihres Elternhauses ein Erinnerungsstück der Rock 'n' Roll-Geschichte entdeckt: den Blackhawk, das legendäre Auto von Elvis Presley. Für Cory ist das der langgesuchte Beweis: Elvis muss ihr biologischer Vater sein! Vor 37 Jahren war ihre Mutter Honey Backgroundsängerin beim King persönlich. Alles, was sie weiß, ist, dass Honey nach einem Jahr reumütig nach Hause zurückkehrte, um ihre Jugendliebe zu heiraten. Kurzerhand startet Cory das Auto und fährt dieselbe Route ab, die Honey damals genommen hat. Dabei erfährt sie nicht nur viel über ihre Mutter, sondern auch über Elvis, die 70er und ihren eigenen Platz in dieser Geschichte.

Eine faszinierende Mutter-Tochter-Geschichte – bewegend und mitreißend wie ein Elvis-Song

Kim Wright schreibt für mehrere Lifestylemagazine über Wein, Restaurants und Reisen. Sie ist leidenschaftliche Tänzerin und lebt in Charlotte, North Carolina.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 09.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843716062
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2842kBytes
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Das Glück kurz hinter Graceland

TEIL EINS

Beaufort, South Carolina

CORY

30. Mai 2015

Ich war ein Frühchen und wog 4490 Gramm. Ja, ich weiß. Unmöglich. Aber medizinische Wunder speziell dieser Art sind im ländlichen Süden sehr verbreitet, verstehen Sie. Hier blickt Jesus noch immer von Reklametafeln herab, und den Leuten ist es nach wie vor wichtig, was ihre Nachbarn denken. Wir beten, und wir grüßen einander ... und vor allem lügen wir. Deshalb haben wir auch so viele gute Schriftsteller hervorgebracht und ebenso viele schlechte. Wir alle haben gelernt, die Wahrheit zu verbiegen, kaum dass wir zu sprechen gelernt haben.

Das mag sich schlimm anhören, aber man sollte bedenken, dass die meisten Menschen nur lügen, um etwas zu schützen, was sie lieben, wie ihre Familie oder ihre Würde oder ihren Ruf. Ein Gefühl für Anstand kann durchaus etwas Gutes sein. Bei genauer Betrachtung verfügt die Welt nicht über genug Anstand. Ich erinnere mich, wie meine Großmutter bei einer Gastspielaufführung von Anatevka in Savannah, zu der sie mich mitgenommen hatte, zu weinen anfing und sich die Augen rieb, als sie "Tradition" sangen. Sie sagte zu mir: "Das ist mein Leben, Cory Beth, das bin ich durch und durch. Mit der einen Ausnahme, dass sie Juden sind."

Versetzen Sie sich also in eine Version von Anatevka , wo es zur Tradition gehört, dass man Reis in kleine rosa Netzsäckchen verpackt, bevor man die Braut damit bewirft, dass man das dunkle Fleisch ganz unten im Hähnchensalat vergräbt, damit die Damen vom Gebetskreis nicht denken, man gehöre zum Gesindel, und dass man Leuten, die man eigentlich gar nicht ausstehen kann, Geburtstagsgeschenke schickt, nur weil sie einem 1997 mal eins geschickt haben und nun keiner mehr weiß, wie man aus diesem Teufelskreis rauskommt. Ganz genau. Versetzen Sie sich in ein Irrenhaus, wo man sehr höflich miteinander umgeht, und Sie bekommen ein Gefühl dafür, wie ich groß geworden bin.

Beaufort, South Carolina, das ist der Alte Süden. Nicht vergleichbar mit Atlanta und seinem Hip-Hop oder Charlotte mit seinen Banken oder Florida mit Walt Disney und all den Serienmördern. Das ist eine völlig andere Welt. Das ist der Teil des Südens, der mehr oder weniger den Krieg gewonnen hat, und die Menschen vergessen gern, dass der Rest von uns auch noch existiert. Wir sind nichts weiter als ein Ort, durch den man fährt, wenn man anderswohin unterwegs ist. Sind die Leute gezwungen, hier anzuhalten, weil sie was benötigen - Benzin oder Feuerwerkskörper oder einen Grill oder Wassermelonen -, kehren sie in ihre Autos zurück und sagen kopfschüttelnd: "Ist das zu fassen?" Sie halten uns für langsam. Aber wir sind gar nicht so langsam. Wir brauchen einfach nur länger für alles. Wir streifen umher, machen Umwege und reden um den heißen Brei herum, und genau das tue ich im Moment wohl auch.

Aber ich will Ihnen etwas mitteilen, und jetzt kommt es: Zu sagen, ich sei sieben Monate und vier Tage, nachdem meine Eltern geheiratet haben, zur Welt gekommen, ist nur eine Rechenvariante. Eine andere wäre, zu sagen, ich sei sieben Monate und neun Tage, nachdem meine Mama Graceland verlassen hatte, geboren worden. In wahnsinniger Eile war sie nach Hause gerast, weil ihr plötzlich klar geworden war, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Vielleicht hätte sie doch nicht als Backgroundsängerin auf Tour gehen und sich die Haare schwarz färben und die Augen schminken und den strahlenden Lichtern des Rock 'n' Roll hinterherjagen sollen. Vielleicht wäre sie besser zu Hause geblieben und hätte den Jungen von nebenan geheiratet, den, der sie so sehr liebte, dass er ihr noch am selben Abend, als sie beide ihren Highschoolabschluss von der Leland Howey High in der Tasche hatten, einen Heiratsantrag machte. Aber das hatte sie damals nicht begriffen. Sie war blind dafür gewesen, dass ihr wahres Schicksal direkt vor ihr stand. Sie war achtzehn, und sie musste sich etwas beweisen.

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