text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das Gold des Meeres Historischer Roman von Wolf, Daniel (eBook)

  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Gold des Meeres

Die Fortsetzung der großen Spiegel-Bestseller 'Das Salz der Erde' und 'Das Licht der Welt'. Varennes-Saint-Jacques 1260: Die Gebrüder Fleury könnten verschiedener nicht sein. Während Michel das legendäre kaufmännische Talent seines Großvaters geerbt hat und das Handelsimperium der Familie ausbaut, träumt Balian von Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld. Doch das Schicksal hat andere Pläne mit ihm. Nach dem Tod seines Bruders muss Balian die Geschäfte plötzlich allein führen. Es kommt, wie es kommen muss: Bald steht die Familie vor dem Ruin. Balian sieht nur noch eine Chance: Eine waghalsige Handelsfahrt soll ihn retten. Das Abenteuer führt ihn und seine Schwester Blanche bis ans Ende der bekannten Welt - und einer seiner Gefährten ist ein Mörder ... Die Abenteuer der Familie Fleury gehen weiter - lesen Sie die Vorgeschichte von Balian Fleury in der E-Only-Zusatzgeschichte 'Der Vasall des Königs'. Daniel Wolf ist das Pseudonym von Christoph Lode. Der 1977 geborene Schriftsteller arbeitete zunächst u.a. als Musiklehrer, in einer Chemiefabrik und in einer psychiatrischen Klinik, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Mit den historischen Romanen "Das Salz der Erde", "Das Licht der Welt" und "Das Gold des Meeres" gelang ihm der Sprung auf die Bestsellerlisten. Der Autor lebt in Speyer.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 672
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641166465
    Verlag: Goldmann
    Serie: Michel de Fleury Bd.3
    Größe: 1807 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Gold des Meeres

Prolog

Mai 1256

B alian dankte Gott und allen Heiligen, als er in London von Bord ging. Die Überfahrt von Calais hatte wegen des flauen Windes ewig gedauert, und sein Bruder und er auf einem beengten Schiff - das ging nicht lange gut. Viel hatte nicht gefehlt, dass einer den anderen ins Meer geworfen hätte.

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Balian atmete tief durch und roch den Gestank der riesigen Stadt, betrachtete das Gewirr aus Gassen und Hütten, das sich jenseits der Kais erstreckte. Ihr Schiff lag am Hafen von Billingsgate, das schmutzige Wasser der Themse umspülte den Rumpf. Es wirkte klein und bescheiden gegen die beiden bauchigen Koggen zu ihrer Rechten, doch für ihre Zwecke genügte es. Die Knechte brachten soeben die Wagen an Land und spannten die Ochsen vor. Hafenarbeiter löschten die Ladung: Tuchballen und Moselweine, vor allem aber das begehrte Salz aus ihrer Heimatstadt Varennes-Saint-Jacques im fernen Lothringen.

Michel dirigierte die Männer mit befehlsgewohnter Stimme. Immer selbstbewusst, niemals unsicher, dachte Balian missmutig und wünschte, er könnte genauso souverän auftreten wie sein älterer Bruder. Auf Michel hörten die Leute, sie hingen geradezu an seinen Lippen. Wenn dagegen Balian etwas sagte, wurde es meist belächelt. Er war das schwarze Schaf der Familie Fleury, ein Versager und Tunichtgut, das ließ man ihn bei jeder Gelegenheit spüren.

"Balian!" Sein Bruder rief nach ihm.

Balian sah, dass soeben Clément Travère von Bord ging. Ihr Schwager, der Gemahl seiner Zwillingsschwester Blanche, war Michels fattore und unternahm normalerweise die Handelsfahrten, während Michel das Familiengeschäft von der heimischen Schreibstube aus leitete. Diesmal war Michel ausnahmsweise mitgekommen, denn wichtige Geschäfte standen an.

Die Hand auf dem Schwertknauf, schritt Balian zu den beiden Männern.

"Ich habe alles überprüft", berichtete Clément. "Die gesamte Ware ist draußen."

"Gut", sagte Michel. "Wir gehen heute nicht auf den Markt, das lohnt sich nicht mehr. Wir bringen die Ware zur Guildhall und gehen morgen in aller Frühe. Einverstanden?"

"Das erscheint mir sinnvoll", antwortete Clément.

"Da kommt der Büttel des Sheriffs. Wo habe ich denn die Privilegienbriefe ...? Ah, hier." Michel förderte ein Bündel Pergamente zutage.

Balian überließ ihn seinen höchst wichtigen Aufgaben und half den Knechten, die Fässer und Tuchballen auf den Wagen zu verstauen. Körperliche Arbeit zog er stets den lästigen Pflichten eines Kaufmanns vor. Das Schachern mit Vertretern der Obrigkeit war ihm ein Graus, ganz im Gegensatz zu Michel, der beim Verhandeln in seinem Element war.

Balian dachte oft darüber nach, wieso Gott ihre Talente so ungleich verteilt hatte. Michel kam ganz nach ihrem legendären Großvater. Seit er das Familiengeschäft von ihrer greisen Großmutter übernommen hatte, führte er es mit Umsicht und Geschick. Obwohl erst achtundzwanzig Jahre alt, galt er bereits als einer der besten Kaufleute Varennes'. Niemand zweifelte daran, dass er einmal Großes vollbringen würde. Und die Frauen - sie lagen ihm zu Füßen. Trotzdem hatte er bisher nicht geheiratet. Michel schätzte seine Freiheit.

Balian hingegen lag niemand zu Füßen. Alles an ihm war mittelmäßig - seine Intelligenz, seine kaufmännische Befähigung, sogar sein Aussehen, denn Blanche hatte die ganze Schönheit ihrer Mutter geerbt, sodass für ihn nicht allzu viel übrig geblieben war. Kupferfarbenes, kinnlanges Haar, das er meist hinter die Ohren strich; leidlich breite Schultern und ein Allerweltsgesicht, das man rasch vergaß - das war Balian der Gewöhnliche. Manchmal wünschte er, er könnte seinen mit zahllosen Gaben gesegneten Bruder hassen. Aber natürlich tat er das nicht. Er liebte Michel. Jeder liebte Michel.

Oh, er hatte gegen sein Schicksal aufbegehrt, immer wieder -

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen