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Das Haus der gefallenen Töchter Historischer Roman von Breuer, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Das Haus der gefallenen Töchter

Verdammt, verstoßen, verachtet – eine junge Heilerin kämpft für Liebe und Freiheit Köln, 1471: Jenna, eine junge Heilerin, wird der Hexerei bezichtigt und aus ihrem Dorf gejagt. Der Gaukler Amando nimmt sich ihrer an, doch die zarte Liebe steht unter keinem guten Stern: Auf einem Streifzug durch die Gassen Kölns wird Jenna des Diebstahls beschuldigt. Sie soll im Haus der gefallenen Töchter auf den rechten Weg zurückgeführt werden. Unter den verstoßenen Frauen der Stadt, schuldig wie unschuldig, trifft Jenna auf die Dirne Ursula. Während Amando versucht, die beiden Frauen aus den Fängen des Hausherrn zu befreien, kämpfen Jenna und Ursula um Gerechtigkeit in einer Zeit, in der es dafür keinen Platz zu geben scheint. Gabriele Breuer, geboren 1970, lebt mit ihrem Mann und Sohn in Köln. Sie arbeitet in einem Seniorenheim und schreibt nur in ihrer Freizeit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843718042
    Verlag: Ullstein
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Das Haus der gefallenen Töchter

1

Gernot, der Schmied des Weilers Buckelmeunt, fegte zornig mit der Hand über das Regal. "So ein überflüssiges Zeug! Ich werde dir zeigen, was deine Bestimmung ist!"

Die sorgfältig aneinandergereihten Tiegel flogen zu Boden und verströmten den herben Duft der Natur. Jenna ballte die Hände hinter dem Rücken und schwieg, um Gernot nicht weiter zu reizen.

"Und nun ab mit dir an die Kochstelle!" Ruppig stieß er seine Frau aus dem Schuppen. Sein Gesicht leuchtete rot vor Zorn. Anstatt den Kiesweg zu benutzen, trampelte er quer durch Jennas Kräutergarten zu dem Eingang ihrer Hütte.

Während Jenna ihm folgte, krampfte sich vor Wut ihr Magen zusammen. Was wusste er schon von der Heilkraft der Pflanzen? Und davon, was sie ihm Gutes tat, wenn sie mit den Kräutern die Mahlzeiten würzte?

Vor dem Eingang griff Gernot nach ihrem Arm und zog sie durch die Tür zu dem Kessel, der sauber und erkaltet an einer Kette über der Feuerstelle hing. Der Blick ihres Mannes war finster. "Kochen, Weib, das ist deine Bestimmung, und mich des Nachts wärmen, sonst nichts." Er schnaubte wie ein Ochse. "Nach getaner Arbeit hat gefälligst das Essen auf dem Tisch zu stehen."

Jenna berührte den Stein, den sie an einem Lederband um ihren Hals trug, und konnte nicht länger stumm bleiben. "Himmel, ich hab doch nur die Zeit vergessen! Was ist so schlimm daran?" Die warme glatte Oberfläche des Ligurs zu spüren, beruhigte sie ein wenig. Sanft umfasste sie den Stein mit den Fingern und rieb daran.

Gernot presste die Lippen zusammen. Er war nicht riesig, aber da Jenna ziemlich klein und zierlich war, musste sie dennoch den Kopf in den Nacken legen, wenn sie zu ihm aufsah. Die kräftigen Arme in der ärmellosen Lederweste waren vom Ruß des Schmiedeofens bedeckt, und auf Gernots Kopf wucherte das dunkelblonde Haar in alle Richtungen. "Ich sag dir, was passiert, wenn du noch einmal die Zeit vergisst." Er hob eine Braue und fasste nach ihrem Kinn, damit sie ihm genau in die Augen sah. "Dann fackele ich deine verdammte Kräuterküche ab." Gernot stieß seine Frau von sich.

Jenna taumelte gegen den Kessel, der sich daraufhin an der Kette drehte. Nun breitete sich doch Angst in ihrem Bauch aus. "Es ... es wird nicht wieder vorkommen." Hastig nahm sie den Holzeimer auf und eilte aus der Küche, um am Keilershof Wasser zu holen.

Die späte Sonne berührte mit ihren goldenen Strahlen bereits das Dach der Scheune, und die Luft roch nach der Gerste, die in voller Ähre auf den umliegenden Feldern stand. Der Keilershof befand sich unweit ihrer Schmiede im Weiler Buckelmeunt vor den Mauern der freien Reichsstadt Köln. Da Gernot dem Bauern hin und wieder Gerätschaften für den Ackerbau schmiedete, durften sie sich im Gegenzug am Brunnen bedienen. Hannes, der Bauer, war ein freundlicher Mann und vor nicht allzu langer Zeit in der Bauerbank vor der Ehrenpforte zum Gebuirmeister berufen worden. Er sorgte auf den Äckern und Höfen vor Köln dafür, dass unter den Bauern alles mit rechten Dingen zuging, hielt den Feldfrevel im Auge und die Wege passierbar.

Jenna holte tief Luft und schluckte ihren Ärger hinunter. Als sie vor dem Brunnen stand und sich mal wieder sehr einsam fühlte, musste sie an ihren Vater denken. Nachdem ihre Mutter gestorben war, hatte er versucht, auch seinem Leben ein Ende zu setzen. Der Strick war jedoch nicht fest genug gewesen, und ihr Vater war zu Boden gestürzt. Den Tod hatte er nicht gefunden, litt seitdem jedoch unter Irrsinn. Inzwischen erkannte er selbst seine Tochter nicht mehr und war einmal sogar mit der Axt auf Jenna losgegangen, weil er sie für eine Diebin gehalten hatte. Seitdem saß er im Hospital des Klosters Revilien und wartete dort auf sein Ende. Alles war in so kurzer Zeit geschehen, dass Jenna kaum um die Mutter hatte trauern können. Ihr Herz zog sich bei dem Gedanken an den Tod der Mutter zusammen. Aus einem Husten war rasch eine Lungenentzündung geworden, und Jenna verzie

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