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Das Herz des Königs Roman. von Alvarez, Viola (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2009
  • Verlag: Bastei Lübbe E-Books
eBook (ePUB)
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Das Herz des Königs

Man kennt ihn als den betrogenen Ehemann - in ihrem fulminanten Roman erzählt Viola Alvarez die Geschichte von Marke, dem legendären König von Cornwall, seiner Frau Isolde und deren Liebhaber Tristan, neu. Befallen von einer unerklärlichen Starre, lässt Marke sein Leben an sich vorüberziehen: seine harte Kindheit in der Bretagne, seine Zeit als mächtigster Herrscher der Britischen Inseln, seine Zwangsheirat mit der naiven Isolde und seine Begegnung mit Brangaene, der großen Liebe seines Lebens, der einzigen Frau, die ihn retten kann ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 511
    Erscheinungsdatum: 17.03.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838700298
    Verlag: Bastei Lübbe E-Books
    Serie: BLT Nr.92187
    Größe: 1405kBytes
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Das Herz des Königs

Der Fluss

Ich wurde vor sechsundfünfzig Jahren zur Hälfte des zweiten Monats nach Mittsommer geboren, in dem Jahr, nachdem die Nordvölker Tintâgel für drei Monate belagert und nicht hatten einnehmen können. Meine Mutter war Cornelia Juvenea, die Enkeltochter des letzten römischen Statthalters des Grenzwalls im Süden, mein Vater hieß Marcus Valerius wie ich. Er war Lehnsherr über Tintâgel, unter der Gnade des letzten Kaisers zum König gekrönt, bevor die Römer genug Schwierigkeiten mit sich selbst hatten und uns unseren eigenen Streitigkeiten überließen.

Es waren für Britannien die Jahre der Nordvölker und Sachsen. Scheußliche Jahre, doch Tintâgel liegt am anderen Ende der Welt.

Die Menschen hier sterben nicht durch Krieg, eher durch Langeweile, scherzten die Bauern, bevor sie es besser lernen mussten. Denn die Iren hielten ihre Beutezüge damals noch weiter nördlich ab, sodass der große Krieg, der uns so viele Jahre Leid brachte, in weiter Ferne lag.

Es ist schwer, auf ein Leben zurückzublicken, ohne der Versuchung zu erliegen, es so aus erhabener Ferne zu sehen, wie man einen Fluss im Tal von einem Hügel aus sieht.

Wenn jemand nahe vor einem Fluss steht, scheint dieser unendlich lang und breit, kaum zu überwinden. Und obwohl wir wissen, dass er von einer Quelle kommt und auf eine Mündung hinfließt, erkennen wir doch nur das Stück, vor dem wir stehen, seine rauschenden und dennoch stehenden Wasser. Vom Hügel aus aber sehen wir einfach einen Fluss, wie er sich durch die Landschaft windet, sich einfügt in seine Umgebung.

In meinen frühen Jahren habe ich vor so vielen Flüssen gestanden, einer erschien mir breiter als alle zuvor, und der nächste wieder und wieder. Jetzt vom einsamen Hügel meiner stillen Tortur, sehe ich alle diese Flüsse, wie sie sich zu einem einzigen Strom vereinigen, der auf ein Ziel zuführt, auf die Frau, die mein Meer wurde. Auf Brangaene.

Ich werde versuchen, die Flüsse wieder zu sehen, wie das dumme Kind, das ich war, als ich vor ihnen stand. Ich werde mir Zeit nehmen, alle diese Flüsse noch einmal zu überqueren. Vielleicht lassen sie mich ein zweites Mal bei ihr ankommen.

Als Kind sah ich meinen Vater als einen Helden, unverwundbar, tapfer und ohne Fehler. Er war zu selten zugegen, als dass er mir in seinem kurzen Leben anderes hätte beweisen können. Als er starb, war ich gerade zu den Zieheltern gekommen. Meine Erinnerungen an die Eltern sind schwach, oft vermischt mit den Wunschbildern des Mannes späterer Jahre, der es eilig hatte, mit der Erinnerung an beide seinen Frieden zu machen. Die Bürden meines Standes erschienen mir bisweilen so groß, dass ich sie nur tragen konnte, wenn ich mir fabulierte, beide Eltern wären mit besonderen, übermenschlichen Gaben ausgestattet gewesen. Diese Gedanken brauchte ich, damit ich nicht wankte unter der Vielzahl von Hindernissen, die sich mir in den Weg stellten. Aber inzwischen bin ich klar genug, mir einzugestehen, wie wenig ich über diese beiden Menschen weiß, wie fern sie mir sind.

Sind die Hände, an die ich mich erinnere, wie sie mich im Bade hielten, die Hände meiner Mutter oder die einer der Zofen und Kammerfrauen?? Wem gehört das Lachen, das mir jedes Mal ein Gefühl im Bauch schenkte, als hätte ich frische heiße Milch mit Honig getrunken?? Ich wünsche mir heute mehr denn je, dass es das Lachen meiner Mutter war, doch ich sehe nicht einmal mehr ihr Gesicht vor mir. Die Erinnerung daran verschwimmt vor meinen Augen wie eine der kostbaren Miniaturmalereien im neuen Gebetbuch des Bischofs, das er mir bei seinem nutzlosen letzten Besuch zeigte, in der freundschaftlichen Hoffnung, mich aufzuheitern.

Klarsichtig ist mir einzig die Erinnerung meines Herzens an etwas Schönes und Warmes und ein Frauenlachen, das solch ein Glück in sich klingen ließ, dass ich bete, es möge wirklich meiner Mutter gehört haben, und dass es mein Vater war, der sie so zum Lachen brachte.

Später habe i

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