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Das Glück mit dir von Tuck, Lily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2012
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Das Glück mit dir

Nina bereitet das Abendessen vor, als ihr Mann Philip nach Hause kommt und sich für einen Moment hinlegt - nur wenig später findet sie ihn tot. Für Nina beginnt eine Nacht des Abschiednehmens, eine letzte Nacht, in der sie allein sein will mit ihrem Mann. Sie waren ein gegensätzliches Paar, er Mathematiker, sie Künstlerin. Doch gerade das machte ihr gemeinsames Leben so reich. Schlaglichtartig lässt Nina ihr Leben mit Philip an sich vorüberziehen, sie erinnert sich an überwältigende Glücksmomente, intime Augenblicke, an ihre erste Begegnung, das erste Gespräch, den Frühling in Paris, die Ferien am Meer - bis die Nacht in einen neuen Morgen übergeht, in einen klaren Tag ... Lily Tuck, geboren 1938 als Tochter deutscher Emigranten in Paris, verbrachte ihre Kindheit in Peru, Uruguay und New York, wo sie heute mit ihrer Familie lebt. 1991 erschien ihr erster Roman Interviewing Matisse , weitere Romane folgten. Für The News from Paraguay ( Die französische Geliebte , it 4170) erhielt sie den National Book Award.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 223
    Erscheinungsdatum: 17.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458789307
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: I Married You for Happiness
    Größe: 1560 kBytes
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Das Glück mit dir

Seine Hand wird langsam kalt; sie hält sie immer noch, sitzt an seinem Bett, weint nicht. Von Zeit zu Zeit legt sie ihre Wange an seine, holt sich ein wenig Trost aus der Berührung mit den Bartstoppeln. Sie spricht auch ein bisschen mit ihm.

Ich liebe dich, sagt sie.

Ich werde dich immer lieben.

Je t'aime , sagt sie.

Für den Abend ist Regen vorhergesagt, und sie hört, wie der Wind draußen auffrischt. Er fährt durch die Äste der Eichen, und irgendwo am Haus schlägt ein Fensterladen, und dann noch einmal. Sie darf nicht vergessen, ihn zu bitten, den Laden zu reparieren – nein, erinnert sie sich. Ein Auto fährt vorbei, das Radio spielt laut einen Heavy-Metal-Song, dessen Worte sie nicht versteht. Teenager. Wie wenig sie wissen, wie wenig sie ahnen, was das Leben für sie bereithält – oder der Tod.

Vielleicht sind sie betrunken oder bekifft. Sie stellt sich die über den Nachthimmel jagenden Wolken vor, die die Sterne halb verbergen, und das Auto, das die unbefestigte Straße hinunterrast und Steine hinter sich aufspritzen lässt wie Schüsse. Ein Schrei. Ein Fenster wird heruntergekurbelt und eine Bierdose hinausgeworfen, die sie morgen früh aufsammeln wird. Sie ärgert sich darüber, ihn kümmert es nicht groß, und auch das macht sie wütend.

Eine Melodie geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. Irgendwie kommt sie ihr bekannt vor, aber sie ist nicht musikalisch. Sing! , neckt er sie manchmal, sing doch etwas! Er lacht, und dann singt er selbst. Er hat eine schöne Stimme.

Sie beugt sich vor, um die Worte mitzubekommen:

Anything can happen on a summer afternoon,

On a lazy dazy golden hazy summer afternoon.

Fast ist sie versucht zu lachen – Lazy? Dazy? Wie dumm dieses Lied klingt. Und wie lange ist es her, seit sie es gehört hat? Dreißig, nein, vierzig Jahre. Das Lied, das er gesungen hat, als er sie umwarb, ein Lied, das sie davor und danach kaum jemals gehört hat. Sie fragt sich, ob es das Lied wirklich gibt oder ob er es erfunden hat. Sie möchte ihn danach fragen.

Behutsam dreht sie mit dem Zeigefinger an dem goldenen Reif an seinem Ringfinger. Ihr eigener Ring ist schmaler. Auf der Innenseite stehen in geschwungener Schrift ihre Namen: Nina und Philip . Im Laufe der Zeit haben sich die Buchstaben abgenutzt zu Nin und Phi i . Wie mathematische Symbole sehen ihre Namen nun aus – sehr passend.

Sein Ring ist ungraviert. Das Original ist ihm vom Finger gerutscht und im Atlantik verschwunden, als er an einem Sommernachmittag allein vor der bretonischen Küste segelte.

A lazy dazy golden hazy ... die Melodie will ihr nicht aus dem Kopf gehen.

Morgens, wenn er zur Arbeit aufbricht, küsst Philip sie zum Abschied, und abends, wenn er heimkommt, küsst er sie zur Begrüßung. Er küsst sie auf den Mund. Sein Kuss ist nicht leidenschaftlich, manchmal allerdings verspielt, dann schiebt er, wie als eine Art Erinnerung, die Zunge in ihren Mund. Meistens ist der Kuss zärtlich, freundschaftlich.

Wie war dein Tag?, fragt er.

Sie zuckt mit den Schultern. Irgendwas liegt immer im Argen: ein kaputtes Gerät, eine undichte Stelle, ein Maulwurf, der im Garten herumwühlt. Zum Malen hat sie nie genug Zeit gehabt.

Und deiner?, fragt sie.

Was hat er darauf geantwortet?

Gut?

Er ist Optimist.

Wir hatten eine Fakultätssitzung. Du solltest hören, wie diese jungen Physiker reden! Philip schüttelt den Kopf, tippt sich mit dem Finger an die Stirn. Verrückt, sagt er.

Aber Philip ist nicht verrückt.

Trotz des alten Spruches – von wem war der gleich? –, dass Mathematiker die

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