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Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten Roman von Jacobs, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.11.2017
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

Seit Jahrhunderten in Familienhand, verloren und wiedergefunden - ein Gutshaus, eine Familie und ein dramatisches Schicksal ...
Franziska kann es nicht glauben: Endlich ist sie wieder in ihrer Heimat auf Gut Dranitz. In den Wirren des zweiten Weltkriegs musste sie das herrschaftliche Anwesen im Osten verlassen. Lange gab es keinen Weg zurück. Trotzdem ließ sie die Sehnsucht nicht mehr los. Nie konnte sie die glanzvollen Zeiten vor dem Krieg vergessen, ihre Träume und Wünsche von einem Leben an der Seite ihrer großen Liebe Walter Iversen. Alles schien möglich. Doch der Krieg trennte die Liebenden und machte ihre Träume zunichte. Aber Franziska gab die Hoffnung nie auf ...

Anne Jacobs begeisterte bereits mit ihrer Trilogie um Die Tuchvilla die Leser und stürmte die Bestsellerlisten. Mit "Das Gutshaus" knüpft sie an ihre Erfolgstrilogie an und erzählt von einem alten herrschaftlichen Gutshof in Mecklenburg-Vorpommern und vom Schicksal seiner Bewohner in bewegten Zeiten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 13.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641183271
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 2092 kBytes
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Das Gutshaus - Glanzvolle Zeiten

Franzi

November 1939

Der Frühnebel lag auf den abgeernteten Feldern wie eine milchige Schicht, waberte im Wind, ließ von Zeit zu Zeit eine Gruppe ahnungslos äsender Rehe sehen. Herbstbuntes Buschwerk ragte aus dem weißlichen Grund wie Inseln im wogenden Nebelmeer. Franziska ging als Letzte der Dreiergruppe, blieb immer wieder stehen, um die morgendliche Stimmung auf sich wirken zu lassen, die Feuchte des Nebels zu spüren, den pilzigen Geruch zu atmen, der vom Wald herüberwehte. Hinter ihnen erklangen jetzt Pferdehufe, das Gerassel einer Kutsche. Das war der Inspektor, der die "alten Herren" zum Hochsitz am Waldrand fuhr.

"Hoffentlich hat Großvater Wolfert diesmal seine Brille dabei", sagte Jobst grinsend. "Letztes Jahr hat er lauter Streifschüsse gesetzt und einen Hund getroffen."

Franziska schwieg - sie hatte es dem Großvater nicht verzeihen können. Ihre Hündin Maika ging seither lahm, sie hatte nur mit knapper Not überlebt, weil der Schuss ihr einen Hinterlauf zerschmettert hatte. Die beiden Geschwister mussten beiseitetreten, um die offene Kutsche mit den beiden Großvätern vorbeizulassen. Mamas Brüder, Onkel Bodo und Onkel Alwin, saßen ebenfalls im Wagen. Alle trugen regenfeste Jacken und Hüte, die schon so manche Jagd erlebt hatten. Onkel Alexander winkte ihnen zu, er war seit dem vergangenen Jahr noch dicker geworden.

"Alte Leute mit schwachen Augen sollten überhaupt nicht mehr jagen", meinte Brigitte.

"Erklär das mal Großvater Wolfert." Jobst lachte. "Der wird dir sagen, dass er schon Zwölfender geschossen hat, als du noch in den Windeln lagst."

Jobst unternahm einen vorsichtigen Versuch, seiner Verlobten den Arm um die Schultern zu legen, sie entzog sich ihm jedoch mit Blick auf Franziska. Ein junges Paar durfte bis zum Hochzeitstag so gut wie niemals miteinander allein sein, daher hatte Mama dafür gesorgt, dass Franziska ihren Bruder Jobst und seine Verlobte Brigitte von Kalm als Anstandsdame begleitete.

Franziska war erst neunzehn, sie fühlte sich grauenhaft in dieser Rolle. Überhaupt mochte sie diese Treibjagden nicht, bei denen das Wild den Jägern schussgerecht vor die Flinten gehetzt wurde. Viel schöner war es, am frühen Morgen allein mit dem Vater durch den Wald zum Hochsitz zu gehe n. Dann spürte man das taufeuchte Gras, roch den süßen und würzigen Atem der Pflanzen, hörte mit geschärftem Ohr den Tritt eines Rehbocks im Vorjahreslaub. Wenn nach langem Warten in der knisternd lebendigen Morgenstille ein Rudel Hirschkühe zögernd die Lichtung betrat, blickte sie in das Gesicht des Vaters, versuchte, seine Absicht zu erraten. Selten schossen sie ein Tier, fast immer saßen sie auf dem Hochsitz, um zu beobachten, den Bestand zu überwachen.

"Der Nebel hebt sich", bemerkte Jobst. "Gott sei Dank. Sonst hätten wir einpacken können."

Sie hatten den Waldrand erreicht und nahmen den Pfad zum Hochsitz am Kreuzweg. Es war kurz vor neun, vermutlich würde bald die Sonne durch die Wolken brechen, dann legten die Treiber los, die jetzt noch mit den Hunden an drei verschiedenen Orten warteten, bis die Jäger ihre Standorte erreicht hatten.

Jobst stieg als Erster die Leiter hoch, Brigitte folgte ihm, ergriff seinen ausgestreckten Arm und ließ sich das letzte Stück hinaufhelfen. Franzi wartete, bis beide halbwegs bequem auf der rohen Holzbank Platz genommen hatten, dann stieg auch sie hinauf in den engen Verschlag. Jobst und Brigitte luden ihre Gewehre, Franziska war ohne Jagdwaffe. Sie hatte wenig Lust, sich an der allgemeinen Schießübung zu beteiligen. Wenn nur ihren Hunden nichts passierte! Oder, was noch schlimmer war: wenn nur keiner der Treiber getroffen wurde. Das passierte immer wieder. Einer ihrer Stallknechte hatte als junger Mann einen Schuss in den Oberschenkel bekommen, ein junger Bauer sollte vor vielen Jahren sogar versehentlich erschossen worden sein. Gewiss sorgte der Gutsherr in solchen Fäl

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