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Das Haus Gottes von Lyne, Charlotte (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2014
  • Verlag: hockebooks
eBook (ePUB)
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Das Haus Gottes

Portsmouth 1336: Erfüllt von Hoffnungen geht die junge Dorothy in die aufstrebende Hafenstadt, um den Sohn eines berühmten Schiffbauers zu heiraten. Doch ihre Ehe entpuppt sich als Alptraum und dann bricht der Hundertjährige Krieg aus. Die französische Flotte legt Portsmouth in Schutt und Asche, und Dorothy muss über sich selbst hinauswachsen, um ihre Familie durchzubringen. Zur Seite steht ihr nur ihr Schwiegervater - doch der wird verdächtigt, seine untreue Ehefrau ermordet zu haben. Charlotte Lyne wurde 1965 in Berlin geboren, studierte Germanistik, Latein und Italienische Literatur in Neapel und Berlin sowie Anglistik in Berlin und London. Als Übersetzerin, Lektorin und Autorin lebt sie mit ihrem britischen Mann und ihren drei Kindern in London. Sie hat unter ihrem Namen und Pseudonymen zahlreiche Bücher unter anderem bei Droemer Knaur und Lübbe veröffentlicht, ihr Roman "Als wir unsterblich waren" stand wochenlang auf der Bestseller-Liste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 605
    Erscheinungsdatum: 15.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783943824575
    Verlag: hockebooks
    Größe: 1419 kBytes
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Das Haus Gottes

Für meine Eltern
Für Portsmouth am Solent

Sumer is icumen in,
Lhude sing, cuccu!
Groweth sed and bloweth med
And springth the wde nu,
Sing cuccu!
Awe bleteth after lomb
Lhouth after calue cu.
Bulluc sterteth, bucke uerteth
Murie sing cuccu!
Cuccu, cuccu, well singes thu, cuccu.
Ne swik thu nauer nu,
Sing cuccu nu, sing cuccu.

Der Sommer ist gekommen.
Sing lauthals, Kuckuck!
Samen sprießen, Wiesen blühen,
Und der Wald schlägt aus.
Sing, Kuckuck!
Das Schaf blökt nach dem Lamm,
Und die Kuh muht nach ihrem Kalb.
Es springt der Ochse, es furzt der Bock,
Sing heiter, Kuckuck!
Kuckuck, Kuckuck, so schön singst du, Kuckuck.
Schweig nimmermehr.
Sing, Kuckuck. Sing.

(Englischer Rundgesang des Spätmittelalters)
Prolog:
Die Frau in der Salzwiese

Portsmouth, Hampshire,
September 1322

Ihr Mann nahm die Peitsche. Sie wippte in seiner Hand, die armlange Lederpeitsche, die er benutzte, um sein gelbbraunes Fohlen einzureiten. Mit der freien Hand stieß er die Frau, die keinen Halt fand und stürzte. Schulter und Hüfte prallten hart auf die Dielen. Sie schrie. Seit sie ihrem Mann vermählt worden war, hatte niemand ihr Schmerz zugefügt. Sie erhaschte einen Blick auf sein Gesicht, das sie weiß und gefasst kannte und das jetzt die Fassung verlor und dunkel anlief. Ich habe dich geschlagen. Schlag du mich, zahl's mir heim, und dann lass all das zwischen uns vergangen sein.

Als er die Peitsche über den Kopf hob, bedeckte sie das Gesicht mit den Armen und kniff die Augen zu. Doch der Hieb, auf den sie wartete, kam nicht. Nur die Stimme ihres Mannes peitschte auf sie nieder. "Geh", sagte er, ganz kalt, ganz reglos. "Geh zu ihm, er soll dich nehmen. Komm nie wieder in mein Haus."

Er verstummte, und sie hörte den Regen prasseln, hörte ihren kleinen Jungen oben nach ihr weinen. Ihr Mädchen schlief wohl, ahnte nichts von Gefahr. Mit Mühe rappelte sie sich auf die Knie. Seit Tagen hatte sie den Boden nicht gefegt, und jetzt hing all der Dreck in ihren Röcken. Sie sah auf das Gesicht ihres Mannes: Es war starr, und das Haar hing ihm in die Stirn.

Ich hab dich so lieb, mein Amselhahn. Ich bin das schlechteste Weib in der Stadt, ich sollte mit dem Strohkranz gehen, aber als wir am Wasser der Äbtissin lagen, dein Pechkopf in meinem Schoß, hatten wir es nicht schön? Behalt mich doch bei dir. Greif doch dem Rad mit deinen Zauberhänden in die Speichen und dreh es noch einmal zurück.

"Pack dich." Er trat an ihr vorbei und warf die Tür auf. "Geh."

Sie stemmte sich hoch. Wind blies Nässe in die Stube. Die Röcke raffend rannte sie aus der Türe in den Regen, die Gasse hinunter, deren Boden durchweicht war. Bei jedem Schritt sanken ihre Füße ein, klebten im Schlamm. Wohin laufe ich denn?, fragte sie sich jäh. Zu ihm, zu meinem hübschen, fetten Schweinchen, die Küste entlang, und wie eine nasse Katze leg ich mich vor seine Tür?

Der Himmel hing tief. Solcher Sturm war ein Vorzeichen allen erdenklichen Übels: Die Ernte mochte leiden, die Steuer steigen, ein Schiff sinken oder die Welt untergehen. Auf der gepflasterten Hauptstraße zauste Wind die Budendächer. Jeden Donnerstag war Wochenmarkt, doch Anger und Gasse waren menschenleer. Die Händler waren vor dem Unwetter unters Dach der Metzgerhalle geflüchtet. Da war niemand, der die Frau erspähen konnte, ohne Gebende, im schlammbespritzten Kleid. Kein fauler Apfel, der ihr auf dem Hintern zerplatzte, kein Hohn, der brannte: "Seht, da rennt sie, die schöne Hoch-das-Haupt, gebt ihr was auf den Weg, der Ehebrecherin!" Sie lief schneller, ließ die Marktstraße hinter sich.

Und dann roch sie das Meer. Immer roch man es, sobald man aus dem Gefängnis enger Gassen brach, und hörte seine Stimme, selbst wenn Stürme lärmten wie heute. Noch ein paar verstreute Häuser, ein Gehöft, ein Lager, dann erstreckte s

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