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Das große Opfer von Trott, Magda (eBook)

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Das große Opfer

Die schwarz ausgeschlagene Kapelle vermochte die Hereinströmenden kaum mehr aufzunehmen, und noch immer rollten Wagen und Automobile heran, immer hastiger strömten die schwarz Gekleideten in den Raum, in dem die sterblichen Überreste des berühmten Professors Maximilian Roscher aufgebahrt waren. Wer nur irgendwie mit dem Dahingegangenen Fühlung genommen hatte, war erschienen, teils aus wahrhafter Anteilnahme, teils aus Neugierde. Man wollte dabei sein, wenn man den Sarg des größten Malers der Gegenwart den Flammen übergab. In einiger Entfernung des Sarges, um den man in großem Bogen die kostbarsten Kränze gelegt hatte, standen die Abgeordneten der Akademie der Künste, der Kunstvereine, die Gesandten von Staat und Stadt, zahlreiche Studentenverbindungen mit schwarz umflorten Fahnen; alle waren gekommen, um Meister Roscher die letzte Ehre zu erweisen. Rechts und links des blumenübersäten Sarges hatte man einige Stühle aufgestellt. Sie waren noch leer, die Angehörigen des Toten waren bisher nicht erschienen. In feierlichem Schweigen harrte ihrer die Trauergesellschaft. Nun kam eine leise Bewegung in die Massen, ehrfurchtsvoll wich man zur Seite. Am Arm ihres ältesten Sohnes Dietrich erschien die Witwe des Dahingeschiedenen, Frau Professor Melanie Roscher. Sie war tief verschleiert, so daß es niemandem gelang, einen Blick in ihr Antlitz zu werfen. Die überaus hohe, imponierende Erscheinung, mit dem aufrechten, hoheitsvollen Gang wirkte fesselnd. Kaum hätte man glauben können, daß sie eine in Trauer Gebrochene war. Schon immer hatte Melanie Roscher durch ihr königliches Auftreten allgemeines Aufsehen erregt, heute aber wirkte sie in ihrer schwarzen Witwentracht geradezu majestätisch. Nicht minder imponierend war die Erscheinung des ältesten Sohnes Dietrich, der sich in seiner stattlichen Größe mit der Mutter messen konnte. Auf breiten Schultern saß ein männlich schönes, ruhigernstes Antlitz, ein echter Germanentyp. Die großen blauen Augen schienen allerdings etwas verschleiert, und als er jetzt den Sarg anschaute, ging ein leises Zittern über seine Züge. Mit hastiger Bewegung strich die schwarz bekleidete Hand über den prächtigen blonden Vollbart. In liebevoller Zärtlichkeit geleitete er die Mutter zu dem angewiesenen Platze, dann schaute er rückwärts auf die sich langsam nähernden Geschwister. Armin Roscher führte seine Schwester Gerlinde. Auch hier wieder zwei schöne, hochgewachsene Menschen, aber während Frau Melanie und Dietrich in voller Ruhe, mit ... Magda Trott lebte von 1880 bis 1945 und war eine deutsche Schriftstellerin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 217
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783749451487
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 777 kBytes
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Das große Opfer

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Die schwarz ausgeschlagene Kapelle vermochte die Hereinströmenden kaum mehr aufzunehmen, und noch immer rollten Wagen und Automobile heran, immer hastiger strömten die schwarz Gekleideten in den Raum, in dem die sterblichen Überreste des berühmten Professors Maximilian Roscher aufgebahrt waren. Wer nur irgendwie mit dem Dahingegangenen Fühlung genommen hatte, war erschienen, teils aus wahrhafter Anteilnahme, teils aus Neugierde. Man wollte dabei sein, wenn man den Sarg des größten Malers der Gegenwart den Flammen übergab.

In einiger Entfernung des Sarges, um den man in großem Bogen die kostbarsten Kränze gelegt hatte, standen die Abgeordneten der Akademie der Künste, der Kunstvereine, die Gesandten von Staat und Stadt, zahlreiche Studentenverbindungen mit schwarz umflorten Fahnen; alle waren gekommen, um Meister Roscher die letzte Ehre zu erweisen. Rechts und links des blumenübersäten Sarges hatte man einige Stühle aufgestellt. Sie waren noch leer, die Angehörigen des Toten waren bisher nicht erschienen. In feierlichem Schweigen harrte ihrer die Trauergesellschaft.

Nun kam eine leise Bewegung in die Massen, ehrfurchtsvoll wich man zur Seite.

Am Arm ihres ältesten Sohnes Dietrich erschien die Witwe des Dahingeschiedenen, Frau Professor Melanie Roscher. Sie war tief verschleiert, so daß es niemandem gelang, einen Blick in ihr Antlitz zu werfen. Die überaus hohe, imponierende Erscheinung, mit dem aufrechten, hoheitsvollen Gang wirkte fesselnd. Kaum hätte man glauben können, daß sie eine in Trauer Gebrochene war. Schon immer hatte Melanie Roscher durch ihr königliches Auftreten allgemeines Aufsehen erregt, heute aber wirkte sie in ihrer schwarzen Witwentracht geradezu majestätisch.

Nicht minder imponierend war die Erscheinung des ältesten Sohnes Dietrich, der sich in seiner stattlichen Größe mit der Mutter messen konnte. Auf breiten Schultern saß ein männlich schönes, ruhigernstes Antlitz, ein echter Germanentyp. Die großen blauen Augen schienen allerdings etwas verschleiert, und als er jetzt den Sarg anschaute, ging ein leises Zittern über seine Züge. Mit hastiger Bewegung strich die schwarz bekleidete Hand über den prächtigen blonden Vollbart. In liebevoller Zärtlichkeit geleitete er die Mutter zu dem angewiesenen Platze, dann schaute er rückwärts auf die sich langsam nähernden Geschwister.

Armin Roscher führte seine Schwester Gerlinde.

Auch hier wieder zwei schöne, hochgewachsene Menschen, aber während Frau Melanie und Dietrich in voller Ruhe, mit würdigen, gemessenen Schritten einhergingen, hielt Gerlinde den Bruder öfters zurück, als sei es ihr unmöglich, auch nur noch einen Schritt vorwärts zu gehen. Die ergriffenen Zuschauer bemerkten, daß der Körper des jungen Mädchens von verhaltenem Weh geschüttelt wurde und daß Armin Roscher alle Energie aufbieten mußte, um die fassungslose Schwester zu dem angewiesenen Platze zu geleiten.

Der Roscherschen Familie schlossen sich die übrigen Verwandten an. Es war eine beträchtliche Anzahl, aber das Interesse aller wandte sich doch immer wieder jenen vier Menschen zu, die jetzt in schweigendem Schmerz, mit gesenkten Häuptern, auf den blumenübersäten Sarg schauten. Leise und schwermütig hauchte die Orgel ihre wehmütige Klage aus, dann betrat der Geistliche das Podium am Kopfende des Sarges. Es blieb wohl kaum ein Auge trocken, als er in herzlichen und schönen Worten dem Toten die letzten Worte sagte. Er pries Maximilian Roscher als einen echten Christen, als einen Menschen, der ein Leben beschlossen hatte, das reich an Güte, Edelmut, Liebe und Fleiß gewesen war. Er sprach von dem Manne, der in seiner Familie so selten glücklich gelebt, er sprach von dem Edlen, der auch nach außen hin Glück gespendet und Liebe entgegengenommen hatte. Ein Mann wie Professor Roscher konnte mit demselben stolzen Gesicht, das man im Leben an ihm kannte, vor den allmächtigen Richter treten, man würde ihn auch in der ande

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